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Kein Welpenschutz für Dynamos Talente

Trainer Markus Kauczinski setzt bei der Förderung von jungen Spielern auf Kritik und Geduld. Für einen geht das derzeit besonders gut auf.

Ransford-Yeboah Königsdörffer ist erst 19 Jahre alt, aber bei Dynamo schon ein wichtiger Faktor. Jetzt hat er auch sein erstes Profi-Tor erzielt.
Ransford-Yeboah Königsdörffer ist erst 19 Jahre alt, aber bei Dynamo schon ein wichtiger Faktor. Jetzt hat er auch sein erstes Profi-Tor erzielt. © dpa/Thomas Eisenhuth

Dresden. Besser kann ein Spieler die Vorgabe seines Trainers kaum umsetzen. „Es gilt für ihn wie für uns, den nächsten Schritt zu machen“, hatte Markus Kauczinski vor Dynamos hochverdienten 3:0-Sieg gegen Meppen gesagt und erklärt, was das heißt: „In torgefährliche Situationen kommen, Tore vorbereiten, Tore machen.“ Ransford-Yeboah Königsdörffer saß ein wenig schüchtern daneben auf dem Podium bei der virtuellen Pressekonferenz, meinte aber ziemlich abgeklärt für einen, der erst seit gut einem Monat 19 Jahre alt ist: „Ich mache mir keinen Druck, erzwingen kann ich es nicht.“

So hat’s geklappt: Erst die Kopfballverlängerung als Vorlage für das 1:0 durch Philipp Hosiner, dann der eigene Abschluss zum 2:0. Prompt gab es das Lob vom Chefcoach: „Er war sehr präsent, ist direkt ins Tempo gegangen, hat nicht so viel überlegt.“ Das ist Kauczinskis Strategie, mit jungen talentierten Spielern umzugehen: Geduld und Verständnis einerseits, klare Forderungen und offene Kritik andererseits. Er sei jedenfalls kein Freund von „Welpenschutz“, mal ein bisschen drüber hinwegzusehen, meint der 50-Jährige. „Sie müssen wissen, wo sie stehen, woran sie arbeiten sollen oder warum es auch mal gerade nicht reicht.“ Gleichzeitig wisse er, dass die Entwicklung nicht auf Knopfdruck funktioniert. „Gerade an die physische Herausforderung, das höhere Tempo, die größere Intensität, die härtere Gangart – daran muss man sich gewöhnen“, sagt der Trainer.

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Königsdörffer meint, sich ganz gut an den Männerfußball gewöhnt zu haben. Dabei war es gegen Meppen erst sein 15. Einsatz bei den Profis, der dritte über 90 Minuten. Bei seinem Debüt am vierten Advent 2019 in Nürnberg habe sein Herz gepocht wie „ich weiß nicht was“. Die Aufregung habe sich etwas gelegt, die „Schmetterlinge im Bauch“ spüre er nach wie vor. „Es ist ein schönes Gefühl, für Dynamo aufzulaufen, auch wenn es vor 30.000 Zuschauern noch schöner wäre“, sagt der Stürmer.

Neun Spieler schon in der Jugend bei Dynamo

Allein die Tatsache, dass er in Dresden spielt, ist jedoch alles andere als selbstverständlich. Königsdörffer hat ghanaische Wurzeln, wurde in Berlin geboren und gehörte zu den Begabten im Nachwuchs von Hertha BSC. Bis er sich mit 16 innerhalb eines Jahres den Meniskus in beiden Knien riss und lange nicht spielen konnte. Diese Zeit, sagt er, sei sehr hart gewesen. „Ich habe nicht unbedingt daran gedacht, dass es mit der Profikarriere überhaupt klappt. Aber ich habe mich nicht aufgegeben.“

Bei Dynamo ergab sich die Chance für einen Neustart auf höchstem Niveau. Denn seit 2016 spielen die A-Junioren der SGD in der Bundesliga, die B-Jugend schaffte den Aufstieg ein Jahr früher. Die von Ex-Sportgeschäftsführer Ralf Minge forcierte und von Nachwuchschef Jan Seifert umgesetzte Rückkehr zur Talentförderung zahlt sich für den Verein aus.

