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Herausragende in Dynamos herausragender Saison

Ein Dauerverletzter hat die besten Noten, der Effektivste wird ständig ausgewechselt und Kevin Broll ist besser als Manuel Neuer – der etwas andere Saisonrückblick.

Philipp Hosiner (Mitte) war der effektivste Dynamo Profi in dieser Saison – und Wechselkönig.
Philipp Hosiner (Mitte) war der effektivste Dynamo Profi in dieser Saison – und Wechselkönig. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Für zehn Aufsteiger geht die Saison in die Verlängerung. Anstrengen müssen sie sich dabei allerdings nicht. Am Pfingstsonntag flogen zehn Dynamos um Kapitän Sebastian Mai und Stellvertreter Yannick Stark zu einem Kurztrip auf die Ferieninsel Mallorca. Party im engsten Kreis quasi.

Dass die Dresdner nach nur einem Jahr ins Bundesliga-Unterhaus zurückkehren, ist für Stürmer Pascal Sohm „das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung, auch wenn das klischeehaft klingen mag“. Damit liegt er richtig, kein Konkurrent hatte einen so starken und so ausgeglichenen Kader wie Dynamo. Und dennoch gab es einige, die herausgeragt haben:

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Der Dauerläufer

Der Titel klingt ein wenig komisch bei einem Torhüter. Doch außer Kevin Broll stand kein anderer Dresdner die kompletten 3.420 Minuten auf dem Platz. Insgesamt schafften das neben dem 25-Jährigen nur noch sechs weitere Profis in dieser Drittliga-Saison – allesamt Schlussmänner. Keiner von ihnen kann allerdings eine so brillante Statistik vorweisen wie Broll: Bei 19 seiner 38 Einsätze kassierte er kein Gegentor. 50 Prozent – das hat kein Kollege in der 1. oder 2. Bundesliga geschafft, Peter Gulacsi von RB Leipzig kam mit 45,5 Prozent zumindest in die Nähe. Allein sein Verdienst sei das aber nicht, findet Broll. „Ich habe ja nicht die Null gehalten, sondern die gesamte Mannschaft. Jeder wirft sich rein, um zu verteidigen.“ Auch in der vorigen Saison war er Dynamos Dauerläufer, verpasste da lediglich das letzte Spiel, weil Tim Boss ein Abschiedsgeschenk bekam.

Der Notenbeste

Gemessen an den Zensuren, die das Fachmagazin Kicker und die SZ-Sportredaktion bei jedem Spiel verteilt haben, dürfte die Vertragsverlängerung mit Marco Hartmann reine Formsache sein. 2,6 und 2,0 – besser als der Routinier war keiner. Doch da gibt es noch die andere Seite: Lediglich bei fünf Partien stand der 33-Jährige die kompletten 90 Minuten auf dem Platz, den Rest der Saison fehlte er verletzt. „Ich habe klar bekundet, dass ich gerne noch ein Jahr Fußball spielen möchte“, erklärte er. Derzeit laufen die Gespräche, am Pfingstsonntag wurde er zwar erst einmal verabschiedet - gemeinsam mit Niklas Kreuzer, Justin Löwe, Leroy Kwadwo, Stefan Kiefer, Jonathan Meier, Marvin Stefaniak und Maximilian Großer, bei denen die Verträge oder Leihgeschäfte ebenfalls alle auslaufen. Doch „bei dem einen oder anderen wollen wir uns noch etwas Zeit verschaffen, um über eine Weiterbeschäftigung in Ruhe nachzudenken“, wie Sportchef Ralf Becker erklärte.

Der Wechselkönig

Der Blick zur Außenlinie dürfte bei Philipp Hosiner zum Spiel gehören wie Dribbling und Torschuss. Bei 31 seiner 34 Einsätze wurde die Tafel mit seiner Rückennummer hochgehalten, 22 Mal davon bei Auswechslungen. Das dürfte selbst ligaweit ein Spitzenwert sein. Wer derart häufig früher vom Platz muss, dem ließen sich konditionelle Defizite unterstellen. Doch das war sicher selten bis nie der Grund, sondern vielmehr die Konkurrenz. Mit Christoph Daferner, Pascal Sohm und Hosiner hatte Dynamo drei nahezu gleichwertige Angreifer im Kader, von denen meist nur zwei gleichzeitig spielten. Ex-Trainer Markus Kauczinski neigte in der Offensive zur Rotation, Hosiner war da der Hauptleidtragende.

