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Der Torschütze: Dynamos erster Dominikaner

Heinz Mörschel hat karibische Wurzeln und ein sonniges Gemüt, wie er sagt. Doch der Neuzugang weiß, dass dies allein nicht reicht, um auch sportlich anzukommen.

Heinz Mörschel kam im zweiten Anlauf zu Dynamo. Seine Lebenseinstellung: „Ich denke von Grund auf positiv.“
Heinz Mörschel kam im zweiten Anlauf zu Dynamo. Seine Lebenseinstellung: „Ich denke von Grund auf positiv.“ © Lutz Hentschel

Dresden. Wie das klingt: geboren in Santo Domingo de Guzmán, Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Sein Name scheint nicht zu passen zu seinen karibischen Wurzeln: Heinz Mörschel. „Ja, der ist deutsch“, sagt der 23 Jahre alte Neuzugang von Dynamo Dresden und lacht: „Ich wurde nach meinem Vater benannt, das ist schon die ganze Geschichte.“ Seine Mutter ist Dominikanerin, die Eltern haben sich kennengelernt, als der Vater, Klimaingenieur aus Frankfurt am Main mit eigener Firma, auf der Insel im Urlaub war. „Er ist in der kalten Jahreszeit gern zum Segeln dorthin geflogen.“

Der kleine Heinz war acht Monate alt, als die Familie ihre gemeinsame Heimat in Hessen einrichtete. Hier ist er aufgewachsen, zur Schule gegangen, hat mit sieben Jahren bei der Eintracht mit dem Fußball begonnen. Er hat nur die deutsche Staatsbürgerschaft, „aber die dominikanische könnte ich jederzeit bekommen, weil ich dort geboren wurde“. Von seinem Vater habe er den hohen Anspruch, sich selbst zu hinterfragen. „Ich gucke mir jedes Spiel hinterher auf Video an, um zu sehen, was ich verbessern kann.“

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Seine Mutter hat ihm ein sonniges Gemüt geschenkt, denn die Lebenseinstellung im Urlaubsparadies entspricht den Klimabedingungen: freundlich und warm. Die Menschen seien „entspannter drauf, ein bisschen glücklicher“, meint Mörschel, hier dagegen seien viele hektischer unterwegs. „Es sind nun mal unterschiedliche Kulturen.“ Er trägt beide in sich, also bei allem Ehrgeiz auch die Lockerheit. „Mich bringt so schnell nichts aus der Fassung, ich denke von Grund auf positiv.“

Fast wäre er im Sommer 2020 zu Dynamo gekommen

Das gilt selbstredend für sein Engagement in Dresden, das erst im zweiten Versuch zustande gekommen ist. Dynamos neuer Sportgeschäftsführer Ralf Becker hatte Mörschel schon länger auf dem Zettel, wie es heißt, und bereits 2018 seinen Wechsel vom FSV Mainz 05 zu Holstein Kiel eingefädelt. Kennengelernt haben sie sich an der Ostsee allerdings nicht, denn als der neue Spieler ankam, war der Sportdirektor weg. Becker ging zum Hamburger SV, bei dem er nach knapp einem Jahr der ständigen Fluktuation zum Opfer fiel.

Mörschel erging es in Kiel nicht viel besser. Nach nur acht kurzen Einsätzen in der zweiten Liga und einem Tor sollte er sich schon wieder einen anderen Klub suchen. Für Drittligist Münster traf er vorige Saison sogar achtmal, den Abstieg in die Regionalliga konnte er damit jedoch nicht verhindern – also war er im Sommer erneut auf der Suche nach der passenden sportlichen Perspektive. „Wenn bei meinen bisherigen Vereinen alles optimal gelaufen wäre, wäre ich nicht so oft gewechselt“, sagt er.

Dynamo hat Heinz Mörschel als Ersatz für den verletzt ausfallenden Patrick Weihrauch geholt - und damals auch als Konkurrent für Marvin Stefaniak (rechts) auf der Spielmacherposition.
Dynamo hat Heinz Mörschel als Ersatz für den verletzt ausfallenden Patrick Weihrauch geholt - und damals auch als Konkurrent für Marvin Stefaniak (rechts) auf der Spielmacherposition. © Lutz Hentschel

So aber hatte er sich in Dresden umgeschaut. „Ich hätte es gerne sofort gemacht, aber es hat leider nicht geklappt“, sagt Mörschel. Dynamo hatte die Wahl und entschied sich für Patrick Weihrauch, der von Arminia Bielefeld kam, als Spielgestalter. Als der nun am Sprunggelenk operiert werden musste, hatte man den Ersatzmann sozusagen schon parat. Er passe „voll in unser Anforderungsprofil“, erklärte Becker zur Verpflichtung von Mörschel.

