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Dynamos Aufstiegsheld kehrt zurück nach Dresden

Justin Eilers war der Top-Torjäger, danach erlebte er eine lange Leidenszeit. Am Dienstag ist er mit dem SC Verl zu Gast im Harbig-Stadion - und bereit zu spielen.

In der Aufstiegssaison 2015/16 traf Justin Eilers 23-mal für Dynamo, war bester Torschütze der 3. Liga. Jetzt kehrt er mit dem SC Verl nach Dresden zurück.
In der Aufstiegssaison 2015/16 traf Justin Eilers 23-mal für Dynamo, war bester Torschütze der 3. Liga. Jetzt kehrt er mit dem SC Verl nach Dresden zurück. © Robert Michael

Dresden. Das konnte Justin Eilers schon lange nicht mehr über sich sagen. "Ich bin auf jeden Fall gesund, ich bin fit, ich bin einsatzbereit." Am Montagmittag stieg der einstige Dynamo-Torjäger mit in den Mannschaftsbus des SC Verl, am Dienstagabend will er für seinen neuen Verein an seiner alten Wirkungsstätte spielen. "Die Vorfreude ist immer größer geworden, je näher der Tag kam", meint der 32-Jährige. "Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass die Fans dabei sind, das wäre noch mal ein schöneres Erlebnis. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, ins alte Wohnzimmer zurückzukehren."

Seit Ende September steht fest, dass es dieses Wiedersehen mit Eilers vor Weihnachten geben könnte. Im September unterschrieb er in Verl einen Vertrag bis zum Saisonende mit einer Option auf Verlängerung. Vier Wochen lang hatte der Stürmer bei seinem neuen Verein auf Probe trainiert, in Testspielen zweimal getroffen und letztlich die schwierigste Prüfung bestanden: den Medizincheck.

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Seit Eilers Dynamo als Torschützenkönig der 3. Liga und Aufstiegsheld im Mai 2016 verlassen und ihn Werder Bremen für die Bundesliga verpflichtet hat, war er immer wieder schwer verletzt. Hüftprobleme, Leistenoperation, Kreuzbandriss, Innenbandriss, zuletzt voriges Jahr eine Operation an der Hüfte. Dabei hatte er gerade seinen nächsten Neuanfang gestartet, doch bei den Sportfreunden Lotte in Liga drei war nach zwei Kurzeinsätzen von insgesamt vier Minuten schon wieder Schluss. Berichte, er würde seine Karriere beenden, hat er jedoch dementiert.

"Das war mein Antrieb. Ich wollte so nicht von der Fußballbühne abtreten - abrupt aufhören wegen der Verletzungen", sagt Eilers. "Ich wollte unbedingt noch mal zurückkommen, es mir und anderen beweisen." Dennoch, das räumt er ein, hatte er sich eine Frist gesetzt. Wenn es in diesem Sommer nicht geklappt hätte, wäre Schluss gewesen. Und zunächst bleibt ihm das Pech treu, denn beim VfB Lübeck zog er sich im Juli beim Probetraining einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Einen Monat später durfte er in Verl vorspielen. "Ich bin froh und erleichtert, dass es funktioniert hat", sagt Eilers.

Große Konkurrenz in der Offensive beim SC Verl

Bisher ist er beim überraschend starken Aufsteiger erst dreimal eingewechselt worden, musste nach dem ersten Mal gleich wieder wegen muskulärer Probleme aussetzen. "Es war nach den vielen Verletzungen am schwierigsten, das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen", sagt Eilers. Dazu gehört aber eben auch, auf seine Signale zu hören und lieber mal kurz auszusetzen, als etwas zu riskieren. "Ich bin vom Kopf her schon sehr, sehr gebrannt. Man weiß zwar, dass es nur ein, zwei Wochen sind, dennoch ist es ein Schritt zurück und man grübelt: Woher kommt das, was steckt dahinter?"

