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Schluss mit den Dynamo-Fan-Mythen

Nach den Dynamo-Krawallen wurde fremden Hooligans die Schuld zugeschoben. Der Mythos zerbricht nun - zu Recht, kommentiert Tobias Wolf.

Von Tobias Wolf
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© Tim Ruben Weimer

Viele Dynamo-Anhänger konnten oder wollten sich nicht vorstellen, dass die Ausschreitungen rund um das Aufstiegsspiel aus ihrer Mitte kamen. Legenden wurden gestrickt, wonach dynamofremde Hooligans aus dem ganzen Bundesgebiet angereist sein sollen, um im Umfeld des geliebten Vereins zu randalieren. Alles andere war Nestbeschmutzung.

Nun wird immer klarer, dass es fast ausschließlich Einheimische aus allen sozialen Schichten waren, die eine Straßenschlacht mit 185 verletzten Polizisten anzettelten – und nur wenige bekannte Schläger.

Bis heute nähren interessierte Kreise auch die Legende, dass man nur mehr und früher auf die Fans hätte eingehen müssen, um Gewalt zu vermeiden. Als wären gesunder Menschenverstand, Gesetze, die damals geltende Corona-Schutzverordnung und die ebenfalls geltende Bundesnotbremse nicht genug gewesen.

Große Menschenansammlungen waren nicht erlaubt. Am Vortag waren Grundrechte eingeschränkt und eine Demonstration verboten worden. Deshalb musste die Polizei Präsenz bei Dynamo zeigen und einschreiten, als sie angegriffen wurde. Man kann nicht so tun, als hätten die Beamten eine friedliche Fußballparty gestürmt.

Bei allem Verständnis für die Fußball-Leidenschaft: Quasireligiöse Gefühle dürfen nicht alles andere zu Lasten der Allgemeinheit dominieren. Dass dazu ermittelt und hoffentlich ebenso konsequent vor Gericht aufgearbeitet wird, ist im Sinne aller Fans, die Gewalt ablehnen. Und das ist die Mehrheit.