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Wie Dynamo den Trainer zum Geburtstag beschenkt

Die Dresdner profitieren beim 2:0 in Zwickau auch von einem zweifelhaften Elfmeter. Wieso der Sieg trotzdem verdient ist - die erste Analyse mit Reaktionen.

Dynamo jubelt nach dem Führungstreffer durch Pascal Sohm. Die Dresdner haben sich die Führung erarbeitet.
Dynamo jubelt nach dem Führungstreffer durch Pascal Sohm. Die Dresdner haben sich die Führung erarbeitet. © PICTURE POINT

Zwickau. Es ist die Zahl des Tages, mal abgesehen vom Ergebnis: 16.825 Zuschauer sind in Zwickau zwar nicht im Stadion, aber doch dabei. So viele Geistertickets hat der FSV für das Sachsenderby abgesetzt, eine Aktion, die von Dynamo unterstützt wurde und von der auch die Dresdner profitieren. Es ist ein Beleg für die Freundschaft, die von den Fans vor 20 Jahren geschlossen wurde und von den Vereinen inzwischen gelebt wird.

Die Choreografie auf der Gegentribüne mit dem Slogan "Eene Bande" in den Farben beider Klubs zeigt dies, die Kapitäne Johannes Brinkies für Zwickau und Tim Knipping für Dynamo präsentieren vor dem Anstoß ein Transparent: "Mit Abstand beste Freunde."

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Doch auf dem Platz kennen beide kein Pardon, Dynamo setzt sich in einem umkämpften Duell mit den Toren von Pascal Sohm und Christoph Daferner per Elfmeter mit 2:0 durch. Es ist der dritte Sieg in Folge für den Tabellenführer der 3. Fußball-Liga. Wie es dazu kam - die erste Analyse in fünf Fragen und Antworten.

Warum ist Dynamos Sieg absolut verdient?

Nach dem aus Zwickauer Sicht unglücklichen 0:2 kurz vor dem Pausenpfiff, starten die Gastgeber umso aggressiver in den zweiten Durchgang, aber die einzige klare Chance hat Maximilian Wolfram erst in der 85. Minute, als er plötzlich frei zum Schuss kommt. Da fehlten nur Zentimeter. Ansonsten behalten die Schwarz-Gelben jederzeit die Kontrolle.

Das wirkt absolut abgeklärt, ist defensiv stabil und offensiv zumindest so gefährlich, dass der Gegner seinerseits wenig riskieren kann und weitgehend harmlos bleibt. Das Spiel der Dresdner hat Struktur, gepaart mit der notwendigen Einstellung. Diese Souveränität zeichnet ein Spitzenteam aus.

Es war ein umkämpftes Spiel. Zwickaus Stürmer Ronny König hatten Paul Will und seine Kollegen aber gut unter Kontrolle.
Es war ein umkämpftes Spiel. Zwickaus Stürmer Ronny König hatten Paul Will und seine Kollegen aber gut unter Kontrolle. © PICTURE POINT

"Es macht mega viel Spaß, wir haben echt eine geile Mannschaft auch von der Breite im Kader", sagt Torschütze Sohm in Anspielung auf die vielen Ausfälle. "Die andere brennen genauso und rufen ihre Leistung ab." Ein dickes Lob macht auch Torhüter Kevin Broll seinen Kollegen. "Die Jungs haben sensationelle Arbeit geleistet, so spielt man Fußball, so bleibt man auch oben stehen." Trotzdem müsse man demütig bleiben. "Jedes Spiel muss gespielt werden über 90 Minuten, es kann so viel passieren."

Die nächste Partie bestreiten die Schwarz-Gelben am Mittwoch, 19 Uhr, mit dem Nachholer gegen Bayern München II. "Es war heute ein harter Kampf, den müssen wir jeden Spieltag annehmen. Dann kann es so weitergehen", betont Broll.

Wie reagieren die Beteiligten auf den Elfmeter?

Es ist eine Schlüsselszene, auch wenn sich Dynamos Sieg nicht etwa darauf reduzieren lässt. Doch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit liegt Schiedsrichter Patrick Kessel mit seiner Entscheidung eher falsch. Der Arm von FSV-Verteidiger Nkansah ist angelegt, zudem wird er von Sohm aus kürzester Distanz angeschossen. Kein Elfmeter, aber es gibt ihn. Daferner verwandelt sicher zum 2:0.

