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Die hitzige Diskussion über Dynamos Tore

Die Dresdner gewinnen verdient mit 2:0 in Zwickau, haben dabei aber auch Glück und profitieren von einem Fehlurteil. Was die Regel sagt und wie es die Beteiligten sehen.

Dynamos Pascal Sohm trifft den Ball mit dem Kopf, doch der springt zuerst an den Innenpfosten. Ob er danach hinter der Linie ist, bleibt strittig.
Dynamos Pascal Sohm trifft den Ball mit dem Kopf, doch der springt zuerst an den Innenpfosten. Ob er danach hinter der Linie ist, bleibt strittig. © Foto: Picture Point

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Die Regel 12 ist ein wenig lang, aber eigentlich nicht wirklich kompliziert. Unter „Fouls und unsportliches Betragen“ ist haargenau aufgelistet, wann ein Handspiel strafbar ist – und wann nicht. Trotzdem wird über kein anderes Thema im Fußball so heftig gestritten, egal, ob mit Videobeweis wie in den Bundesligen oder eben ohne wie in der 3. Liga. So wird also auch nach Dynamos souveränem Sieg im Sachsenderby beim FSV Zwickau kontrovers über den Elfmeter diskutiert, den die Dresdner in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit bekommen.

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Von einem „ganz bitteren Moment“ und einem „Knackpunkt“ im Spiel spricht Joe Enochs. Der FSV-Trainer hat „ein Problem mit der Szene“, das er genau benennen kann: „Er wird angeschossen.“ Tatsächlich bekommt Zwickaus Verteidiger Steffen Nkansah den Ball von Pascal Sohm aus nächster Distanz an den Arm. „Ich sehe, dass er den Ball mit dem Arm blockt“, schildert Dynamos Angreifer die Szene – und mag sich nicht festlegen: „Ob das ein Elfmeter ist oder nicht, puh … Ich blicke da selbst nicht mehr durch.“

Sein Gegenspieler sieht das natürlich komplett anders. „Der Elfmeter ist ein Witz. Der schießt mir aus einem Meter an die Hand“, schimpft Nkansah – und das zu Recht. Denn die Formulierungen der internationalen Regelhüter sind für diesen Fall ziemlich eindeutig.

Nkansah hat den Ball eben nicht „absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt“, er hat seinen Körper nicht „aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert“, und seine Hand oder sein Arm befand sich auch nicht „über Schulterhöhe“. Vielmehr traf eben jener Passus zu: „Der Ball springt direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) eines Spielers an die Hand/den Arm eines anderen, nahe stehenden Spielers.“ Und dann ist es laut Regel eben „in der Regel kein Vergehen“.

Sieg trotz des Fehlurteils absolut unstrittig

Enochs liegt also wahrscheinlich richtig mit seiner Einschätzung, „99 Prozent der Schiedsrichter geben keinen Elfmeter“. Patrick Kessel, 31 Jahre, aus Norheim in Rheinland-Pfalz gehört am sonnigen Samstagnachmittag zu dem einen Prozent, die anders entscheiden. Christoph Daferner lässt sich die Chance nicht entgehen und Johannes Brinkies beim Treffer zum 2:0 für Dynamo keine Chance. Der starke FSV-Torhüter hatte zuvor einen Kopfball-Ableger des Dresdners pariert. Die Führung zur Pause kommt also nicht von ungefähr.

Berechtigt oder nicht: Christoph Daferner verwandelt den Handelfmeter sicher zum 2:0 für Dynamo und lässt Zwickaus starkem Torwart Johannes Brinkies keine Chance.
Berechtigt oder nicht: Christoph Daferner verwandelt den Handelfmeter sicher zum 2:0 für Dynamo und lässt Zwickaus starkem Torwart Johannes Brinkies keine Chance. © Foto: Karina Hessland-Wissel

Und auch der Sieg der Schwarz-Gelben ist trotz dieses Fehlurteils absolut unstrittig, was auch der Zwickauer Unglücksrabe anerkennt. „Mit Schiedsrichtern kannst du eh nicht reden, das interessiert die nicht“, stellt Nkansah desillusioniert fest. „Gerade kurz vor der Pause ist das tödlich, aber Dresden hat verdient gewonnen.“ Und auch Enochs kritisiert außer dem Unparteiischen auch seine Mannschaft, die davor hätte besser verteidigen müssen. „Dann kommt es nicht dazu.“

Über den ersten Treffer wird weitaus weniger geredet, obwohl auch der nicht wirklich eindeutig ist. Wieder ist Sohm entscheidend beteiligt. Sein Kopfball prallt vom Innenpfosten ab, Brinkies erwischt ihn, aber: Ob vor oder hinter der Torlinie, ist auf die Schnelle schwer zu erkennen. Luca Schlosser, der Assistent an der Seitenlinie, legt sich allerdings sofort fest und signalisiert mit dem Fähnchen: Tor!

In der Bundesliga ist seit der Saison 2015/16 die Torlinientechnik im Einsatz, inzwischen auch in der zweiten Liga: Mithilfe eines Hawk-Eye-Systems (Falkenauge) wird überprüft, ob der Ball den weißen Kreidestrich vollständig überquert hat. Die Drittligisten, zu denen damals auch Dynamo zählte, entschieden sich wegen der Kosten von etwa 135.000 Euro pro Saison gegen die Installation der Kameras.

Augenmaß des Schiedsrichters weiterhin gefragt

Deshalb ist hier weiterhin das Augenmaß des Schiedsrichters und seiner Assistenten gefragt. Einer ist sich natürlich ganz sicher. „Ja, klar war der hinter der Linie“, sagt Sohm – und blinzelt nicht nur wegen der Sonne: „Das sieht man doch.“ Mit den Fernsehbildern bei Magenta-Sport ist eine Tendenz zu erkennen, aber zu hundert Prozent auflösen lässt es sich nicht.

Dynamo kann es egal sein, denn, so sehr über die Tore diskutiert wird, das Ergebnis ist absolut gerechtfertigt nach einem umkämpften, aber fairen Spiel, das die Dresdner klar dominiert haben. Trainer Markus Kauczinski, den die Mannschaft zum 51. Geburtstag mit einer "reifen Leistung" beschenkt, ist zufrieden. Der Spitzenreiter ist in jeder Phase souverän aufgetreten und hat Zwickau lediglich eine Chance gestattet: Maximilian Wolfram verzog in der 85. Minute knapp. „Wir hatten das Spiel gut unter Kontrolle“, zog Kauczinski ein positives Fazit.

In der Diskussion über den Elfmeter schließt sich Dynamos Chefcoach gern der Mehrheitsmeinung an. „Wenn mir alle sagen, den muss man nicht geben, dann glaube ich das“, meint der nun 51-Jährige und spricht aus eigener Erfahrung: „Wir haben auch schon welche gegen uns bekommen, bei denen ich mir nicht klar bin, ob sie berechtigt waren“, sagt er und meint wohl auch den Strafstoß beim 0:1 in Mannheim. Wobei der regelkonform war, weil Kevin Ehlers die Arme nach oben gerissen hatte, wenngleich in einer reflexhaften Schutzbewegung, als er den Ball abwehrte.

„Das wird Zwickau jetzt nicht helfen“, weiß Kauczinski, aber eine Floskel passt in solchen Fällen immer: „Vielleicht gleicht sich das irgendwann irgendwie aus.“

Dynamos Sieg in Zwickau - eine reife Leistung: hier die Spieler in der Einzelkritik.

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