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Das Geheimnis hinter Dynamos Sturm-Duo

Philipp Hosiner und Christoph Daferner sind beim 4:3 gegen Kaiserslautern die gefeierten Helden. Was sie so stark macht.

Sie sind ein eingespieltes Sturm-Duo: Christoph Daferner (l.) und Philipp Hosiner legen sich bei Dynamos Tore-Spektakel je einen Treffer auf.
Sie sind ein eingespieltes Sturm-Duo: Christoph Daferner (l.) und Philipp Hosiner legen sich bei Dynamos Tore-Spektakel je einen Treffer auf. © Foto: Picture Point

Dresden. Als Dynamo im Sommer eine neue Mannschaft zusammenstellte, klangen diese beiden Namen wenig spektakulär. Gut, Philipp Hosiner hatte in der Vorsaison 19 Tore in 28 Spielen erzielt, eine beachtliche Quote, dennoch war er mit dem Chemnitzer FC aus der 3. Liga abgestiegen. Zudem gilt ein 31 Jahre alter Stürmer eher als Auslaufmodell denn als Hoffnungsträger.

Und Christoph Daferner? Wer sollte den kennen? Klar, er kam vom SC Freiburg, aber seinen einzigen Bundesliga-Einsatz hatte er für 24 Minuten im April 2019 bei einem 0:4 gegen Dortmund. In der vorigen Saison war der 22-Jährige zudem an Erzgebirge Aue ausgeliehen, seine kaum überzeugende Statistik: ein Tor in 21 Spielen.

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Doch spätestens seit diesem Samstagnachmittag sind die beiden Stürmer Dynamos gefeiertes Duo, weil sie entscheidend beteiligt waren an diesem Spektakel beim 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Hosiner zwei, Daferner eins – nur ein Tor überließen sie Ransford-Yeboah Königsdörffer, aufgelegt von Hosiner. Dynamos Offensive – nach dem 0:1 bei Türkgücü München zum Jahresstart noch kritisiert – ist in diesem umkämpften Duell des Aufstiegsfavoriten gegen den Abstiegskandidaten der Garant für den knappen Sieg.

Trainer Kauczinski: "Das war wirklich wild"

Es ließe sich also trefflich über die Defensive reden, die weniger gut funktionierte. „Die Balance, hinten sicher zu stehen und trotzdem gut nach vorne zu spielen, haben wir heute nicht so hinbekommen“, fasst es Markus Kauczinski zusammen. Der Trainer gibt zu, dass er ein solches Nervenspiel nicht braucht: den 0:1-Rückstand vor der Pause gedreht, nach Wiederbeginn zwei schnelle Gegentore kassiert, wieder hinterhergelaufen, noch mal mit einem Doppelschlag zurückgekommen. „Das war wirklich wild. Aber es spricht gerade fürs Team, nicht aufzugeben, nie weg zu sein.“

Mit diesem Torjubel deutet Dynamos Angreifer Philipp Hosiner an, dass er sich nicht nur über seine Treffer und den Sieg der Dresdner freut. Mit diesem Torjubel deutet Dynamos Angreifer Philipp Hosiner an, dass er sich nicht nur über seine Treffer und den
Mit diesem Torjubel deutet Dynamos Angreifer Philipp Hosiner an, dass er sich nicht nur über seine Treffer und den Sieg der Dresdner freut. Mit diesem Torjubel deutet Dynamos Angreifer Philipp Hosiner an, dass er sich nicht nur über seine Treffer und den © Lutz Hentschel

Für die doppelte Wende im Spiel verantwortlich sind natürlich nicht allein die Stürmer, dahinter steckt die Überzeugung, die sich die Mannschaft in der ersten Saisonhälfte erarbeitet hat. „Ich hatte ein richtig gutes Gefühl auf dem Platz, wir hatten irgendwie eine Aura“, schildert Kapitän Sebastian Mai das Gefühl, das man Selbstbewusstsein nennt. „Wer zweimal einen Rückstand dreht, hat den Sieg absolut verdient“, sagt auch Hosiner – und er stellt sich vor: „Wenn die Hütte voll gewesen wäre, glaube ich, wären alle ausgerastet.“