Der hatte sich zwischenzeitlich dem KFC Uerdingen angeschlossen, nach dem torlosen Unentschieden in Dresden bescheinigte ihm Dynamo-Trainer Markus Kauczinski eine sehr gute Leistung. „Das hat mich natürlich gefreut.“ Mörschel und sein Berater erkannten, dass bei Uerdingen einiges schiefläuft, und zwar nicht nur wegen der zu erwartenden finanziellen Probleme durch den Ausstieg des russischen Investors Mikhail Ponomarev. „Diese Ungewissheit, wie es weitergeht, war leider Gottes nur ein Punkt, der nicht in Ordnung war. Aber das ist ein anderes Thema.“ Über das Mörschel nicht reden möchte.

Er hat seine Entscheidung getroffen und bei Dynamo einen Vertrag bis 30. Juni 2022 unterschrieben. Diesmal würde er gerne länger bleiben, nachdem er gut aufgenommen worden ist. „Man braucht ein, zwei Tage, um sich umzuschauen und mit jedem mal zu quatschen, aber alle sind hilfsbereit und freundlich. Das hat es mir leicht gemacht.“ Bisher wohnt er mit seiner Freundin, die ein Fernstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement absolviert, im Hotel. Um endgültig anzukommen in Dresden, wollen sie bald in eine eigene Wohnung ziehen. „Es ist mir wichtig, die eigenen vier Wände zu haben, um mich wohlzufühlen.“

Die Reise zur Familie in der Karibik ist fest eingeplant

Und auch wenn er die Sonne liebt, „darf es ruhig auch mal kalt sein“, meint Mörschel. Es müsse allerdings nicht gleich so viel Schnee in kurzer Zeit fallen wie vergangene Woche, als das Spiel gegen die U23 von Bayern München kurzfristig abgesagt werden musste. Sonst hätte er vermutlich zum ersten Mal in Dynamos Startelf gestanden. Bislang kam er auf insgesamt 13 Minuten bei zwei Einwechslungen, nun hat er gegen Magdeburg von Anfang an gespielt und gleich sein erstes Tor geschossen zum 1:0-Sieg im Ost-Derby.

Mörschel kennt seine Stärken, und die möchte er in den Dienst der Mannschaft stellen und – „mit ihr aufsteigen“, erklärt er offensiv. „Ich bin ballsicher, habe einen Blick für Mitspieler, kann den Pass in die Tiefe spielen, aber auch selbst Tore erzielen.“ Viermal hat er in dieser Saison schon getroffen – für Uerdingen. Die Quote, räumt er selbstkritisch ein, könnte besser sein. „Ich habe einen guten Abschluss, aber den muss ich noch öfter rausholen und mich im offensiven Kopfballspiel verbessern“, sagt der 1,90 Meter große Mörschel.

Das meint auch Sportchef Becker, wenn er über den einstigen deutschen Nachwuchsnationalspieler sagt, er besitze noch Entwicklungspotenzial. Mörschel wünscht sich „definitiv“, wie er betont, das bei Dynamo erschließen zu können. „Die Bedingungen hier sind super, das Fußballspielen macht Spaß.“

Und wenn es gut läuft, lässt sich bestimmt mal wieder ein Ausflug in die Karibik planen. „Die Familie meiner Mutter lebt nach wie vor in der Dominikanischen Republik, ich telefoniere, so oft es geht, mit meiner Oma. Leider bin ich viel zu selten dort.“ Während seiner Abi-Zeit, also mit 16, zum bislang letzten Mal. „Ich wollte im vorigen Sommer fliegen, aber das war dann wegen der Corona-Pandemie nicht angesagt“, erzählt Mörschel.

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Sein sonniges Gemüt aber verbindet ihn auch über 8.000 Kilometer Luftlinie mit seinem Mutterland. Seit zwei Jahren sei der dominikanische Fußballverband dran, ihn für seine Nationalmannschaft zu gewinnen. „Ich habe es mir offengehalten“, sagt Mörschel. Er wollte sich erst selbst davon überzeugen, wie professionell es dort abläuft. Vorerst kommen Reisen für Länderspiele aber sowieso nicht in Betracht: wegen Corona – und Dynamo.

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