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Dynamos Versammlung abgebrochen

Technische Probleme zwingen den Verein, die Veranstaltung zu beenden, bevor sie richtig begonnen hat. Wie es nun weitergeht, verrät der Geschäftsführer.

Ein voller Saal bei Dynamos Mitgliederversammlung - so sah es diesmal nicht aus. Es war auch viel eher Schluss als sonst.
Ein voller Saal bei Dynamos Mitgliederversammlung - so sah es diesmal nicht aus. Es war auch viel eher Schluss als sonst. © Robert Michael

Dresden. Es dürfte eine der kürzesten Mitgliederversammlungen in der Geschichte von Dynamo gewesen sein. Rund zwei Stunden nach dem Start war schon wieder Schluss. Beschlossen wurde bis dahin nichts, gewählt auch niemand, technische Probleme verhinderten das. Die erste Online-Versammlung endete mit einer Blamage. "Es waren gleich zwei technische Probleme aufgetreten, die sich weder der Anbieter noch wir uns erklären können", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Jürgen Wehlend in einer Medienrunde am Samstagnachmittag. "Das eine war, dass die Systemperformance komplett in die Knie gegangen ist." Dabei waren bei einem Test bis zu 1.000 Teilnehmer simuliert worden, also viel mehr, als dann tatsächlich dabei waren. Als Ursache für die Störungen wollte Wehlend "gar nichts ausschließen, selbst einen Hackerangriff nicht. Allerdings fehlt mir dazu ein wenig die Fantasie." Die Verlegung der Versammlung ins Internet war von einigen Mitglieder kritisiert worden.

In den sozialen Netzwerken erntete der Aufsteiger viel Hohn und Spott. In diesen Pandemie-Zeiten ist es absolut üblich, dass große Firmen, Verbände und Vereine ihre Versammlungen online abhalten - inklusive Abstimmungen. Dynamos Veranstaltung war technisch sicher eine Herausforderung, aber nicht zu anspruchsvoll. "Unser Dienstleister konnte nicht garantieren, dass ähnliche Probleme bei einer Fortführung vollständig ausbleiben würden", begründete Wehlend den Abbruch. "Ich habe zuletzt an größeren Online-Veranstaltungen von DFB und DFL teilgenommen, die geklappt haben."

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Bis zur Neuansetzung bleiben das Präsidium, der Ehren- und Jugendrat, die eigentlich neu gewählt werden sollten, weiter im Amt. Wann das sein wird, darüber soll am Donnerstag beraten werden. Zu einer Aufsichtsratssitzung werden dazu die anderen Gremienvorsitzen eingeladen. Wehlend hält es für realistisch, dass die verschobene und nun abgebrochene Versammlung für die Saison 2019/20 sowie die für 2020/21 zusammengelegt und im November stattfinden könnte. "Nach diesen Erfahrungen glaube ich nicht, dass wir einen weiteren Online-Versuch unternehmen werden." Der - sehr kurze - Liveticker zum Nachlesen:

12.20 Uhr: Wie konnte das passieren? Eine Testversammlung am Montag war nach Auskunft von Präsident Holger Scholze nahezu problemlos verlaufen. Lediglich die Bildqualität stimmte nicht ganz. Übertragen wurde die Versammlung am Montag wie am Samstag aus dem Trainingszentrum von Dynamo. Der Verein nutzte dabei die Plattform "Verband-Digital" des Anbieters Linkando. Der entschuldigte sich auf Nachfrage für die Probleme und verwies gleichzeitig darauf, dass man "in der Vergangenheit verschiedenste sehr erfolgreiche Versammlungen mit bis zu 500 parallelen Teilnehmern" hatte. Im Vorfeld sei die Dynamo-Versammlung und auch die Örtlichkeit "sehr intensiv getestet" worden.

12.15 Uhr: Die Frage, die sich nun stellt: Wie geht es nach dem Abbruch weiter? Nach gängiger Rechtsauffassung gelten die Fristen für die Durchführung einer Mitgliederversammlung in Zeiten einer Pandemie nicht mehr. Das heißt, Wahlen und Abstimmungen können nachgeholt werden, wenn die Verordnungen eine Präsenzveranstaltung wieder erlauben, also auch erst nach zwei Jahren. Es gibt allerdings eine Ausnahme für Vereine, die so groß und finanziell so gut gestellt sind, dass man ihnen zumuten kann, eine Mitgliederversammlung auch online durchzuführen. Das trifft zweifelsohne auf Dynamo zu. Folgt man dieser Auffassung, müsste der Verein den neuen Termin noch in diesem Geschäftsjahr ansetzen, das endet jedoch schon am 30. Juni. Und da wartet das nächste Problem: "Einladungen zu Mitgliederversammlungen werden vom Präsidium spätestens vier Wochen vor der jeweiligen Versammlung versandt", heißt es in der Vereinssatzung. Diese Frist kann nicht mehr eingehalten werden. Stellt ein Gericht fest, dass Dynamo gegen Vorgaben verstoßen hat, stünde zum Beispiel die Gemeinnützigkeit des Vereins auf dem Spiel.