"Ich habe ein Problem mit der Szene, denn er wird angeschossen", sagt Zwickaus Trainer Joe Enochs danach bei Magenta-TV. "99 Prozent der Schiedsrichter geben keinen Elfmeter. Der eine hat ihn heute gegeben. Das ist eine harte Entscheidung kurz vor der Pause." Der US-Amerikaner sagt aber auch, dass seine Mannschaft in den Aktionen davor hätte besser klären müssen. "Dann kommt es nicht dazu."

Pechvogel Nkansah war dennoch sauer: "Der Elfmeter ist ein Witz. Der schießt mir aus einem Meter an die Hand. Mit Schiedsrichtern kannst du eh nicht reden, das interessiert die nicht. Gerade vor der Halbzeit ist das tödlich, aber Dresden hat verdient gewonnen."

Pascal Sohm selbst sagte zur strittigen Szene: "Ich sehe, dass er den Ball mit dem Arm blockt. Ob das am Ende ein Elfmeter ist oder nicht, puh. Ich blicke da selbst nicht mehr durch. Ich weiß nur, dass er ihn mit dem Arm berührt. Aus meiner subjektiven Meinung kann man den Elfmeter geben."

Markus Kauczinski will sich mit dem Strafstoß sowieso nicht weiter beschäftigen. "Wir haben auch schon welche gegen uns bekommen, bei denen ich mir nicht klar bin, ob sie berechtigt waren", sagt Dynamos Trainer. "Vielleicht gleicht sich das irgendwann, irgendwie aus. Das wird Zwickau aber jetzt nicht helfen." Er wolle auch kein Schiedsrichter sein, "weil sie es selbst manchmal nicht wissen, wie sie das Handspiel auslegen sollen".

Was bedeutet der Sieg für Kauczinski am Geburtstag?

Er habe kein Problem damit, an seinem Geburtstag an der Seitenlinie zu stehen. "Darauf nimmt der Job und der Alltag keine Rücksicht. Es war immer irgendwas, ich bin es nicht anders gewohnt", meinte Kauczinski, der seit Samstag 51 Jahre alt ist. "Ab einem gewissen Alter verliert das eh an Bedeutung, für mich persönlich war das nie so wichtig. Das läuft so nebenher."

Für den Sieg, den ihm die Mannschaft geschenkt hat will er trotzdem "zu gegebener Zeit etwas springen lassen. Den Zeitpunkt müssen wir noch finden", verrät der Chefcoach, stellt aber auch klar: "Das hat aber gar nichts mit der Leistung zu tun. Wir wollen auch ohne meinen Geburtstag jedes Spiel gewinnen. Deswegen nehmen wir das heute einfach mit."

Die drei Punkte wollte er sich vorher nicht wünschen. Das sei eben so eine Sache, meinte Kauczinski. "Für Wünsche kriegt man nichts, wir müssen hart dafür arbeiten, dann werden wir am Ende auch bekommen, was wir verdienen." Deshalb beließ er es beim wichtigsten Wunsch: Gesundheit. "Es ist alles nichts wert, wenn es dir oder deiner Familie nicht gut geht."

Den Abend wollte er gemütlich verbringen, mehr geht in Corona-Zeiten sowieso nicht. "Meine Frau ist da und dann werden wir ein schönes, nettes Abendessen zusammen machen" Immerhin hatte er zum runden Jubiläum vor einem Jahr noch eine Überraschungsparty gefeiert, als ihn Familie und Freunde in Dresden besuchten. "Das war super."

Wie kam Dynamos Führung zur Pause zustande?

Überrascht konnten die Dresdner nicht sein. "Wir erwarten eine bissige, körperlich sehr robuste Mannschaft, die sehr kompakt agiert", hatte Kauczinski vorher gesagt - und er sieht sich bestätigt. Es ist von Anfang an ein Kampfspiel, die schwere Verletzung des Zwickauers Yannik Möker aber kommt unglücklich zustande.