Jetzt fühlt sich der Torjäger bereit, wieder anzugreifen. "Nach so langer Zeit fehlen die Automatismen, die Spritzigkeit, die Schnellkraft. Das kommt über die Spielpraxis", sagt Eilers. In Verl hat er mit Zlatko Janjic (acht Tore), Yildirim Aygün (sechs) und Kasim Rabihic (drei) starke Konkurrenz. Überhaupt stellt der Klassenneuling aus Nordrhein-Westfalen derzeit mit 26 Treffern die zweitbeste Offensive der Liga, nur 1860 München hat öfter getroffen.

Justin Eilers im Januar 2019 auf seienem altem Bolzplatz in Braunschweig. Nach einem Abenteuer in Griechenland war Dynamos einstiger Aufstiegsheld gerade in die Heimat zurückgekehrt.
Justin Eilers im Januar 2019 auf seienem altem Bolzplatz in Braunschweig. Nach einem Abenteuer in Griechenland war Dynamos einstiger Aufstiegsheld gerade in die Heimat zurückgekehrt. © kairospress

Theoretisch könnten sie sogar Spitzenreiter sein, einen Punkt vor Dynamo, zwei Siege in den Nachholspielen vorausgesetzt. "Vor der Saison hat mancher sicher gedacht: Okay, das kleine Dort, Aufsteiger - die kann man mal im Vorbeigehen schlagen", meint Eilers, aber: "Wir haben eine richtig gute Truppe, legen viel Wert darauf, selbst Fußball spielen zu wollen. Mit dem Powerfußball haben wir wohl einige überrascht." Seit fünf Spielen ist Verl ungeschlagen, die Dresdner seit sechs. "Ich glaube nicht, dass Dynamo uns unterschätzt. Das wird ein heißer Tanz."

Wehmut empfinde er bei seiner Rückkehr an die Wirkungsstätte "ganz und gar nicht", betont Eilers. In Dresden hat er die bislang erfolgreichste Zeit seiner Karriere erlebt, in seinen zwei Jahren bei den Schwarz-Gelben in 81 Spielen 46 Tore erzielt und zehn vorbereitet, war in der Aufstiegssaison 2015/16 mit 23 Treffern der beste Schütze in der 3. Liga. Und wechselte nach Bremen. "Ich hatte mir diese Chance auf die Bundesliga durch meine Leistungen erarbeitet", sagt er. "Diese Misere, die ich danach verletzungsmäßig hatte, wäre mir wahrscheinlich in Dresden ähnlich passiert."

Mit einem Unterschied. "Ich wäre wahrscheinlich besser aufgefangen worden, weil die Leute hier wussten, was sie an mir hatten. In Bremen musste ich mich neu beweisen, hatte einen schwierigen Stand." Gerade mal 16 Spiele bestritt er für die Norddeutschen, aber nicht bei den Profis, sondern nach Leisten-Operation, Innen- und Kreuzbanriss für die zweite Mannschaft in der 3. Liga.

"Ab dem Zeitpunkt war es die Hölle"

Also wechselte er im Sommer 2018 zu Apollon Smyrnis. "Ich wollte wieder in die Spur kommen unter meinem alten Trainer." Valérien Ismael hatte den griechischen Erstligisten übernommen, mit ihm hatte Eilers vor dem Wechsel zu Dynamo beim VfL Wolfsburg II gut zusammengearbeitet. Doch der Coach war ruckzuck wieder entlassen, außerdem kamen neue Spieler aus Südamerika. "In der Kabine wurde nicht mehr englisch, sondern spanisch gesprochen." Und der deutsche Profi war außen vor. Als Eilers wegen einer Hüftverletzung länger ausfiel, drängten ihn die Bosse, seinen Vertrag aufzulösen. Er lehnte ab. „Ab dem Zeitpunkt war es die Hölle.“

Er musste separat trainieren, bekam drei Monate kein Geld. "Es war sehr schön in Athen, aber ich war ja nicht dort, um Urlaub zu machen, sondern wollte meinen Beruf ausüben. Daran wurde ich gehindert." Das brachte ihn auch finanziell in Schwierigkeiten. Inzwischen sagt er: "Es ist alles in Ordnung, ich habe mein Leben wieder in die richtigen Bahnen gelenkt, es geht mir gut."

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