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Was der neue Dynamo-Trainer jetzt ändert

Alexander Schmidt soll die Dresdner schon am Mittwoch gegen Duisburg zurück auf Aufstiegskurs bringen. Wie er das anpackt – fünf Fragen und Antworten.

Angekommen in Dresden, aber Zeit für einen entspannten Stadtbummel bleibt Dynamos neuem Cheftrainer Alexander Schmidt keine. Für den Fototermin kommt er kurz aus dem Hotel an die Elbe.
Angekommen in Dresden, aber Zeit für einen entspannten Stadtbummel bleibt Dynamos neuem Cheftrainer Alexander Schmidt keine. Für den Fototermin kommt er kurz aus dem Hotel an die Elbe. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Der erste Eindruck ist erstklassig. Alexander Schmidt zeigt sich begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz, der Trainingsakademie von Dynamo in Dresden. Seit Montag ist er neuer Cheftrainer, zunächst bis zum Saisonende. „Ich habe sofort zugesagt, weil es natürlich eine Ehre ist, für einen so großen Traditionsverein arbeiten zu dürfen“, sagt der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer, der aus Augsburg stammt und zuletzt bis 9. Februar bei Ligakonkurrent Türkgücü München als Cheftrainer tätig war. Sein Sohn Francesco, 18 Jahre, spielt dort in der U 19 und ist „auch stolz, dass ich hier bin“.

Aber was will und vor allem wie kann Schmidt jetzt Dynamo aus der sportlichen Krise führen? Die Analyse der SZ nach der Präsentation des neuen Trainers.

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Wie ist Dynamo überhaupt auf Schmidt gekommen?

In drei Minuten war alles geklärt. Das sagen Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Schmidt über ihr Telefonat am Samstagabend. Ein Leser und Fan will beide jedoch schon am vorigen Donnerstag gegen 17 Uhr „einträchtig beim gemeinsamen Joggen im Großen Garten“ gesehen haben. Das müsse eine Verwechslung sein, weil Becker in seiner bisherigen Amtszeit noch nie im Großen Garten joggen war, heißt es dazu vom Verein auf Nachfrage.

Demnach ist Schmidt erst am Sonntag, 7 Uhr, in München mit seinem Pkw gestartet und gegen 14 Uhr in Dresden angekommen. Anschließend erfolgte der Corona-Test, das negative Ergebnis lag am Montagfrüh vor. „Es musste alles Schlag auf Schlag gehen“, berichtet Becker. Nach dem mutlosen Auftritt beim 0:3 gegen Halle habe er sich mit anderen Vereinsverantwortlichen beraten, was getan werden muss für den inzwischen erwarteten Aufstieg, sagt der Sportchef. Er hatte Schmidt 2015 als Scout zum VfB Stuttgart geholt, der wurde dort ein Jahr später dann sein Nachfolger als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

„Wir brauchten einen Trainer, der sofort zu haben ist und den ich schon kenne“, erklärt Becker seine Wahl. „Es war ja keine Zeit, großartig etwas zu verhandeln.“ Schmidt erfüllt zudem die inhaltlichen Vorgaben. „Er hat Lust auf die Aufgabe und ist überzeugt von der Mannschaft, von der Qualität der Truppe.“ Das betont Schmidt in seinen Antworten mehrmals – und in Bezug auf das Nachholspiel gegen Duisburg am Mittwochabend besonders: „Dynamo hat aus meiner Sicht den besten Kader in der 3. Liga, das wollen wir auf dem Platz zeigen und das Heimspiel gewinnen.“

Wie schätzt der neue Trainer die Mannschaft ein?

Er müsse seinen Vorgänger Markus Kauczinski loben, meint Schmidt. Die Mannschaft sei gut trainiert und intakt, sie habe „einen hervorragenden und hochmotivierten Eindruck hinterlassen“. Was nach drei Niederlagen und nur einem Punkt aus den letzten vier Spielen, alle ohne eigenes Tor, durchaus überrascht. „Zwischen Erfolg und Misserfolg liegt in dieser Liga vielleicht ein Blatt Papier.“ In seiner ersten Ansprache habe er deshalb versucht, den zuletzt deutlich verunsicherten Spielern klarzumachen, dass es von Null losgeht. „Was bisher war, interessiert mich nicht, das haken wir ab“, sagt Schmidt. „Es spielt sich viel im Kopf ab. Man muss ihnen das Selbstvertrauen vermitteln, diese Power geben, mutig in jedes Spiel zu gehen.“

Negativserie, Torflaute, Tabelle: Was will er verändern?

