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Dynamo: Reicht die Qualität für die zweite Liga?

Die Dresdner holen nach dem Aufstieg zwar acht neue Spieler, aber nur wenige mit Erfahrung. Der Sportchef sieht die Mannschaft jedoch bereits gut aufgestellt.

Die Freude nach dem Aufstieg wollen Dynamos Sportchef Ralf Becker (r.) und Trainer Alexander Schmidt mitnehmen.
Die Freude nach dem Aufstieg wollen Dynamos Sportchef Ralf Becker (r.) und Trainer Alexander Schmidt mitnehmen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Diese zweite Liga ist so erstklassig besetzt wie nie zuvor, das lässt sich mit Zahlen belegen: 309 Jahre Bundesliga, 31 Meisterschaften, dazu zwölf Titel in der DDR. Außergewöhnlich nennt Ralf Becker diese Konstellation. „Wegen der Emotionalität durch diese Traditionsvereine und der Spannung durch die Qualität werden wahnsinnig viele Leute darauf schauen“, meint Dynamos Sportgeschäftsführer. „Wir freuen uns, ein Teil davon zu sein, und wir wollen zeigen, dass wir zu Recht dazugehören.“

Das ist schließlich das Wichtigste für die Dresdner, die nach dem schmerzhaften Rückfall in die 3. Liga im Mai 2020 nun unverzüglich zurückgekehrt sind in diese illustre Runde aus Klubs mit einer schillernden Vergangenheit. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass sie in der Gegenwart den eigenen Ansprüchen kaum nahe kommen, sonst wären sie nicht abgestiegen wie Schalke 04 und Werder Bremen oder am Wiederaufstieg gescheitert sind wie der Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf oder – schon etwas länger – Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg.

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Bei Dynamo ist es ähnlich. Für die Sportgemeinschaft ergibt sich das Selbstverständnis aus den Glanzzeiten, die mittlerweile 30 Jahre her sind. Dennoch will sich Becker in den Zielen nicht einschränken. Wie er das meint, verrät er nicht, sondern formuliert etwas verklausuliert: „Wenn wir alle unseren Job machen, werden wir das allergrößte Ziel schaffen, in zwölf Monaten weiter ein Zweitliga-Verein zu sein.“ Der Klassenerhalt steht also an erster Stelle, wie sollte es anders sein.

Knipping: Teamgeist ist wirklich einzigartig

Zweifel daran sind tabu. „Weil wir eine super Truppe haben“, meint Trainer Alexander Schmidt. Und Tim Knipping wählt genau die gleichen Worte und fügt hinzu „von der Qualität, von der Breite des Kaders, vom Teamgeist. Der ist wirklich einzigartig“, meint der neue Vizekapitän, der die Mannschaft am Samstag, 13.30 Uhr, zum Auftaktheimspiel gegen den FC Ingolstadt auf den Platz führen wird. Sebastian Mai fehlt ebenso nach Muskelfaserriss wie Kevin Ehlers, Patrick Weihrauch und Agyemang Diawusie.

An Personal mangelt es bei Dynamo trotzdem nicht, derzeit gehören 31 Profis zum Aufgebot, darunter acht Neuzugänge sowie der erst am Mittwoch nach einer Stippvisite bei Union Berlin zurückgekehrte Julius Kade. Genauso viele Spieler haben den Verein verlassen, ein großer Umbruch ist das nicht gemessen am vorigen Sommer, als 18 Spieler gingen und 15 kamen. „Die Grundlage des Kaders wurde vor zwölf Monaten gelegt, als wir uns neu und gut aufgestellt haben“, sagt Becker. „Die Jungs haben es klasse gemacht und es verdient.“

Die zweite Liga, daran lässt der Sportchef keinen Zweifel, werde für alle eine Herausforderung, für die meisten eine völlig neue. „Jeder Einzelne muss den nächsten Schritt machen, um zu bestehen.“ Allzu viel Erfahrung hat Dynamo bislang nicht dazu geholt, sondern bei den Verpflichtungen mehr auf das Prädikat „jung und entwicklungsfähig“ gesetzt.

Mit dem 31 Jahre alten Österreicher Michael Sollbauer kam ein gestandener Innenverteidiger vom englischen Zweitligisten FC Barnsley. Zudem hat Brandon Borrello beim SC Freiburg zumindest an der Bundesliga geschnuppert (sieben Einsätze), vorige Saison bestritt der Australier mit italienischen Wurzeln 22 Spiele für Fortuna Düsseldorf in Liga zwei. Das sind sicher zwei Kandidaten für einen Platz in der ersten Startelf, die aufgrund der Ausfälle nur bedingt eine Wunschformation sein kann.

Becker: Grundsätzlich gut aufgestellt

Die vermeintlich erste Reihe hatte die Generalprobe bei Union Berlin mit 0:3 verpatzt, aber das sei analysiert und abgehakt, betont Schmidt. Die simple Erkenntnis des Trainers: „Wir dürfen uns einfach keine groben individuellen Schnitzer erlauben.“ Leichter gesagt als getan. Darüber hinaus komme es auf die Grundtugenden an, die in jeder Liga gelten: gute Zweikampfführung, sehr kompakt sein, als Team agieren, eine hohe Grundaggressivität zeigen und bei Standards auf der Höhe sein. Knipping nennt Herzblut und Leidenschaft als weitere Mittel, um gegen vermeintlich stärkere Gegner zu bestehen. „Viele Spiele werden sich darüber entscheiden, wer intensiver spielt, giftiger und galliger ist“, meint er.

An der Einstellung werde es nicht mangeln, ist sich der Trainer sicher. „Die Jungs marschieren von der ersten bis zur letzten Minute – davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagt Schmidt. Aber Wille allein wäre über eine Saison hinweg zu wenig, wenn es an Qualität mangelt. Diese schmerzhafte Erfahrung musste Dynamo beim Abstieg machen. „Ich sehe uns grundsätzlich gut aufgestellt“, erklärt Becker. Trotzdem weicht der Sportchef der Frage nach weiteren Neuzugängen aus. Die werde seit Beginn der Planungen ständig gestellt. „Es gibt die gleiche, normale, blöde Antwort: Irgendwann schließt das Transferfenster – und dann ist definitiv Schluss.“ Das wäre am 31. August, bis dahin könnte Dynamo auf mögliche Schwachstellen reagieren.

Die sollen sich aber am besten gar nicht erst auftun. Die Beispiele von Aufsteigern, die nach einem Jahr wieder runter mussten, sind Becker natürlich bekannt. Zuletzt Braunschweig und Würzburg, davor Wiesbaden und Magdeburg. „Ich bin total davon überzeugt, dass wir kein Verein sein werden, dem das passiert.“ Dafür – und hier wiederholt sich der Sportgeschäftsführer – „müssen wir uns entwickeln.“

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