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Dynamos super Saisonstart - die erste Analyse

Die Dresdner gewinnen zum Auftakt in der zweiten Liga mit 3:0 gegen Ingolstadt. Warum der Sieg verdient ist und was Trainer sowie Spieler danach sagen.

Dynamo zurück in der zweiten Liga - und die Fans im Stadion. Das passt gleich zum Auftakt beim klaren Heimsieg gegen Ingolstadt.
Dynamo zurück in der zweiten Liga - und die Fans im Stadion. Das passt gleich zum Auftakt beim klaren Heimsieg gegen Ingolstadt. © dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Die SGD ist wieder da! Und wie! Mit einem 3:0 (1:0)-Sieg gegen Mitaufsteiger FC Ingolstadt meldet sich Dynamo nach einem Jahr Abstinenz in der 2. Fußball-Bundesliga zurück. 7.102 Fans im unter Corona-Bedingungen ausverkauften Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion feiern ihre Mannschaft für den gelungenen Start in die neue Saison. Christoph Daferner mit einem Doppelpack und Heinz Mörschel erzielen die Tore für die deutlich überlegenen Schwarz-Gelben.

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Wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal in ein Stadion einläuft, hat sich Tim Knipping angesichts der inzwischen ungewohnten Kulisse gefühlt. "Ich bin ich einfach glücklich, dass wir diese Freude über das Ergebnis mit den Fans teilen können", sagt Dynamos Vizekapitän. "Ich habe schon Stadien mit 15.000 oder 20.000 Zuschauern erlebt, in denen weniger Stimmung war", meint Alexander Schmidt - und der Trainer ist überzeugt: "In Dresden ist es einer der großen Pluspunkte, dass die Fans voll mitgehen. Das hat Spaß gemacht."

Was war ausschlaggebend für Dynamos Sieg?

Dynamo versucht es permanent über die Außen, die Verteidiger Morris Schröter über rechts und Chris Löwe über links gehen mit nach vorn, flanken einige Male gefährlich. Bis es in der 41. Minute perfekt passt: Daferner sprintet zwischen zwei Innenverteidigern hindurch und erwischt Schröters scharfe Eingabe - das verdiente 1:0 gegen passive Ingolstädter.

Zum zweiten Mal schlägt der Ball hinter Ingolstadts Torwart Fbijan Buntic ein. Dynamos Brandon Barrello jubelt bereits, Torschütze Christoph Daferner (l) ist in Vorfreude.
Zum zweiten Mal schlägt der Ball hinter Ingolstadts Torwart Fbijan Buntic ein. Dynamos Brandon Barrello jubelt bereits, Torschütze Christoph Daferner (l) ist in Vorfreude. © dpa/Robert Michael

Dynamo ist mit Viererkette und drei Stürmern offensiv aufgestellt und setzt das taktische System mutig um. Das bleibt nach der Pause so, auch wenn Stefan Kutschke per Kopf eine gute Chance für Ingolstadt hat (50./drüber). Die Dresdner sind entschlossener, der eingewechselte Panagiotis Vlachodimos lässt sich beim Solo nicht vom Ball trennen, FCI-Torwart Fabijan Buntic pariert zwar seinen Schuss, aber Daferner bekommt den Abpraller und hämmert den Ball ins Netz (56.). Der Doppelpack ist perfekt, der Drops mit dem 2:0 gelutscht.

Völlig entspannt wäre es bereits gewesen, wenn der Schuss von Philipp Hosiner nach Vlachodimos` Flanke ein paar Zentimeter weiter rechts und nicht am Pfosten gelandet wäre (61.). Diese weitere Chance unterstreicht die Überlegenheit der Schwarz-Gelben, die auch defensiv alles im Griff haben. Mörschel macht dann mit dem 3:0 wirklich alles klar (67.).

Was sagen Trainer und Spieler nach dem Auftakt?

Zufrieden, erleichtert, sicher auch stolz. Aber keineswegs überschwänglich. Stattdessen sind die Dresdner darauf bedacht, den ersten Erfolg richtig einzuordnen. "Ich bin auf jeden Fall überglücklich, dass wir unser erstes großes Ziel, diese drei Punkte in Dresden zu behalten, erreicht haben", sagt Knipping. "Ich möchte der Mannschaft ein großes Lob zollen, wie sie es heute von der ersten bis zur letzten Minute durchgezogen hat. Ich glaube, es gab keine Zweifel, wer dieses Spiel gewinnt." Man habe die Anspannung gemerkt, die Erwartungshaltung im Umfeld sei groß. "Deshalb ist es wichtig, auch fürs Selbstbewusstsein, gut zu starten."

