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Darum bleiben so viele Plätze bei Dynamo leer

Zu den Heimspielen des Drittligisten kamen bisher deutlich weniger Zuschauer als erlaubt. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe, vermutet der Geschäftsführer.

Rund 10.000 Zuschauer kamen zum DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV. Es wären knapp 14.000 möglich gewesen.
Rund 10.000 Zuschauer kamen zum DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV. Es wären knapp 14.000 möglich gewesen. © dpa-Zentralbild

Dresden. Der bundesweite Rekord für Fußballspiele steht bei 11.500. So viele Menschen verfolgten am Wochenende in Dortmund den 4:0-Sieg des BVB gegen den SC Freiburg. Die Zahl klingt nahezu lächerlich für ein Stadion, das erst mit mehr als 81.000 Zuschauern ausverkauft ist – in normalen Zeiten. In Zeiten von Corona ist alles anders. Auch in Dresden.

Dynamo hält mit offiziell 10.035 Zuschauern beim Spiel gegen Waldhof Mannheim den Bestwert in der 3. Liga, beim Pokalduell gegen den Hamburger SV kamen zuvor 18 Fans mehr. Ob am Samstag beim traditionsreichen Elbe-Derby gegen den 1. FC Magdeburg der Rekord geknackt wird, lässt sich noch nicht abschätzen, der Vorverkauf startet erst an diesem Mittwoch. Für Enrico Kabus ist das ohnehin nebensächlich. „Es geht uns nicht um ein Wettrennen, wer die meisten Zuschauer ins Stadion holt, sondern darum, verantwortungsbewusst mit der Gesamtsituation umzugehen“, sagt Dynamos für das Kaufmännische zuständige Interimsgeschäftsführer, der nach der vorzeitigen Trennung von Michael Born und bis zum Amtsantritt von Jürgen Wehlend im Januar auf diesem Posten aushilft.

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Dass überhaupt so viele Fans ins Harbig-Stadion dürfen, liegt am besonderen Hygienekonzept in Dresden. Das schreibt einen Mund-Nasen-Schutz während der gesamten 90 Minuten vor und erlaubt Infektionsgemeinschaften von bis zu zehn Personen, die nebeneinander sitzen können. In anderen Fußball-Standorten wird auf die Maske verzichtet, dafür sind die Gruppen kleiner und die Abstände größer.

Die Zuschauerzahl bei Dynamo-Heimspielen hängt also wesentlich vom Buchungsverhalten der Fans ab. Fest steht: Ausgeschöpft wurde die maximal zulässige Kapazität bei Weitem nicht. Auch die Vorhersage von Pressesprecher Henry Buschmann, dass gegen Mannheim deutlich mehr Fans als gegen den HSV im Stadion sein werden, bewahrheitete sich nicht.

Eine Obergrenze will der Verein nicht kommunizieren, auch im Hygienekonzept ist keine festgeschrieben. Sie ließe sich aber errechnen. „Sie liegt zwischen 13.000 und 14.000 und eher Richtung 14.000“, erklärte Angelika Starke, zuständige Mitarbeiterin beim Dresdner Gesundheitsamt, auf SZ-Nachfrage.

Anderen Vereinen geht es ähnlich

Es könnte aber noch andere Gründe geben für die vielen freien Plätze. Denn das Phänomen ist keines, das sich auf die Heimspiele von Dynamo beschränkt. „Wir stellen fest, dass die Nachfrage auch bei anderen Fußballvereinen und insbesondere in der Event- und Kulturbranche geringer als erwartet ist, und die vorhandenen Kapazitäten nicht vollständig ausgeschöpft werden“, erklärt Kabus. Das können aus sportlicher Sicht etwa die Volleyball-Frauen des Dresdner SC bestätigen, die den Supercup gegen Meister Schwerin vor 685 Fans verloren, erlaubt waren bis zu 1.100. Auch beim Eishockey-Turnier der Eislöwen am Wochenende hätten mehr Zuschauer in die Halle gedurft.

„Es gibt Menschen, die aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens gegenwärtig Angst vor der Teilnahme an Großveranstaltungen haben“, vermutet Kabus. „Andere haben keine Lust auf ein eingeschränktes Stadionerlebnis, diese Leute lehnen beispielsweise den Mund-Nasen-Schutz vollständig ab.“ Zu zwei Dritteln leere Ränge, keine Gästefans und die ganze Zeit eine Maske vorm Gesicht – das kann die Lust auf ein Live-Spiel schmälern.

In der vergangenen Zweitliga-Saison kamen bis Anfang März im Schnitt 27.261 Zuschauer zu den Heimspielen der Schwarz-Gelben. Die Auslastung lag damit bei 84 Prozent und vor allem deshalb nicht noch höher, weil der Gästeblock häufig nur spärlich gefüllt war. Dynamo ist ein Zuschauermagnet – momentan aber nicht wie gewohnt. „Wir müssen auch Regionen vom Ticketverkauf ausschließen, wenn diese von einem erhöhten Infektionsgeschehen betroffen sind“, erklärt der Interimsgeschäftsführer. „Dazu zählten zuletzt Teile von Süddeutschland und dem Vogtland, aus denen traditionell viele Fans zu unseren Spielen anreisen.“

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Die aktuellen Infektionszahlen haben zudem Einfluss auf die Belegung der Plätze. Mit den „Sicherheitsträgern und dem Gesundheitsamt“ werde „situativ, flexibel und verantwortungsbewusst“ die Kapazität angepasst, so Kabus. Dabei können die Abstände zwischen den Infektionsgemeinschaften vergrößert oder zusätzliche Reihen freigehalten werden.In Dresden steigt die Corona-Kurve seit Tagen an, der Inzidenz-Wert, der die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über sieben Tage angibt, liegt derzeit bei 13,7. Ab 20 könnte das Gesundheitsamt die Kapazität drastisch verringern, wie zuletzt in Aue, oder sogar Geisterspiele anordnen – und das auch sehr kurzfristig.

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