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Eine späte Niederlage, die Dynamo selbst verschuldet

Die Dresdner kassieren in Mannheim das 0:1 durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit – und zuvor zwei Platzverweise. Die Analyse mit Reaktionen.

Schiedsrichter Lukas Benen schickt Sebastian Mai vom Platz. Der Dynamo-Kapitän ist mit der Entscheidung offenbar nicht ganz einverstanden, dabei war sie völlig angemessen.
Schiedsrichter Lukas Benen schickt Sebastian Mai vom Platz. Der Dynamo-Kapitän ist mit der Entscheidung offenbar nicht ganz einverstanden, dabei war sie völlig angemessen. © Foto: dpa/Uwe Anspach

Große Verletzungssorgen, dazu mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl und dann auch noch in der fünften Minute der Nachspielzeit das Spiel und einen weiteren Innenverteidiger verloren – viel schlechter hätte Dynamo Dresdens Auswärtsauftritt gegen Waldhof Mannheim nicht laufen können. Am Ende ärgert sich Co-Trainer Heiko Scholz über eine 0:1-Niederlage, die sich Dynamo selbst zuzuschreiben hat und die Cheftrainer Markus Kauczinski vorm Fernseher in der Uniklinik Dresden miterlebt. „Den Gegentreffer in der Nachspielzeit zu kriegen, ist nicht schön. Doch die zwei Roten Karten tun uns noch viel mehr weh“, meint Scholz danach.

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Sichtlich niedergeschlagen ist er und mittendrin, die sich am Ende überschlagenden Ereignisse zu verarbeiten. Das Handspiel von Kevin Ehlers, das in der Nachspielzeit zum entscheidenden Elfmeter führt, ist zweifellos unglücklich – die Rote Karte allerdings berechtigt. Rafael Garcia lässt Dynamo-Torwart Kevin Broll keine Chance und verwandelt sicher zum letztlich sehr verdienten Mannheimer Sieg.

Da ist das Unglück perfekt: Rafael Garcia (Nr. 16) verwandelt den Handelfmeter zum 1:0-Endstand. Dynamo-Torwart Kevin Broll, bei Waldhof ausgebildet, fliegt in die falsche Ecke.
Da ist das Unglück perfekt: Rafael Garcia (Nr. 16) verwandelt den Handelfmeter zum 1:0-Endstand. Dynamo-Torwart Kevin Broll, bei Waldhof ausgebildet, fliegt in die falsche Ecke. © Foto: dpa/Uwe Anspach

„Das ist symptomatisch für das ganze Spiel. Wir hatten die Hose voll, waren nicht auf der Höhe“, wettert Broll und listet die Unzulänglichkeiten gnadenlos auf: „Wir haben viel zu ängstlich gespielt, viele Fehler im Aufbauspiel gemacht, alles viel zu ungenau.“ Das Einzige, möchte man hinzufügen, von dem es nicht „viel“ gegeben hat: Dresdner Offensivaktionen, von Chancen ganz zu schweigen.

Und das ausgerechnet in Mannheim, wo Broll aufgewachsen ist und auch beim SV Waldhof im Tor gestanden hat. „Mannheim oder Barcelona – völlig egal“, schimpft er und fasst seine Gemütslage mit einem Wort zusammen: „Scheißtag“.

Scholz dagegen will nicht zu sehr ins Detail gehen. „Wir hatten schon schlimmere Nackenschläge in dieser Saison“, sagt er mit ruhiger Stimme – und redet dennoch Klartext, spricht von einer „ganz miesen ersten Halbzeit ohne Zugriff“ und kritisiert Kapitän Sebastian Mai, der in der 65. Minute die Rote Karte sieht. „Wir kennen Basti mit seinen Emotionen, doch als Kapitän darf ihm das nicht passieren. Er ist alt genug und weiß, dass er einen Fehler gemacht hat“, kommentiert Scholz die Szene, als Mai bei der Ausführung eines Freistoßes zwar behindert wird, dann aber gezielt den Gegenspieler tritt. Dass es dem Cheftrainer wieder besser geht, bilanziert Scholz schließlich, sei die beste Nachricht des Tages.

