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Dynamos Wiedersehen mit dem beliebten Ex

Dynamo, Aue, Sandhausen – Pascal Testroet schießt so regelmäßig Tore, dass man sich in Dresden immer öfter ärgert, den Stürmer abgeschoben zu haben.

Von Tino Meyer
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Tattoos gehören genauso zu ihm wie Tore. Vergangenen Sonntag traf Pascal Testroet sogar doppelt – und kommt nun voller Vorfreude zurück nach Dresden.
Tattoos gehören genauso zu ihm wie Tore. Vergangenen Sonntag traf Pascal Testroet sogar doppelt – und kommt nun voller Vorfreude zurück nach Dresden. © Eibner-Pressefoto

Sandhausen. Ausgerechnet er, ausgerechnet jetzt. Gerade rechtzeitig vor dem Wiedersehen mit Dynamo Dresden ist Pascal Testroet in Topform. Oder, um es in der Fußballersprache zu sagen: Der Stürmer, der drei Jahre lang für Dynamo spielte und im Sommer auch für ihn unerwartet zum SV Sandhausen wechselte, hat seinen Torriecher wiedergefunden.

„Hatte ich den etwa verloren?“, entgegnet Testroet einigermaßen verdutzt – und liegt richtig mit dem Einwand. Die zwei Tore vergangenen Sonntag beim 2:2 gegen Werder Bremen waren die Treffer Nummern 100 und 101 in seiner Profikarriere. Kaum ein Zweitliga-Stürmer trifft so regelmäßig wie die 31-Jährige, der am Samstag in Dresden im mintgrünen Sandhausener Trikot sein 320. Punktspiel im deutschen Profifußball bestreitet.

Nachdem ihn zu Saisonbeginn eine Verletzung ausbremste, ist Testroet also wieder fit – und Dynamo gewarnt. „Er hat eine top Tor-Quote. Wir dürfen ihn nicht zum Abschluss kommen lassen, das müssen wir verhindern. Denn wenn er eine Chance hat, nutzt er die sehr oft“, sagt Cheftrainer Alexander Schmidt.

Die Steilvorlage nimmt Testroet sofort auf: „Das sind schöne Worte. Ich hoffe, ich kann ihn bestätigen.“ Nicht wenige Dynamo-Fans befürchten genau das! Und fragen sich angesichts der bemerkenswerten Bilanz mehr denn je, wie der Verein den damaligen Publikumsliebling im August 2018 zum Ligakonkurrenten Aue ziehen lassen konnte. Besser gesagt: abgeschoben hat.

Mit Trainer Trainer Uwe Neuhaus (re.) hat Pascal Testroet trotz seines Abschieds bei Dynamo kein Problem.
Mit Trainer Trainer Uwe Neuhaus (re.) hat Pascal Testroet trotz seines Abschieds bei Dynamo kein Problem. © Archiv: Robert Michael

Er selbst möchte dazu nicht mehr viel sagen. „Es gab für mich keine andere Möglichkeit. Ich denke, das weiß jeder“, meint Testroet – und nimmt den damaligen Cheftrainer Uwe Neuhaus ungefragt in Schutz. Tatsächlich sind es vielmehr Kaderplaner Kristian Walter, der zu dieser Zeit den erkrankten Ralf Minge als Sportchef vertrat, und der nach einer Saison entlassene Chefscout Felix Schimmel, die Dynamo einen neuen Spielstil verpassen wollten und Testroet degradierten.

Dass sich die Geschichte für ihn in diesem Sommer exakt so wiederholt hat, mag Testroet nicht bestätigen. In Aue sei er wirklich aussortiert worden. „Bei Dynamo ging ich nach einem Kreuzbandriss in die neue Saison, und der Verein hatte andere Pläne, in Aue habe ich dagegen in der vergangenen Saison mit 21 Scorerpunkten einen Vereinsrekord aufgestellt. In meinen gut hundert Spielen war ich zudem an 60 Toren beteiligt“, betont Testroet, dem man Zahlen wie diese ungeprüft glauben kann. Auch in diesem Punkt arbeitet er gewissenhaft und zuverlässig.

Für den rigoros geplanten Auer Neuanfang unter Trainer Aleksey Shpilevski war das indes nicht wichtig. „In der Vorbereitung hieß es plötzlich, dass ich nicht mehr gefragt bin. Sehr schnell gab es dann den Kontakt zu den Verantwortlichen in Sandhausen, die sehr überzeugt sind von meinen Qualitäten“, erzählt Testroet.

Darum erwartet Testroet diesmal kein Pfeifkonzert

Parallelen gibt es dennoch zu 2018. Keine zwei Wochen nach Testroets erzwungenem Wechsel wurde Neuhaus in Dresden entlassen; kurz darauf übernahm Maik Walpurgis, der Testroet aus gemeinsamen erfolgreichen Zeiten beim VfL Osnabrück kannte. Und diesmal trennte sich Aue nach wenigen Spielen von Shpilevski, Cheftrainer ist nun der gebürtige Dresdner und jahrelange Auer Co-Trainer Marc Hensel.

Testroet hat auch das professionell registriert. Emotional berührt hat es ihn nicht, sagt er. „Es war schmerzhaft in dem Moment, als man mir das in Aue mitgeteilt hat. Doch so ist Fußball nun einmal“, meint Testroet und stellt fest: „Ich habe es ja in Sandhausen nicht schlecht getroffen. Wie man sieht, bin ich gut angekommen und habe schon drei Tore geschossen. Nur in der Tabelle fehlen uns ein paar Punkte.“

Trotz überzeugender Statistiken war Pascal Testroet (oben) beim FC Erzgebirge Aue nicht mehr gefragt.
Trotz überzeugender Statistiken war Pascal Testroet (oben) beim FC Erzgebirge Aue nicht mehr gefragt. © Archiv: dpa/Robert Michael

Das soll sich nun zügig ändern. Sandhausen kommt nach Dresden mit dem Schwung von zwei ungeschlagenen Spielen, den Ausgleich gegen Erstliga-Absteiger Bremen kassierte man erst in der Nachspielzeit. Dynamo hat indes 3:0 gegen Bremen gewonnen – nur war dies der einzige Sieg der letzten acht Pflichtspiele. „Die Liga ist Wahnsinn, jeder frisst jeden. Und man sieht es auch an Dynamo: super gestartet, doch auf einmal geht von den Ergebnissen her gar nichts mehr“, sagt Testroet.

Auf das neuerliche Wiedersehen freut er sich immens, Dresden bleibt ein besonderer Karriere-Abschnitt. „In dieses Stadion einzulaufen, ist immer etwas Besonderes. Man braucht nur kurz die Augen zu schließen und die Erinnerungen hervorzurufen“, sagt er, meint den Zweitliga-Aufstieg 2016 verbunden mit 18 Toren von ihm, und er hofft, dass es den Dynamo-Fans genauso geht. Zumindest das Pfeifkonzert wie in den Vorjahren soll diesmal ausfallen. Er sei ja jetzt kein Auer mehr.

So würden die Dynamo-Fans Pascal Testroet wohl immer noch am liebsten sehen: in Schwarz-Gelb.
So würden die Dynamo-Fans Pascal Testroet wohl immer noch am liebsten sehen: in Schwarz-Gelb. © Archiv: Robert Michael