Der Top-Torjäger

Christoph Daferner galt nicht gerade als Königstransfer im vergangenen Sommer. Wer bei Erzgebirge Aue in 21 Einsätzen nur ein Tor erzielt hat, dem eilte nicht gerade der Ruf eines Knipsers voraus. Doch bei Dynamo wurde er genau das: Neben seinen zwölf Treffern bereitete er auch sieben vor. „Natürlich freue ich mich darüber, aber weniger über die Anzahl, sondern mehr über wichtige Tore wie gegen Duisburg.“ Es war das zum 1:0-Sieg, das nach dem Trainerwechsel die Trendwende einleitete, die wiederum den Titel sicherte. „Das letzte Mal war ich in der D- oder E-Jugend Meister geworden“, freute sich Daferner. Wichtig war er für die Mannschaft aber nicht nur wegen seiner Trefferquote, sondern auch als vorderster Verteidiger. Unermüdlich rannte er die gegnerischen Verteidiger an und erzwang so manchen Ballgewinn. Der 23-Jährige wird wohl auch in Dresden bleiben. Durch den Aufstieg ist eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag hinfällig geworden.

Der Effizienteste

Das ist eigentlich Hosiner, der alle 108 Minuten entweder selbst ein Tor geschossen oder eins vorbereitet hat. Gleich dahinter kommt in der Statistik Sohm, bei dem das alle 121 Minuten klappte. Der Ex-Hallenser hatte das Pech, dass er sich gleich zu Saisonbeginn am Sprunggelenk verletzt hatte und erst Ende Dezember das erste Mal in der Startelf stand. Danach kam er aber immer besser in Schwung und erzielte beim Saisonfinale gegen Wehen Wiesbaden das Tor des Tages.

Der Kartensammler

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Zehn Gelbe und eine Gelb-Rote Karte wirken so, also sei Tim Knipping der Mann fürs Grobe. Doch das täuscht. Vom Platz gestellt wurde er zum Beispiel für eine Schwalbe. Das resolute Klären gehört trotzdem zu seinen Stärken – und das verwundert bei seiner Vorgeschichte: 2018 brach er sich das Schienbein und wurde acht Mal operiert, es drohte sogar die Amputation.

Die Spieler mit den besten Abschlussnoten:

Der Beste: Marco Hartmann bekommt von Sächsische.de eine glatte 2 und vom Kicker eine 2,6.
Der Beste: Marco Hartmann bekommt von Sächsische.de eine glatte 2 und vom Kicker eine 2,6. © ZB/dpa/Robert Michael
Die Nummer 2: Tim Knipping erhält von Sächsische.de eine 2,7 und vom Kicker eine 3.
Die Nummer 2: Tim Knipping erhält von Sächsische.de eine 2,7 und vom Kicker eine 3. © dpa/Robert Michael
Die Nummer 3 muss sich Kevin Broll teilen. Von Sächsisch.de bekommt er eine 2,8 vom Kicker eine 3.
Die Nummer 3 muss sich Kevin Broll teilen. Von Sächsisch.de bekommt er eine 2,8 vom Kicker eine 3. © dpa/Robert Michael
Ebenfalls Nummer 3: Christoph Daferner erhält von Sächsische.de eine 2,8, vom Kicker eine 3.
Ebenfalls Nummer 3: Christoph Daferner erhält von Sächsische.de eine 2,8, vom Kicker eine 3. © ZB
Die dritte Nummer 3: Auch Leroy Kwadwo bekommt von Sächsische.de eine 2,8, vom Kicker eine 2,9.
Die dritte Nummer 3: Auch Leroy Kwadwo bekommt von Sächsische.de eine 2,8, vom Kicker eine 2,9. © dpa-Zentralbild
Die geteilte Nummer 6: Kevin Ehlers erhält von Sächsische.de eine 2,9, vom Kicker eine 3,3.
Die geteilte Nummer 6: Kevin Ehlers erhält von Sächsische.de eine 2,9, vom Kicker eine 3,3. © Robert Michael/dpa
Die zweite Nummer 6: Pascal Sohm bekommt von Sächsische.de 2,9, vom Kicker eine 3,2.
Die zweite Nummer 6: Pascal Sohm bekommt von Sächsische.de 2,9, vom Kicker eine 3,2. © dpa/Robert Michael

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