Mit hohem Einsatz wie hier Chris Löwe (r) gegen Stefan Kutschke, den Dresdner bei Ingolstadt, beeindruckt Dynamo den Gegner von der ersten Minute an.
Mit hohem Einsatz wie hier Chris Löwe (r) gegen Stefan Kutschke, den Dresdner bei Ingolstadt, beeindruckt Dynamo den Gegner von der ersten Minute an. © dpa/Robert Michael

Und der Verteidiger blickt bereits voraus: "Das war der erste Schritt, jetzt sind es noch 33 Spieltage. Es gilt für uns, jedes Spiel genauso anzugehen." Genauso sieht es der Trainer, der natürlich stolz auf sein Team ist. "Ich habe eine giftige, willige, hungrige Mannschaft gesehen, die mit Herz nach vorne verteidigt hat", sagt Alexander Schmidt, aber: "Wir werden jetzt nicht drei Tage feiern, sondern durchschnaufen und dann volle Konzentration auf Hamburg." Am nächsten Sonntag spielt Dynamo beim HSV, der das Auftaktspiel in der zweiten Liga am Freitagabend bei Schalke 04 mit 3:1 gewonnen hatte.

Selbst der doppelte Torschütze Daferner, der zudem mit seinem Körpereinsatz das 3:0 eingeleitet hat, wollte den Erfolg nicht zu hoch hängen. "Wir wollten den Zuschauern etwas bieten, dürfen es aber nicht überbewerten", meint er - und gibt sich zugleich zuversichtlich, dass es für Dynamo auch gut weitergeht. "Wir haben einen sehr großen Zusammenhalt, einer puhst den anderen, jeder weiß, wie er den anderen anzupacken hat."

Das simmt auch Knipping optimistisch, "weil ich weiß, was in der Mannschaft steckt und welchen Charakter sie hat. Wir haben mehr Leidenschaft reingelegt, und wenn wir so jedes Spiel angehen, wird es für jeden Gegner schwer, gegen uns etwas zu holen."

Für Gäste-Coach Roberto Pätzold blieb nur, dem überlegenen Kontrahenten zu gratulieren. "Wir waren von den Angriffswellen zu Beginn sehr beeindruckt, haben uns zu sehr zurückgezogen und waren nicht mutig genug. Unsere Bemühungen nach der Pause wurden nicht belohnt, das 0:2 war dann ein erheblicher Nackenschlag."

Wieso ist Dynamos Führung zur Pause verdient?

Schnell wird klar: Ingolstadt ist nicht angereist, um das Spiel zu bestimmen. Vielmehr sind die "Schanzer" darauf bedacht, das Geschehen zu verlangsamen, Torwart Fabijan Buntic lässt sich von Anfang an bei Abstößen aufreizend viel Zeit und zieht sich den Unmut der Zuschauer zu. Dynamo dominiert also, ohne jedoch echten Druck aufbauen zu können. Die ersten Abschlüsse sind Fernschüsse von Christoph Daferner (9., drüber), Ransford-Yeboah Königsdörffer (18./gehalten) und Brandon Borrello (25./vorbei).

Kurz vor der Pause trifft Christoph Daferner (r.) zum 1:0 für Dynamo. Ingolstadts Torwart Fabijan Buntic (l.) und Maximilian Neuberger können den Treffer nicht verhindern.
Kurz vor der Pause trifft Christoph Daferner (r.) zum 1:0 für Dynamo. Ingolstadts Torwart Fabijan Buntic (l.) und Maximilian Neuberger können den Treffer nicht verhindern. ©  dpa/Robert Michael

Die Gäste tasten sich langsam vor, sind dann aber zweimal kreuzgefährlich durch Dennis Eckert (28./vorbei) und Filip Biblija (29./drüber). Sie haben ihr erstes Teilziel erreicht, Dynamos Euphorie zu bremsen. Doch gerade, als die Partie einzuschlafen droht, sorgt Borrello mit einem Pfostenschuss für den ersten richtigen Kracher (35.). Wenig später trifft Daferner.

Wie hat der Trainer die Mannschaft aufgestellt?