Dynamo hält körperlich dagegen und versucht, "unsere spielerischen Elemente einzubringen, weil darin unsere Stärke liegt". Gefährlich wird es jedoch zunächst selten. Einen Schuss von Julius Kade fängt FSV-Torwart Brinkies sicher (13.), der Versuch von Sohm wird geblockt (28.), beim Kopfball-Ableger von Daferner reagiert Brinkies überragend (29.).

Dresdens Pascal Sohm trifft per Kopf zum 1:0. Ob der Ball tatsächlich hinter der Linie war, lässt sich nur mutmaßen.
Dresdens Pascal Sohm trifft per Kopf zum 1:0. Ob der Ball tatsächlich hinter der Linie war, lässt sich nur mutmaßen. © Foto: Picture Point

Der Schlussmann, den Zwickau-Legende Jürgen Croy vorher gelobt hatte, reagiert auch blitzschnell, als der Ball nach dem Kopfball von Sohm vom Innenpfosten zurückprallt. Ob er ihn vor oder hinter der Linie erwischt, lässt sich nur mutmaßen. Eine Torlinientechnik gibt es in der 3. Liga nicht, Luca Schlosser, der Assistent an der Seitenlinie, zeigt mit der Fahne zum Anstoßpunkt: Tor, 1:0-Führung für Dynamo.

Torschütze Pascal Sohm sagt zu dieser Szene: "Im Spiel habe ich es in einer Art Zeitlupe gesehen. Manchmal hat man so einen kurzen Moment, in dem man genau sieht, der Ball war hinter der Linie oder nicht. Das Gefühl hatte ich auf jeden Fall."

Es folgte der Elfmeter. Die Führung ist verdient, wenngleich in der Höhe glücklich. Zwickau hatte keine echte Chance.

Warum blieb Kreuzer diesmal draußen?

Für die Leistung von gestern könne man sich nichts mehr kaufen, hatte Kauczinski gesagt. Das war aber nicht etwa der Grund, weshalb er Rückkehrer Niklas Kreuzer nach seinem Traum-Comeback beim 3:1-Sieg gegen den VfB Lübeck und an seinem 28. Geburtstag aus der Startelf genommen hat. Vielmehr stand mit Ransford-Yeboah Königsdörffer nach Gelb-Sperre der Platzhirsch für die Position auf der rechten Seite wieder bereit. "Das sind Luxusprobleme, die wir haben. Gott sei Dank," meinte der Chefcoach.

Ransford-Yeboah Königsdörffer kehrte nach seiner Gelbsperre zurück zur Mannschaft und erhielt den Vorzug gegenüber Niklas Kreuzer.
Ransford-Yeboah Königsdörffer kehrte nach seiner Gelbsperre zurück zur Mannschaft und erhielt den Vorzug gegenüber Niklas Kreuzer. © PICTURE POINT

Kreuzer sei zwar "auf der Position mehr zu Hause" und Königsdörffer "kein Defensivkünstler", hatte er vorher abgewogen. Doch den Ausschlag gab letztlich die Überlegung, Kreuzer nach seiner langen Spielpause "in keine Verletzung hinein zu manövrieren. Die Gefahr, dass irgend etwas reißt, sehe ich immer noch. Wir haben Niklas auch im Training hin und wieder mal rausgenommen, weil ein bisschen was gezwickt hat."

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Es war die einzige Änderung im Vergleich zum Heimspiel gegen Lübeck am vorigen Sonntag. Kapitän Sebastian Mai saß gegen seinen Ex-Verein das letzte seiner drei Spiele Sperre nach seinem Platzverweis in Mannheim ab. "Leider hat es sich aufgrund der zwei ausgefallenen Spiele hingezogen. Ich hätte heute gern hier gespielt", sagte Mai. "So ist das Leben, ich scharre mit den Füßen." Von Kauczinski durfte er jedoch kein Mitleid erwarten: "Er muss es hinnehmen. Was er denkt und fühlt, spielt keine Rolle. Er hat die Rote Karte zu recht kassiert, Strafe muss nun mal sein." Punkt.

Den Liveticker vom Spiel zum Nachlesen finden Sie hier.

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