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Was für Dynamo auf Schalke den Unterschied macht

Die Dresdner verlieren beim Top-Favoriten klar mit 0:3, obwohl sie gut dagegenhalten. Wie das passieren konnte.

Von Sven Geisler
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Machtlos auf Schalke: Dynamos Torwart Kevin Broll ist nach dem Gegentreffer zum 0:3 in der letzten Minute der Nachspielzeit endgültig bedient.
Machtlos auf Schalke: Dynamos Torwart Kevin Broll ist nach dem Gegentreffer zum 0:3 in der letzten Minute der Nachspielzeit endgültig bedient. © dpa/David Inderlied

Dieser Spruch kommt oft, sicher zu oft im Fußball. Es wäre mehr drin gewesen, heißt es nach Niederlagen. Das sagt Alexander Schmidt diesmal jedoch nicht, Dynamos Trainer formuliert es treffender: „Wer das Spiel gesehen hat, wundert sich, dass es 3:0 ausgegangen ist.“ Die Drei steht für Schalke, die Null für Dynamo. Eine klare Sache also für den Favoriten, aber das war es eben nicht. Trotzdem steht am Ende ein Ergebnis – und das lässt sich erklären.

Schmidt spricht von Kleinigkeiten und Schlüsselszenen, „in denen wir nicht clever genug waren“. Das geht los mit dem 0:1 und dabei nicht erst mit dem missglückten Klärungsversuch von Robin Becker. Der Verteidiger will den Ball wegschlagen, schießt aber den Schalker Thomas Ouwejan an. „So ein komisches Tor kriegst du auch nicht jeden Tag“, meint der Cheftrainer. Allerdings ist es auch die logische Folge, denn nach dem Pfostenschuss von Rodrigo Zalazar verpassen es die Dresdner zunächst, an der Seitenlinie die nächste Eingabe der Schalker zu unterbinden. Dann trifft Torwart Kevin Broll die falsche Entscheidung und wehrt den Schuss zu kurz ab. So kommt Becker in Bedrängnis.

„Die Mannschaft hat aber ganz ordentlich reagiert“, meint Schmidt. Tatsächlich ist keine Verunsicherung zu erkennen, was umso bemerkenswerter ist nach zuvor bereits fünf Niederlagen in sechs Spielen. Der Trainer hatte gefordert, nicht abzuwarten wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern mutig zu agieren. Das Team setzt das um, auch wenn nur wenige gute Chancen herausspringen. Was wiederum der nächste springende Punkt ist. „Das Einzige, was wir nicht gut gemacht haben, war das Spiel im letzten Drittel“, analysiert Schmidt am Samstag kurz vor Mitternacht an seinem 53. Geburtstag. „Dort waren wir nicht präzise genug, dort müssen wir den letzten Pass, die letzte Flanke oder den Torschuss genauer anbringen.“

Das macht den Unterschied. Dynamo wird mit der siebenten Ecke zum ersten Mal wirklich gefährlich. Den Kopfball von Pascal Sohm nach gut einer Stunde pariert Schalke-Torwart Martin Fraisl mit einer spektakulären Flugeinlage. Die achte Ecke? Bringt nichts ein. Auf der anderen Seite ist es erst die zweite für die Gastgeber, die zur Entscheidung führt. Marius Bülter hat im Strafraum zu viel Freiraum für seinen Kopfball. „Da waren wir nicht mehr so präsent, wie ich es mir vorgestellt hätte, da müssen wir aktiver zum Ball gehen“, kritisiert Schmidt. „Das war dann zu leicht für Schalke und sehr ärgerlich, denn in dem Moment war das Spiel entschieden.“

"Ergebnis tut weh"

Trotzdem probiert Dynamo weiter alles, der Coach wechselt offensiv und schickt schließlich erneut Kapitän Sebastian Mai in den Sturm. Der hat sogar mit einem guten Schuss noch die Chance zum Anschlusstreffer in der Nachspielzeit. Das Tor aber fällt erneut auf der anderen Seite. Diesmal nach einem Freistoß, aber wieder per Kopf. Marcin Kaminski sorgt vor dem Pfiff für den Schlusspunkt an einem stimmungsvollen und spannenden Fußball-Abend im Ruhrpott.

Schmidts Fazit: „Das ist ein bitteres 0:3, das nackte Ergebnis tut uns weh. Das klingt blöd, aber unter dem Strich muss ich die Mannschaft loben für die engagierte Leistung.“ Es war schließlich Schalke, der Top-Favorit auf den Aufstieg. Kein Grund zur Sorge? So will der Chefcoach auf keinen Fall verstanden werden. „Wir sind das Spiel nicht so angegangen: Ja, auf Schalke wird es schwer, wir konzentrieren uns auf Sandhausen“, sagt er. „Wir wollten hier unbedingt etwas mitnehmen und das hat die Mannschaft von der ersten Minute an gezeigt. Wir waren sehr laufstark, wenn man die Statistik anschaut, waren wir keinesfalls unterlegen.“

Torschüsse, Laufleistung, Pass- und Zweikampfquote, Ballbesitz – in allen erhobenen Werten waren die Dresdner besser oder mindestens gleich stark. Dennoch lässt sich das Spiel nicht einfach abhaken unter dumm gelaufen, Pech gehabt. Dessen ist sich Schmidt bewusst und auch der nun kritischen Lage. „Wir sind ganz weit davon weg, etwas positiv zu reden, wenn wir verlieren“, betont er. „Da sind wir, speziell ich, sehr sauer und kritisch, durchleuchten und analysieren alles. Es ist keinesfalls so, dass wir uns sagen: Gut gespielt, es geht weiter.“

Daferner vergibt zwei Chancen

Es ist die eine Sache, positiv zu denken, aber die Dresdner müssen sich weiterentwickeln. Das sei ein Prozess und es, was die Cleverness angehe, schon besser geworden. Gut genug ist das nicht, wie der Vergleich mit einem Spitzenteam wie Schalke erneut gezeigt hat, auch wenn das 0:3 tatsächlich „keinesfalls das Spiel widerspiegelt“. Wer in dieser zweiten Liga bestehen will, braucht die Konsequenz vorn wie hinten – und daran mangelt es Dynamo zu oft.

Christoph Daferner hat zwei Möglichkeiten, schließt bei der ersten in der Anfangsphase zu schnell und zu harmlos ab, bei der zweiten scheitert er nach knapp 70 Minuten aus spitzem Winkel am starken Schalker Schlussmann. Der Torjäger bleibt erneut ohne Treffer, die Mannschaft nun schon zum fünften Mal im elften Spiel. „Die haben einfach Qualität, lassen wenig liegen und nutzen ihre Chancen“, benennt Robin Becker den entscheidenden Unterschied. Das ist bedenklich. Erst recht, wenn zudem die Defensive nicht dichthält.

Schmidt blickt bereits voraus, und zwar nicht auf das DFB-Pokalspiel gegen den FC St. Pauli am Mittwochabend. Das ist Zugabe, was zählt die zweite Liga. „Jetzt heißt es, dass wir in den nächsten Spielen gegen Sandhausen und in Kiel die Punkte holen“, meint der Trainer, „dann wird es schon wieder anders aussehen.“ Andernfalls würde das nach dem Saisonstart so komfortabel erscheinende Polster nach unten bedrohlich schmelzen. Ein Szenario, mit dem sich Schmidt nicht beschäftigt. Seine Devise nach der ernüchternden Niederlage am Geburtstag: „Es hilft nichts, positiv bleiben, aber keinesfalls etwas schön reden.“ (mit jm)