Schmidt wollte sich vorher nicht festlegen, aber eine Tendenz ließ er durchblicken. Als er nach den Einsatzchancen von Julius Kade gefragt wurde, der erst am Mittwoch nach einer Stippvisite bei Union Berlin nach Dresden zurückgekehrt war, betonte der Trainer nicht nur, dass der 22-Jährige ein wichtiger Spieler sei. "Ich bin froh, dass er zurück ist." Er nannte zudem einen entscheidenden Vorteil: "Er muss sich nicht groß einspielen, kennt unsere Mechanismen."

Es hat ihn gewurmt, dass er nicht in der Startelf stand, verriet der Trainer hinterher. Doch die Reaktion von Heinz Mörschel hat ihm gefallen, denn nach seiner Einwechslung sorgt Dynamos erster Dominikaner mit einer starken Einzelleistung mit dem 3:0 für
Es hat ihn gewurmt, dass er nicht in der Startelf stand, verriet der Trainer hinterher. Doch die Reaktion von Heinz Mörschel hat ihm gefallen, denn nach seiner Einwechslung sorgt Dynamos erster Dominikaner mit einer starken Einzelleistung mit dem 3:0 für © dpa/Robert Michael

Und so überraschte es kaum noch, dass Kade tatsächlich in der ersten Startelf dieser neuen Zweitliga-Saison stand, gemeinsam mit Yannick Stark das bewährte Duo im defensiven Mittelfeld bildete.

Im Vergleich zur misslungenen Generalprobe gegen Union Berlin (0:3) blieben Paul Will und Heinz Mörschel draußen, außer Kade rückte Brandon Borrello ins Team. Der 25-Jährige war damit einer von vier Neuzugängen in der Anfangsformation, Kade nicht mitgezählt.

Eine wichtige Erkenntnis des Trainers nach dem Spiel: "Bei den Wechseln gab es keinen Qualitätsverlust, das zeugt von der Breite in unserem Kader."

Wie lief die Rückkehr der Fans ins Stadion?

Nach 264 Tagen ist er wieder da, der in der Hymne besungene zwölfte Mann. Allerdings sind aufgrund der Auflagen wegen der Corona-Pandemie nur 7.102 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion (etwa 50 aus Ingolstadt), was die Ultras mit einem Transparent am nur spärlich besetzten K-Block deutlich kommentierten: "Gemeinsam steigen wir ab und auf, ohne Einfluss auf den Inzidenzverlauf. Jetzt sind wir seit Wochen unter zehn - trotzdem darf kaum einer ins Stadion geh`n?!" Und schwarz auf gelb die Frage: "Stadt Dresden - GGGeht`s noch?"

Es ist ein bisschen wie früher, als der Dresdner Stefan Kutschke, der sein 100. Pflichtspiel für den FC Ingolstadt bestreitet, mit Pfiffen empfangen und verabschiedet wird, auch wenn das Pfeifkonzert sonst sicher lauter gewesen wäre. Es ist nicht die gleiche Wucht, aber um Welten besser als die gruselige Geister-Atmosphäre. Angemessen ruhig ist es nur in dem Moment des Schweigens für die Opfer der Hochwasserkatastrophe.

Der Verein schenkt den Fans als kleines Dankeschön T-Shirts mit dem Slogan "Ich liebe Dich Dynamo", der das Motto dieses Spieles ist.
Der Verein schenkt den Fans als kleines Dankeschön T-Shirts mit dem Slogan "Ich liebe Dich Dynamo", der das Motto dieses Spieles ist. © dpa/Robert Michael

Jeder Ballgewinn, jede gelungene Aktion wird gefeiert, die Treffer sowieso. Und die Mannschaft bietet dafür reichlich Anlass. "Es ist ein unheimliches Gefühl, wenn der Ball reinfliegt und alle jubeln", meint Kade beeindruckend. "Es war überragend, dass Fans dabei sein durften, die haben mega Stimmung gemacht."

Nach dem 3:0 schallt schon ein, wenn auch noch verhaltenes "Spitzenreiter, Spitzenreiter" durchs Stadion - und: "Einer geht noch rein." Das klappt zwar nicht mehr, aber die Sangeslust ist trotz der beträchtlichen Lücken auf den Rängen zurück entsprechend dem Motto des Spieltages: "Ich liebe dich, Dynamo."

Unser Themenpaket zum Start in der zweiten Liga:

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