Kauczinski: "Mir geht es soweit gut"

Vor gut zwei Wochen hatte sich Kauczinski mit dem Coronavirus infiziert und blieb nach eigener Aussage während der gesamten Quarantäne komplett symptomfrei. Doch am Montagvormittag, unmittelbar nach Beendigung der offiziellen Pressekonferenz vor dem Mannheim-Spiel, klagte der 50-Jährige dann über Unwohlsein und Übelkeit. Dynamos Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi handelte kompromisslos: Kauczinski sollte nicht nur mal ins Krankenhaus, er musste über Nacht bleiben – und durfte auch am Dienstag nicht nachreisen.

Zu Wort gemeldet aber hat er sich: „Mir geht es gut soweit“, lässt der Cheftrainer per Pressemitteilung ausrichten, wobei unklar bleibt, ob die Betonung auf „gut“ oder „soweit“ liegt. Fakt ist, und so formuliert auch er es: „Die Ärzte haben mein Unwohlsein sehr ernst genommen und mich in den vergangenen eineinhalb Tagen einmal komplett durchgecheckt.“ Wann er wieder auf dem Platz stehen kann und dies aus medizinischer Sicht auch soll, ist offen.

Das Auftreten seiner Mannschaft in Mannheim dürfte kaum zur Gesundung des Patienten Kauczinski beigetragen haben. „Das soll keine Ausrede sein“, meint Scholz auf die Frage, ob die unerwartet schwache, mutlose Leistung etwas mit Kauczinskis neuerlicher Erkrankung zu tun haben könnte, „doch das macht schon was mit der Mannschaft, zumal Markus bei den Spielern, glaube ich, sehr beliebt ist".

Dabei ist die Gesundheit gerade auch bei Dynamos Hintermannschaft derzeit ein großes Thema – und das völlig corona-unabhängig. Mit Chris Löwe, Marco Hartmann und Robin Becker fehlen gleich drei vermeintliche Stammspieler, außerdem noch Spielmacher Patrick Weihrauch. Und als wäre das nicht genug, kamen nun in Mannheim auch noch die bislang immer gesetzten Tim Knipping und Yannick Stark hinzu, jedoch gelbgesperrt. Dynamo spielte also, wenn man so will, mit dem letzten Aufgebot. Trotzdem hat Scholz, natürlich in Absprache mit Kauczinski, eine Anfangsformation aufbieten können, in der kein Platz ist für: Pascal Sohm, Agyemang Diawusie und Neuzugang Heinz Mörschel, die bei (fast) allen anderen Ligakonkurrenten in der Startelf stehen.

Kein Kontakt mit dem Cheftrainer während des Spiels

Leroy Kwadwo, seit gut einer Woche bei Dynamo unter Vertrag, findet sich dagegen erstmals von Anfang an auf dem Rasen wieder – als Teil einer Abwehrdreierkette. Doch davor hapert es, so dass sich Scholz und Ferydoon Zandi, Dynamos weiterer Co-Trainer, entschließen, auf Viererkette umzustellen. Jonathan Meier rückt dafür von der linken Mittelfeldbahn auf die rechte Außenverteidigerposition.

Kontakt mit Kauczinski hat es während des Spiels nicht gegeben. „Die Co-Trainer haben die Verantwortung für alles, was passiert. Nach dem Spiel wird telefoniert“, sagt Sportchef Ralf Becker und stellt nach ereignisarmen 45 Minuten fest: „Das Beste für uns ist das Ergebnis.“

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In der zweiten Halbzeit ändert sich das zunächst, Dynamo bekommt etwas mehr Zugriff. Doch nach der Roten Karte für Mai drängt Mannheim aufs Siegtor. Als die Nullnummer schon besiegelt scheint, überschlagen sich die Ereignisse im Dresdner Strafraum. Eckball, Schuss an die Latte, Dynamo kann nicht klären, wieder kommt der Ball zurück – und Ehlers streckt die Hände vor. Damit fehlen am Freitag im Heimspiel gegen Bayern München II nun die nächsten zwei Verteidiger.

Der Liveticker zum Nachlesen.

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