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Der besondere Charakter von Dynamos neuem Team

Der Auftakt ist gelungen, aber: Wie kommt es, dass sich die Mannschaft so schnell als Einheit präsentiert? Eine erste Einschätzung - bei aller Vorsicht.

Gemeinsam gekämpft und gejubelt: Dynamos Kapitän Sebastian Mai (2. v. r.) mit Panagiotis Vlachodimos (l.), Christoph Daferner und Tim Knipping (r.).
Gemeinsam gekämpft und gejubelt: Dynamos Kapitän Sebastian Mai (2. v. r.) mit Panagiotis Vlachodimos (l.), Christoph Daferner und Tim Knipping (r.). © PICTURE POINT/Sven Sonntag

Dresden. Täuscht dieser Eindruck oder geht das wirklich so schnell? Der personelle Umbruch war erheblich: 20 Spieler weg, 13 neue da. Dynamos Mannschaft hat tatsächlich ein anderes Gesicht, was trotzdem oder sogar gerade deshalb überrascht, mit welcher Geschlossenheit sie bereits auftritt. Und zwar bei der Sensation im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV genauso wie beim Arbeitssieg am Freitagabend in Kaiserslautern.

„Was für eine Woche“, leitet Markus Kauczinski sein Fazit erleichtert ein. Der Trainer muss nach dem Kraftakt auf dem Betzenberg erst einmal durchschnaufen. „In Unterzahl war es purer Kampf, pure Energie, das Spiel über die Runden zu bringen.“ Der Platzverweis für Paul Will kurz vor der Pause mag den Zusammenhalt kurzfristig gestärkt haben. „Jeder hat gesehen, dass wir unbedingt diese drei Punkte holen wollten – auch für Paul, der unglücklich in der Kabine saß“, berichtet Sebastian Mai, Kapitän, Torschütze und Organisator der Abwehrschlacht.

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Aber das war nicht einfach eine Trotzreaktion, dieses „Augen zu und durch“, wie es Christoph Daferner beschreibt. Es steckt offenbar mehr dahinter, auch wenn es sehr früh in der Saison ist, den Teamgeist zu loben. „Innerhalb von fünf Tagen zwei solche Spiele abzuliefern, das war stark“, sagt Kevin Broll, der überragende Torwart, er fügt allerdings hinzu: „Wir müssen die Füße auf dem Boden behalten und demütig bleiben. Es gibt noch 37 weitere Spiele.“

Broll ist einer von neun Profis im Aufgebot, die am Abstieg beteiligt waren. Es sei gut, dass einige diese Erfahrung mitbringen „und wissen, wie es auch laufen kann“, meint der 25-Jährige. Er hat sich bewusst entschieden, in Dresden zu bleiben. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass es eine Chance sein kann, mit einem neuen Team neu anzufangen, noch mal voll anzugreifen.“ Im Moment fühlt er sich dafür bestätigt. „Wir haben gute Jungs bekommen mit einer guten, frischen Mentalität.“

Kapitän Mai: Das ist unbezahlbar

Genau die war Dynamo nach dem Aufstieg 2016 und dem überragenden ersten Jahr in der zweiten Liga schleichend abhandengekommen und erst mit den Neuzugängen im Winter wieder zu sehen. Leidenschaft, Kampfgeist, Siegeswille. Nun scheint der Kader von Anfang an so zusammengestellt zu sein, dass die Grundtugenden stimmen. „Jeder hat sich zu hundert Prozent reingehauen mit sehr, sehr viel Leidenschaft“, betont Mai: „Das ist auf jeden Fall unbezahlbar.“

Vorsicht, werden die Skeptiker mahnen, das kann eine anfängliche Euphorie sein. Sie haben zwar einen Stresstest bestanden, der eigentliche Charaktertest steht jedoch aus, nämlich nach Rückschlägen. Es erscheint zweifellos berechtigt, davor zu warnen, den gelungenen Start zu hoch zu hängen. Andererseits gibt es ihn, sogar über die Ergebnisse hinaus. Das ist eine erste Bestätigung für Trainerteam und Mannschaft, einen guten Weg eingeschlagen zu haben, auch wenn das Ziel weit weg ist. Das ist es nämlich letztlich, was sie verbindet.

„Jeder Spieler wusste, welches Ziel der Verein hat, und das hat auch jeder Spieler, ganz klar: vorne mitzuspielen und möglichst auch aufzusteigen“, erklärt Daferner. „Deswegen sind wir alle hier, dem muss sich jeder unterordnen.“ Das war in Kaiserslautern tatsächlich ein entscheidendes Thema. „Das Wichtigste ist es, ein Spiel zu gewinnen“, sagt Panagiotis Vlachodimos, der seinen Offensivdrang in Hälfte zwei hintenan stellen musste. „Das ist egal. Wir waren einer weniger, haben jeden für die Defensivarbeit gebraucht, auch die Außenstürmer.“ Sonst, meint er, hätten sie dieses Spiel verloren. Ziemlich sicher.

Auch Vlachodimos, der aus Großaspach kam, verweist auf das, was eine echte Truppe ausmacht. „Es zeichnet uns aus, dass wir gute Typen in der Mannschaft haben, viele Spieler, die vorangehen. Das ist geil.“ Diese Anführer, eine klare Hierarchie – auch daran hatte es den Dresdnern in der Vorsaison gemangelt. Nun gibt es mehrere Führungsspieler, die mit breiter Brust auftreten, wenn es kritisch wird. Kapitän Mai, Tim Knipping, Yannick Stark, Paul Will und/oder Marco Hartmann – das sind die Leitwölfe, denen die anderen folgen.

"Wir haben einfach eine geile Truppe"

Sportgeschäftsführer Ralf Becker, Dynamos neuer, starker Mann, und Trainer Kauczinski haben eine gute Mischung hinbekommen sowohl aus Erfahrung und Talent als auch aus Kampfkräften und Feingeistern. In Kaiserslautern fiel einer in beiden Rollen positiv auf: Patrick Weihrauch. „Ich habe ihn im Zentrum sehr, sehr stark gesehen“, sagt Kauczinski über den 26-Jährigen. „Er hat sehr viele Läufe gemacht, auch mit Ball am Fuß, und für Entlastung gesorgt. Außerdem war er in den Zweikämpfen gut.“

Weihrauch war vorige Saison mit fünf Einsätzen am Aufstieg von Arminia Bielefeld in die Bundesliga beteiligt und einst sogar Triple-Sieger mit dem FC Bayern, wenngleich ohne Einsatz. So einer kommt also nicht in die 3. Liga, um dort zu bleiben. Becker hatte beim „Dynamo-Talk im Panometer“ gesagt, es hätten fast alle Spieler zugesagt, die sie holen wollten. „Wir konnten auch jene für uns überzeugen, die durchaus andere, lukrativere Angebote hatten“, sagte der Sportchef. „Sie haben nicht gewartet oder gezockt, sie wollten zu uns.“

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Dass es so passt, ist ein Glücksfall. „Wir sind in der kurzen Zeit extrem gut zusammengewachsen, wir sind ein Team“, meint Weihrauch. „Der eine haut sich für den anderen rein, das ist schon super.“ Jeder Gegner werde versuchen, Dynamo den Schneid abzukaufen, aber: „Da haben wir einfach eine geile Truppe und sind sehr, sehr schwer aufzuhalten.“ Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, darf die Konkurrenz das ruhig als eine Ansage verstehen.

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