merken
PLUS Dynamo

Bei Dynamo stellt sich die Trainerfrage

Der Vertrag von Markus Kauczinski läuft am Ende der Saison aus, Sportchef Ralf Becker zögert mit einer Verlängerung. Hängt das am Aufstieg oder an Schalke?

Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Trainer Markus Kauczinski (r.) haben das Thema Vertragsverlängerung vertagt.
Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Trainer Markus Kauczinski (r.) haben das Thema Vertragsverlängerung vertagt. © Lutz Hentschel

Dresden. Die Erfolgsserie geht weiter. Von Sieg zu Sieg eilt Dynamo Dresden derzeit. Den gesamten Februar ist der Drittliga-Tabellenführer ungeschlagen geblieben, fünfmal hintereinander. Klare Tendenz: Aufstieg. Doch unverändert steht auch die Aussage von Sportgeschäftsführer Ralf Becker, der den am 30. Juni dieses Jahres endenden Vertrag von Cheftrainer Markus Kauczinski nicht verlängern will, jedenfalls nicht jetzt.

„Wir haben uns so verständigt, dass wir uns erst mal auf die Saison und unsere Ziele konzentrieren“, erklärte Becker kürzlich in einem Interview der Bild-Zeitung.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Der Satz überrascht, denn das Prozedere im Profifußball ist für gewöhnlich ein anderes. Auslaufende Verträge mit erfolgreich arbeitenden Trainern werden dann so schnell wie möglich verlängert, die guten Ergebnisse der Spieltage liefern dafür die besten Gründe. Zum anderen könnten irgendwann auch andere Vereine aufmerksam werden. Becker aber zögert und sagt: „Wir sind im guten, offenen Austausch.“ Bereits im Januar haben er und Kauczinski sich grundsätzlich zum Thema Vertragsverlängerung unterhalten und darauf geeinigt, sich vorerst nicht auf eine Weiterbeschäftigung zu einigen.

Der Cheftrainer, seit Dezember 2019 als Nachfolger von Cristian Fiel im Amt, bestätigt das. „Es gab ein Grundsatzgespräch, aus dem wir beide mit einer Meinung rausgegangen sind“, sagt Kauczinski ohne konkreter zu werden. So bleibt das Thema vorerst eine Hängepartie.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Trainers"

Eine Erklärung dafür hat Becker bereits genannt, er möchte die weitere Entwicklung abwarten. Dass eine Vertragsverlängerung vom Aufstieg abhängig ist, verneint der Sportchef, wenn auch nicht klipp und klar. „So würde ich das nicht sagen. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Trainers“, meint Becker, rückt aber einmal mehr das große Vorhaben in den Fokus: „Unser Ziel zu erreichen.“ Gemeint ist der Aufstieg.

Über seinen im Sommer auslaufenden Vertrag denkt Markus Kauczinski nach eigener Aussage nicht nach, sondern nur an das große Ziel.
Über seinen im Sommer auslaufenden Vertrag denkt Markus Kauczinski nach eigener Aussage nicht nach, sondern nur an das große Ziel. ©  dpa/Robert Michael

Eigentlich hatte er bei seinem Amtsantritt am 1. Juli 2020 und damit direkt nach dem Abstieg in die 3. Liga einen Zwei-Jahres-Plan verkündet, doch intern wird immer schon an der sofortigen Rückkehr in die 2. Bundesliga gearbeitet. Das zeigt der für die 3. Liga qualitativ hochklassig besetzte und punktuell schon jetzt zweitligataugliche Kader, zudem ist die Situation günstig wie selten.

Die Corona-Pandemie setzt zwar allen zu, aber auch finanziell ist Dynamo deutlich besser aufgestellt als die allermeisten Kontrahenten. Noch. Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend will sicherlich keinen zusätzlichen Druck aufbauen und bekennt sich auch zum Zwei-Jahres-Plan, spricht aber vom „absoluten Befreiungsschlag“, sollte der sofortige Wiederaufstieg gelingen. Allein gut sieben Millionen Euro gäbe es dann an TV-Geldern.

Die Chance ist angesichts der sportlichen Entwicklung der im Sommer komplett neu zusammengestellten Mannschaft riesig, das weiß natürlich auch Kauczinski. Genauso kennt er die Tücken dieser Liga. In der Vorsaison verspielte Duisburg einen Sechs-Punkte-Vorsprung. Am Ende stiegen Braunschweig und Würzburg auf, die nach dem 26. Spieltag die Plätze sechs und sieben belegten.