12.14 Uhr: Das Versammlungspräsidium hat einstimmig beschlossen, die Versammlung abzubrechen.

12.07 Uhr: Inzwischen wurde das System neu gestartet. Die Verantwortlichen des Vereins prüfen nun, ob die Versammlung reibungslos fortgeführt werden kann. Ist das nicht der Fall, wird abgebrochen.

11.16 Uhr: Die technischen Probleme dauern an. Es wird nun an einer Erweiterung der Serverkapazität gearbeitet...

10.35 Uhr: Der Start ging schon mal schief. Derzeit stoppen technische Probleme die Versammlung.

10.27 Uhr: Noch vor der Abstimmung darüber, ob Medien bei Dynamos erster Online-Mitgliedersammlung zugelassen werden oder nicht, veröffentlich der Verein auf Twitter, wieviele Mitglieder teilnehmen: Es sind 391. Damit ist die Beteiligung deutlich geringer als bei den vergangenen Präsenz-Versammlungen, als im Schnitt 900 Mitglieder kamen.

Millionenzuschüsse für Stadion und Trainingszentrum

Gleich zwei gute Nachrichten gab es schon am Freitagabend aus dem Stadtrat. Der bewilligte einen Zuschuss von einer Million Euro für das Dynamo-Trainingszentrum im Ostragehege. Dort waren die Baukosten von 15 auf knapp 20 Millionen Euro gestiegen, unter anderem weil Altlasten gefunden wurden. An den Zuschuss, der mit 33:30 Stimmen denkbar knapp ausfiel, knüpften die Räte allerdings die Bedingung, dass Dynamo bei der Nachwuchsförderung künftig auch Mädchen einschließt und perspektivisch den Spielbetrieb für Mädchen- und Damenmannschaften angestrebt wird. Zudem bekommt der Stadionbetreiber für die abgelaufene und die kommende Spielzeit einen jährlichen Betriebskostenzuschuss in Höhe von je 1,5 Millionen. Damit soll die Miete, die Dynamo zahlen muss, deutlich gesenkt werden - "auf ein annähernd marktübliches Niveau", wie es Geschäftsführer Wehlend kommentierte.

Für Brisanz sorgte im Vorfeld der Mitgliederversammlung das Verfahren gegen den Präsidenten Holger Scholze, der sich zur Wiederwahl stellt. Am Dienstagabend hatte der noch amtierende Ehrenrat Scholze einen Verweis ausgesprochen, zudem soll er 250 Euro Ordnungsgeld zahlen. Es geht dabei um den Vorwurf der Schleichwerbung. Scholze hält das Verfahren wie das Urteil gegen ihn für „absurd“. Es sei „offensichtlich einzig und allein initiiert worden, um mich zu diskreditieren.“ Er behält sich rechtliche Schritte vor. Auch Wehlend äußerte sich am Samstag in einem Nebensatz zu dem Streit: "Das ist unglaublich, was da passiert", sagte er.

Ultras äußern sich erstmals zu den Aufstiegskrawallen

Auch die Krawalle rund um das Aufstiegsspiel am 16. Mai, bei dem 185 Polizeibeamte verletzt worden waren, sollten bei der Versammlung thematisiert werden. Dies wurde in einer am Freitag veröffentlichen Mitteilung angekündigt, die von Fanbetreuern, der Fangemeinschaft Dynamo, den Ultras, 1953international sowie der Schwarz-Gelben Hilfe unterzeichnet wurde. Darin distanzieren sich die Anhänger ausdrücklich von den Ausschreitungen. Die Vorfälle rund um das Rudolf-Harbig-Stadion seien in keiner Weise zu rechtfertigen, heißt es.

Gleichzeitig listet das Schreiben die Vorschläge auf, die der Verein bei der Sicherheitsberatung im Vorfeld unterbreitet hatte: eine Teilzulassung von Zuschauern im Stadion, einen Fanbereich vorm Stadion, eine Fahrt der Mannschaft auf einem Elbdampfer oder eine Busfahrt der Aufstiegself durch ein Fanspalier. "Aufgrund des am 16. Mai geltenden Bundesinfektionsschutzgesetzes war dies alles leider nicht umsetzbar", stellten die Verfasser fest. "Im Bundesland Sachsen bestand zudem ein grundlegendes Veranstaltungsverbot bis Ende Mai."

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Spannung versprach zudem der erste Bericht von Geschäftsführer Wehlend – vor allem in Bezug auf die finanziellen Folgen der Corona-Krise. Zumindest ein Detail verriet er im Gespräch mit den Journalisten: Ende des vergangenen Jahres steuerte der Verein durch die Corona-Krise auf ein Minus von 5,8 Millionen zu, wenn er keine Gegenmaßnahmen ergriffen hätte. Aktuell beträgt das Minus nur noch vier Millionen Euro. "Und wenn es richtig gut läuft, könnten es am Ende sogar nur 2,5 bis drei Millionen werden", so Wehlend. Abhängig ist dies vor allem von Überbrückungszahlungen durch den Bund.

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