Die unmittelbare Spielvorbereitung läuft anders: Bereits am Dienstagmittag rief der neue Chefcoach das Team im Hotel zusammen, das Abschlusstraining setzte er zur Anstoßzeit im Stadion an. Er sei als Trainer der normale Typ, nicht irgendwie speziell. „Harte Arbeit mit der Mannschaft, ein guter Kontakt mit den Spielern, sodass alle an einem Strang ziehen und sich keiner wie das fünfte Rad am Wagen vorkommt“, beschreibt Schmidt seinen Führungsstil.

Er wolle sie nicht mit taktischen Details überfrachten, sondern fordert wesentliche Dinge ein: „Einsatz, Kampf, Leidenschaft, Herz. Dann haben wir eine so gute Qualität, jeden Gegner zu schlagen. Aber von alleine steigen wir nicht auf.“ Diese Erkenntnis ist nicht neu, gilt aber jetzt erst recht.

Die Bedingungen in der vor knapp einem Jahr eingeweihten AOK Plus Walter-Fritzsch-Akademie seien schon mal erstklassig, meint Dynamos neuer Chefcoach Alexander Schmidt nach seiner ersten Trainingseinheit. Nun will er die Mannschaft zurück auf Kurs Richtun
Die Bedingungen in der vor knapp einem Jahr eingeweihten AOK Plus Walter-Fritzsch-Akademie seien schon mal erstklassig, meint Dynamos neuer Chefcoach Alexander Schmidt nach seiner ersten Trainingseinheit. Nun will er die Mannschaft zurück auf Kurs Richtun ©  dpa/Robert Michael

Über die Aufstellung wollte Schmidt nichts verraten. Kapitän Sebastian Mai hat seine Gelb-Sperre abgesessen, Heinz Mörschel, Leroy Kwadwo und Jonathan Meier trainieren nach Muskelverletzungen wieder. „Es ist alles möglich, auch vom System her“, sagt Schmidt.

Für jene, die sich abgeschrieben gefühlt haben, gebe es eine neue Möglichkeit. „Wenn die Leistung im Training passt, der Kopf okay ist und ich merke, der will unbedingt, wäre ich ein schlechter Trainer, wenn ich sagen würde: Den kann ich nicht gebrauchen.“ Im Umkehrschluss heißt das, wer sich bisher sicher fühlen konnte, muss sich neu beweisen. „Ich will etwas sehen von den Jungs, sie müssen etwas anbieten. Dann sind mir Namen egal.“

Warum erhält der Chefcoach nur Vertrag bis Saisonende?

Ob und welche Absprachen es möglicherweise gibt, lassen weder Schmidt noch Becker durchblicken. „Es ging nicht darum, was im Sommer passiert, sondern um eine schnelle Entscheidung für den Rest dieser Saison“, erklärt der Sportchef – und vermeidet eine klare Aussage zur Zukunft des Trainers darüber hinaus. Es gebe alle Optionen, die man sich vorstellen kann. „Ich würde vorschlagen, wir sollten uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren“, sagt Becker. Er habe damit überhaupt kein Problem, beteuert Schmidt und betont: „Es ist ein Vertrauensverhältnis da. Ich habe nicht nachgefragt, was nach dem Sommer ist. Es zählt einzig und allein, mit Dynamo die 2. Bundesliga zu erreichen. Wenn es gut läuft, kann man über alles sprechen.“

Becker lässt zudem die Weiterbeschäftigung der Assistenten im Trainerteam offen. Die Co-Trainer Heiko Scholz und Ferydoon Zandi sowie Fitnesscoach Matthias Grahé haben ebenfalls nur Vertrag bis 30. Juni, lediglich der von Torwartcoach David Yelldell läuft ein Jahr länger.

Wie erklärt der Sportchef den Leistungseinbruch?

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Die Frage ist Becker sichtlich unangenehm, der Blick zurück stört beim erhofften Aufbruch. Verständlich. Für eine detaillierte Analyse sei es Zeit, wenn die Runde vorbei ist, erklärt der Sportchef. „Es ist festzustellen, dass die Entwicklung nicht gut war, deswegen hatten wir das Gefühl, handeln zu müssen.“

Also hat Becker am Samstag zwischen 20 und 21 Uhr die Nummer von Schmidt gewählt.

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