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Dynamos Kapitän spielt jetzt Stürmer

Als Innenverteidiger hat Sebastian Mai bei Dynamo derzeit keine Chance. Gegen Nürnberg kommt er trotzdem ins Spiel - und lobt sich danach selbst.

Von Daniel Klein
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Auch Grätschen war gefragt in der neuen Rolle. Sebastian Mai blockt einen Schuss von Nürnbergs Lino Tempelmann und kann auf ungewohnter Position überzeugen.
Auch Grätschen war gefragt in der neuen Rolle. Sebastian Mai blockt einen Schuss von Nürnbergs Lino Tempelmann und kann auf ungewohnter Position überzeugen. © dpa/Picture Alliance/Sebastian Kahnert

Dresden. Als 76 Minuten gespielt waren, lief er doch noch auf den Rasen. Sebastian Mai sortierte sich aber nicht in der Abwehrkette ein, seinem gewohnten Arbeitsplatz, sondern deutlich weiter vorne. Beim Stand von 0:1 sollte der Abwehrspieler helfen, das Ergebnis zu korrigieren. Mit vollem Körpereinsatz und in vorderster Reihe.

„Ich sollte lange Bälle verlängern und festmachen. Das hat ganz gut geklappt“, fand Mai hinterher und lobte sich ein bisschen selbst: „Uns hat das gutgetan in diesem Spiel.“ Tatsächlich konnte Mai ein wenig auf sich aufmerksam machen, selbst wenn sich die Niederlage gegen Nürnberg (hier der Liveticker zum Nachlesen) nicht mehr abwenden ließ.

Es ist keine leichte Zeit für den Kapitän, der als gebürtiger Dresdner und in der schwarz-gelben Nachwuchsschule groß gewordener Spieler eine Identifikationsfigur ist. In der vergangenen Saison, die mit dem Aufstieg endete, gehörte er abgesehen von den Verletzungspausen und der Rotsperre meist zum Stammpersonal. Das ist nun anders. Ganz anders.

Am Sonntag musste Trainer Alexander Schmidt mit Tim Knipping, Kevin Ehlers und Michael Akoto gleich auf drei verletzte Innenverteidiger verzichten. Den Kapitän stellte er aber trotzdem nicht in die Startelf, sondern gab dem erst 20-jährigen Neuzugang Antonis Aidonis den Vorzug. Ein deutliches Zeichen. Schmidt versuchte, auf die Personalien angesprochen, zu relativieren. Das sei keine Entscheidung gegen Mai, sondern eine für Aidonis gewesen, argumentierte er. „Ich weiß ja, was ich an Basti habe. Aber Toni hat sich das erarbeitet und auch gut gespielt. Das Gegentor kann man ihm nicht anlasten. Ich glaube nicht, dass ein zentraler Innenverteidiger die Chance hat, da zu klären.“

An der Defensive, sagte er, könne man die Niederlage nicht festmachen. „Da haben wir nicht enttäuscht.“ Trotzdem könne sich die Besetzung der Viererkette in einer Woche wieder ändern. Dann reist Dynamo zu Schalke 04. Der Trainer hatte die Zusammenstellung der Abwehr mal so begründet, dass er die stets auch von den Qualitäten der gegnerischen Stürmer abhängig mache. Sind die schnell, hat Mai keine Chance. Das war wohl auch der Grund, Aidonis aufzubieten.

In der Schlussviertelstunde kämpfte Mai auf ungewohnter Position vorbildlich – und bekam auch ein Lob vom Trainer. „Er hat gut gespielt, als er reinkam“, sagte Schmidt. Mai, für den es der erste Einsatz seit einem Monat war, haderte vor allem mit der Niederlage. „Am Ende waren wir drückend überlegen und haben den Strafraum gut belagert. Der Ball fiel aber leider nicht vor unsere Füße, und wir sind auch nicht zu gefährlichen Aktionen gekommen“, erklärt der 27-Jährige.

Sein Vertrag läuft noch bis Juni, eine Verlängerung scheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich zu sein.