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Dynamo und das Kreuz mit dem Knie

Torwart Patrick Wiegers reißt sich das Kreuzband – es ist in dieser Saison bereits die vierte schwere Knieverletzung bei den Dresdnern. Ein Blick in die Krankenakte.

Vier Dynamo-Profis, vier Knie-Patienten (v. l.): Robin Becker, Marco Hartmann, Patrick Wiegers und Chris Löwe.
Vier Dynamo-Profis, vier Knie-Patienten (v. l.): Robin Becker, Marco Hartmann, Patrick Wiegers und Chris Löwe. © Fotos: dpa/Robert Michael (2), dpa/Uwe Anspach, Lu

Dresden. Dynamos Trainer ist lange im Geschäft, aber so etwas hat auch er noch nie erlebt. „Es gab immer mal eine Grippewelle, da hat es mal zwei, drei hingeschlagen, eine Verletzung kam dazu oder Sperren“, erinnert sich Markus Kauczinski. „Das waren dann mal ein, zwei Wochen, in denen sich das geknubbelt hat, danach hatte man aber auch 27 Spieler auf dem Platz stehen.“ Was der 50-Jährige in dieser Saison in Dresden mitmacht, lässt sich am ehesten als Pechsträhne bezeichnen.

Am Dienstag erreichte ihn die nächste Hiobsbotschaft: Patrick Wiegers hat sich bei einem Zweikampf im Training unglücklich das rechte Knie verdreht und dabei das vordere Kreuzband durch- sowie den Meniskus eingerissen. Statt mit der Mannschaft auf den Schlussspurt im Kampf um den Aufstieg bereitet sich der 30 Jahre alte Torwart nun auf die Operation vor, fällt mehrere Monate aus. Mit Blick in die Zukunft denke er trotzdem positiv, lässt Wiegers mitteilen: „Diese Verletzung wird mich nicht umhauen, denn mein Weg im Profi-Fußball ist noch nicht vorbei.“

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Sein Vertrag bei Dynamo beinhaltet eine Option, unter welchen Voraussetzungen er über die laufende Saison hinaus verlängert wird, fällt allerdings unter das zwischen Verein und Spieler vereinbarte Stillschweigen. Sportgeschäftsführer Ralf Becker betont jedenfalls, Wiegers „auf dem Weg zurück auf den Fußballplatz zu unterstützen, wo wir können“.

Obwohl Wiegers Ersatzmann ist, wiegt der Ausfall schwer. „Er wird uns als wichtige Persönlichkeit und positiver Charakter in seiner Rolle als Ersatztorwart und Antreiber im Saisonfinale natürlichfehlen“, betont Becker. Mit dem 19 Jahre alten Stefan Kiefer müsste ein Talent aus der eigenen Jugend einspringen, falls Stammtorwart Kevin Broll ausfallen sollte. Kurzfristig einen vereinslosen Keeper zu verpflichten, kommt nicht infrage. Das erlauben die Statuten nur bis zum 31. Dezember. Als mögliche Nummer drei wird Junioren-Torwart Jannis Maul, 17 Jahre, nachgemeldet.

Bei Chris Löwe dauert es länger als gedacht

Der Ausfall von Wiegers reiht sich ein in eine Reihe von Rückschlägen, die Dynamo hinnehmen musste. Besonders auffällig: Es ist ein Kreuz mit dem Knie! Bereits im Oktober erwischte es Chris Löwe beim Heimspiel gegen Zwickau. Die erste Diagnose schien die schlimmsten Befürchtungen nicht zu bestätigen: Außenbandriss und Knochenprellung im linken Knie. „Die betroffenen Bänder heilen wieder und ich hoffe, dass ich noch in diesem Jahr wieder auf dem Fußballplatz stehen kann“, gab sich der 31-Jährige zuversichtlich.

Der Heilungsprozess verlief jedoch nicht optimal, manche Ärzte rieten zur Operation. „Das war so eine 50:50-Entscheidung“, berichtete Löwe. Er entschied sich dagegen und konnte vor anderthalb Wochen im Testspiel gegen Jena sein Comeback geben. Beim 0:0 im Ost-Duell gegen Hansa Rostock am Sonntag saß er auf der Bank. Yannick Stark, der sich die Schulter ausgekugelt hatte, aber um eine Operation herumgekommen war, stand nach zwei Monaten erstmals wieder in der Startelf.

Dagegen kehrt Marco Hartmann in dieser Saison nicht mehr auf den Platz zurück, obwohl es sich auch bei ihm zunächst weniger dramatisch anhörte. Bei ihm wurde Anfang Dezember eine Verletzung am Muskelansatz des rechten Knies sowie ein Knochenmarködem festgestellt. Nach einem Vierteljahr und dem vergeblichen Versuch, ins Mannschaftstraining einzusteigen, ließ sich Hartmann in München operieren. Dabei wurde die Bizepssehne neu am Wadenbeinköpfchen befestigt.

Hartmann will kein Anhängsel sein

„So eine Verletzung ist ohne Zweifel nicht schön, aber jetzt auch nicht so gravierend, dass ich für die Zukunft größere gesundheitliche Probleme oder Einschränkungen erwarten müsste“, sagt Hartmann in einem Interview für die Vereinshomepage – und fügt angesichts seiner langen Krankenakte selbstironisch hinzu: „Mein Körper ist nicht in einem Zustand, dass ich nach der Karriere direkt in den Rollstuhl müsste.“ Zunächst muss er allerdings drei weitere Monate pausieren, ob es für ihn danach bei Dynamo weitergeht, ist offen. Seine Einstellung: „Ich will keiner sein, der eine Art Anhängsel ist, das man nicht loswird, sondern jemand, der gebraucht und aus diesem Grund mitgenommen wird.“

Mit Hartmann war auch Sebastian Mai zum Jahresende ausgefallen: Innenbandanriss im rechten Knie. Der Kapitän konnte aber bereits zum Rückrundenstart gegen Kaiserslautern Mitte Januar wieder auflaufen. Nur drei Tage später erwischte es dann Robin Becker: Das gerissene Kreuzband im rechten Knie musste ersetzt, der Außenmeniskus genäht werden. Für den Verteidiger war die Saison damit genauso vorzeitig beendet wie für Patrick Weihrauch. Bei dem Mittelfeldspieler war es zwar nicht das Knie, sondern das Sprunggelenk, operiert werden musste dennoch.

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