Die Fans müssen jedoch wegen der Pandemie weiter draußen bleiben; selbst jene, die am Vormittag spontan geholfen hatten, den Rasen von den Schneemassen zu befreien, gingen vor dem Anpfiff coronakonform wieder nach Hause. Lob für ihren Einsatz gab es trotzdem von allen Seiten, auch vom Gäste-Trainer: „Der Platz sah sehr schlimm aus heute Morgen mit viel Schnee“, erklärt Jeff Saibene. „Es braucht viel Kraft, Mut und Ehrgeiz, den zu bereinigen. Vielen Dank dafür, dass wir bei so guten Bedingungen spielen konnten.“

Kaiserslautern war drauf und dran, das Spiel für sich zu entscheiden, als Marvin Pourie kurz nach dem Tor zum 3:2 plötzlich frei vor Kevin Broll auftauchte, aber an Dynamos Torwart scheiterte. Ansonsten würde vermutlich wirklich über die Schnitzer in der Abwehrarbeit, also nicht nur in der letzten Reihe, diskutiert. So aber verdienen sich die Angreifer die Bestnote in der Eintzelkritik und sind die gefeierten Helden - nicht allein wegen ihrer Tore.

Die Schneeberge liegen nur noch hinter der Werbebande, das Spiel kann pünktlich beginnen. Am Samstagvormittag hatten Mitarbeiter des Vereins und freiwillige Helfer, die sich spontan am Stadion meldeten, den die rund 8.000 Quadratmeter Rasen von der weißen
Die Schneeberge liegen nur noch hinter der Werbebande, das Spiel kann pünktlich beginnen. Am Samstagvormittag hatten Mitarbeiter des Vereins und freiwillige Helfer, die sich spontan am Stadion meldeten, den die rund 8.000 Quadratmeter Rasen von der weißen ©  dpa/Robert Michael

„Sie sind beide spielintelligent“, sagt Kauczinski über Hosiner und Daferner, aber dem Trainer ist etwas anderes besonders wichtig, nämlich „dass sie sich bei aller individueller Qualität in den Dienst der Mannschaft stellen“. Die Angreifer sind Arbeiter im besten Sinne des Wortes, lauf- und zweikampfstark auch in der Rückwärtsbewegung. Während Daferner mehr über seine Wucht und Leidenschaft kommt wie beim Kopfballtreffer zum 1:1, spielt Hosiner seine Erfahrung und seinen Instinkt im Strafraum aus.

So hat der eine jeweils ein Tor des anderen vorbereitet. „Beim 1:1 flankt Hosi super, beim 2:1 war es genau umgedreht. Ich weiß, dass ich nur flanken muss, und er macht ihn rein“, schildert Daferner das perfekte Zusammenspiel – und Hosiner meint: „Das zeichnet ein gutes Sturmduo aus. Wir sind gut eingespielt, haben uns ein paar Dinger aufgelegt. So soll es sein.“

Hosiner verrät mit Torjubel: Werde zum ersten Mal Vater

Deshalb sah es der Österreicher auch als den perfekten Zeitpunkt, beim Torjubel ein bisher gut gehütetes Geheimnis zu verraten, das ihn derzeit zusätzlich beflügelt: der Ball unter dem Trikot, ein Daumen im Mund. „Ja, ich werde zum ersten Mal Vater. Anfang Juli ist es so weit. Ich freue mich extrem, aber heute natürlich auch über den Sieg.“ Mit dem hat Dynamo die Spitzenposition in der 3. Liga behauptet, was nach dem glücklosen Jahresauftakt wichtig fürs Selbstverständnis ist. Für die Mannschaft wie für den Einzelnen, denn gerade Hosiner hatte in München zwei gute Chancen vergeben.

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„Es freut mich, dass seine Arbeit, die er tagtäglich für uns leistet, belohnt worden ist“, meint Kauczinski über seinen besten Torjäger. Mit acht Treffern liegt Hosiner in der internen Liste vor Daferner, der sechsmal getroffen hat. Wer die beiden sind, fragt in Dresden sicher keiner mehr.

Unser Liveticker von Dynamos verrücktem Spiel zum Nachlesen - hier.

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