Was ist also, sollten Dynamo die sieben Punkte Abstand zum Aufstiegsrelegationsplatz in den 13 noch verbleibenden Spielen nicht reichen? Die Stimmung wäre dann in jedem Fall verhagelt. Und der Neuaufbau? Nur verzögert oder schon gescheitert? Fragen, die vermutlich auch Becker beschäftigen, der deshalb erneut das wiederholt, was er schon seit Saisonbeginn sagt: „Wir konzentrieren uns von Spiel zu Spiel.“

"Um meine Person mache ich mir gar keinen Kopf"

Kauczinski hat in jedem Fall die Ruhe weg – erklärt er zumindest und begründet das mit seiner langen Zeit im Geschäft. Viel habe er zum einen schon vorzuweisen und zum anderen bereits erlebt. „Ich bin erfahren genug, um mit solchen Sachen umzugehen. Um meine Person mache ich mir gar keinen Kopf“, meint der 51-Jährige, um die Gelegenheit dann für Werbung in eigener Sache zu nutzen. „Natürlich fühle ich mich wohl hier, daran habe ich auch nie einen Zweifel gelassen. Und ich hoffe, dass man das merkt, wenn man mich sieht. Ich habe die Dresdner kennen- und liebengelernt. Und alles andere ...“, sagt der gebürtige Gelsenkirchener, holt tief Luft und setzt neu an: „Da bist du als Trainer zweitrangig. Das finde ich jetzt auch gar nicht schlimm. Wir haben noch drei Monate. Es ist wichtig, dass die Mannschaft im Fokus bleibt und dass wir unsere Ziele erreichen. Alles andere wird sich fügen.“

Einen Zeitplan habe er jedenfalls nicht im Kopf. Stattdessen denkt er offensichtlich genauso wie der Sportchef: „Von Spiel zu Spiel und von Moment zu Moment.“ Womöglich ist ihm Dynamos Zögern eine Zeit lang auch ganz recht gewesen, es gibt schließlich auch andere Vereine. Dass er Neuaufbau kann, basierend auf einer stabilen Defensive, und es versteht, junge Spieler zu entwickeln, beweist Kauczinski in Dresden gerade wieder.

Wie wäre es also eine Stufe höher, wie wäre es mit Noch-Bundesligist Schalke 04, wo er als Jugendtrainer 1999 angefangen hat? Theoretisch denkbar, praktisch nun aber kein Thema mehr. Nach der Entlassung von Cheftrainer Christian Gross ist Dimitrios Grammozis verpflichtet worden, auch für den Neuaufbau in der zweiten Liga.

Weiterführende Artikel

Dynamos Sportchef: "Dem Verein geht es nicht gut"

Dynamos Sportchef: "Dem Verein geht es nicht gut"

Vor Dynamos Spitzenspiel gegen Hansa Rostock spricht Ralf Becker im Interview über den Aufstieg, Corona-Hilfen und einen neuen Vertrag für den Trainer.

Ein Aufreger bei Dynamos souveränem Sieg

Ein Aufreger bei Dynamos souveränem Sieg

Der Spitzenreiter gewinnt mit 4:0 in Meppen. Die Gastgeber hadern vorher mit dem Schiedsrichter, dann gibt es Elfmeter - die erste Analyse mit den Reaktionen.

Dynamo feiert Kantersieg gegen Meppen

Dynamo feiert Kantersieg gegen Meppen

Gegen die Emsländer zeigten sich die Schwarz-Gelben aus Dresden von der erste Minute an sehr treffsicher und gewinnen souverän. Der Liveticker zum Nachlesen.

Dynamo mit Sohm und Kreuzer in Meppen

Dynamo mit Sohm und Kreuzer in Meppen

Beide Profis konnten in dieser Woche nicht voll trainieren, sind aber nun doch einsatzbereit. Was bedeutet das für die Startelf von Trainer Kauczinski?

Im Interview des TV-Senders MagentaSport vor zwei Wochen hatte Kauczinski das Thema Schalke zumindest nicht ausgeschlossen. „Ich glaube nicht, dass mich Schalke da sieht“, antwortete Kauczinski allgemein und stellte fest: „Ich bin da unemotional – und glücklich hier, wo ich bin. Fußball ist schnelllebig. Man braucht da keinen Plan und keine Träume. Man muss seinen Job machen, der Rest ergibt sich.“

Alles Wichtige und Wissenswerte rund um Dynamo - kompakt jeden Donnerstagabend im Newsletter SCHWARZ-GELB, und immer mit Gewinnspiel. Jetzt hier kostenlos anmelden.

Mehr zum Thema Dynamo