2013 musste mit Nico Däbritz ein 42 Jahre alter Co-Trainer beim Verband als „Local Player“ gemeldet werden, weil nicht genügend Spieler aus der eigenen Jugend zu den Profis aufrückten. Zum aktuellen Drittliga-Kader gehören mit Torwart Stefan Kiefer, Kevin Ehlers, Justin Löwe, Max Kulke, Simon Gollnack, Maximilian Großer und Königsdörffer sowie den Rückkehrern Sebastian Mai und Marvin Stefaniak neun Spieler, die schon als Junioren für Dynamo gespielt haben.

Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) hat sein Versprechen umgesetzt und sein erstes Tor für Dynamo erzielt. Danach klatscht er mit Philipp Hosiner ab, dessen Treffer er mit vorbereitet hatte.
Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) hat sein Versprechen umgesetzt und sein erstes Tor für Dynamo erzielt. Danach klatscht er mit Philipp Hosiner ab, dessen Treffer er mit vorbereitet hatte. © Lutz Hentschel

Stefaniak war 2017 für zwei Millionen Euro als Ablöse zum VfL Wolfsburg gewechselt, die Rekordsumme wurde ein Jahr später beim Transfer von Niklas Hauptmann zum 1. FC Köln für drei Millionen getoppt.

Beide hatten – anders als Markus Schubert vor seinem turbulenten Weggang zu Schalke 04 im Sommer 2019 – ihre Verträge bei Dynamo vorher verlängert und sich mit einer Ausstiegsklausel die Freigabe für einen höherklassigen Verein festschreiben lassen. Königsdörffer hat das jetzt genauso gemacht, auch wenn wie üblich über den konkreten Inhalt seines neuen Arbeitspapiers nichts bekannt gegeben wurde. Fakt ist: Er hat seinen erst Anfang Februar geschlossenen und bis Juni 2022 datierten Kontrakt in der vorigen Woche vorzeitig um ein weiteres Jahr aufgestockt.

Das Video noch ein paar mal angucken

„Er hat sehr gute Anlagen und dafür, dass er gerade erst aus der Jugend raus ist, gute Auftritte hingelegt“, sagt Kauczinski. Der Trainer scheute sich nicht mal, den Angreifer in die letzte Reihe zu versetzen, als beim Spiel in Ingolstadt Kulke die Rote Karte gesehen hatte und kein Rechtsverteidiger mehr da war. „Er ist ein schneller Mann und ich weiß: Wenn er mal schlecht stehen sollte, holt er die Gegenspieler wieder ein.“

Grundsätzlich sieht er Königsdörffer weiter als Offensivkraft. Welchen Status der junge Kerl derzeit im Team besitzt, zeigt die Tatsache, dass nicht er, sondern Agyemang Diawusie für das Spiel gegen Meppen aus der Startelf flog. Als Stammspieler, sagt Königsdörffer und lächelt verlegen, sehe er sich trotzdem nicht. „Ich bin ein junger Spieler, glücklich über jede Minute, noch mehr natürlich, wenn ich von Anfang an spielen darf.“

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Wenn er die Wünsche des Trainers erfüllt wie gegen Meppen, dürfte das so bleiben. Für Königsdörffer war es jedenfalls der krönende Abschluss einer perfekten Woche. „Ich werde mir bestimmt ein paar Videos vom Spiel angucken, wenn ich schon mein erstes Tor mache“, meinte er unmittelbar nach dem Abpfiff – und beteuerte: „Ich werde aber sicher nicht die ganze Woche darüber reden.“ Falls er zu lange auf Wolke sieben schweben sollte, holt ihn Kauczinski zurück. „Das Talent hat ihn bis hierher gebracht“, sagt der Chefcoach, „aber der Weg ist nicht zu Ende.“

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