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Dynamos Schock im Sachsen-Derby

Die Dresdner verlieren 1:2 gegen Zwickau und Chris Löwe verletzt sich schwer, wartet in der Uniklinik auf die Diagnose. Die Analyse mit ersten Reaktionen.

Der Schock-Moment des Spieles: Dynamo-Profi Chris Löwe muss von Sanitätern auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Im Krankenhaus stand noch am Dienstagabend eine MRT-Untersuchung an.
Der Schock-Moment des Spieles: Dynamo-Profi Chris Löwe muss von Sanitätern auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Im Krankenhaus stand noch am Dienstagabend eine MRT-Untersuchung an. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Dynamo hat den – zumindest vorübergehenden – Sprung an die Spitze der 3. Liga verpasst. Durch eine verdiente 1:2-Niederlage gegen den FSV Zwickau wurden die Dresdner sogar vom Gegner in der Tabelle überholt. Nach den beiden 1:0-Siegen gegen Magdeburg und Lübeck muss der Absteiger – nicht nur wegen des Ergebnisses – einen herben Rückschlag verkraften. Und den wahrscheinlich langen Ausfall von Führungsspieler Chris Löwe.

Den Liveticker vom Spiel  gibt es hier zum Nachlesen.

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Wirklich überraschend kam die Niederlage allerdings nicht. Bereits beim Erfolg am Samstag in Lübeck zitterte sich die Mannschaft trotz Überzahl zu den drei Punkten, konnte nicht überzeugen. Gegen Zwickau mangelte es an Ideen und spielerischen Möglichkeiten, um die beherzt kämpfenden Zwickauer zu besiegen. Vor der Pause fehlte es auch am Einsatz.

„Sie haben uns den Schneid abgekauft, wir sind gar nicht reingekommen ins Spiel“, sagte Dynamo-Trainer Markus Kauczinski nach Abpfiff bei Magenta-TV. „Wir haben in der ersten Halbzeit viele 50:50-Zweikämpfe verloren. Der Gegner hat durchgezogen, wir waren nicht richtig da. Das war auch eine Einstellungsfrage“, kritisierte der 50-Jährige – und war restlos bedient: „Dass der Gegner hier jubelt, tut weh, das darf nicht passieren.“

Zudem bereitet die Durchschlagskraft zunehmend Sorgen. Kauczinksi hatte die im Vorfeld trotz der drei minimalistischen 1:0-Siege in der Liga nicht als Problem ausgemacht. „Wir hatten in allen Spielen Chancen für mehr Tore, haben sie aber nicht genutzt“, meinte er. „Beim Pokal gegen den Hamburger SV war dagegen jeder Schuss drin. Das gleicht sich über eine Saison aus.“ Gegen Zwickau blieben jedoch selbst die Chancen Mangelware. 

Für alle Drittligisten ist es die erste von mehreren englischen Wochen in dieser Saison. Kauzinski hatte deshalb Veränderungen in der Startelf angekündigt, beließ es aber bei zwei Wechseln. Rechtsverteidiger Robin Becker ersetzte nach auskuriertem Muskelfaserriss wie erwartet Max Kulke. Außerdem stand Panagiotis Vlachodimos anstelle von Ransford-Yeboah Königsdörffer in der Startelf. „Die beiden Jungen brauchten mal eine Erholung“, begründete der Trainer die Veränderungen kurz vor dem Anpfiff.

Die Bilder des Spieles - hier durchklicken:

Die Zuschauerzahl - das Rudolf-Harbig-Stadion ist ausverkauft. Mehr als die 999 Fans dürfen wegen der Corona-Lage nicht dabei sein.
Die Zuschauerzahl - das Rudolf-Harbig-Stadion ist ausverkauft. Mehr als die 999 Fans dürfen wegen der Corona-Lage nicht dabei sein. © dpa-Zentralbild
Es fing so gut an: Philipp Hosiner (2.v.r.) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Panagiotis Vlachodimos (r) und Chris Löwe. 
Es fing so gut an: Philipp Hosiner (2.v.r.) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Panagiotis Vlachodimos (r) und Chris Löwe.  ©  dpa/Robert Michael
Doch dann muss Chris Löwe von Sanitätern auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Der Linksverteidiger wurde bei einem Foul vermutlich schwer am linken Knie verletzt.
Doch dann muss Chris Löwe von Sanitätern auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Der Linksverteidiger wurde bei einem Foul vermutlich schwer am linken Knie verletzt. ©  dpa/Robert Michael
Schließlich hat Zwickau die Partie gedreht. Torwart Kevin Broll wirft nach dem Gegentor zum 1:2 den Ball weg, seine Mitspieler Robin Becker (l-r), Tim Knipping und Yannick Stark sind enttäuscht. 
Schließlich hat Zwickau die Partie gedreht. Torwart Kevin Broll wirft nach dem Gegentor zum 1:2 den Ball weg, seine Mitspieler Robin Becker (l-r), Tim Knipping und Yannick Stark sind enttäuscht.  © dpa-Zentralbild
Die Enttäuschung nach dem zweiten Gegentreffer hält auch nach dem Abpfiff an, denn Dynamo kommt nicht noch mal zurück.
Die Enttäuschung nach dem zweiten Gegentreffer hält auch nach dem Abpfiff an, denn Dynamo kommt nicht noch mal zurück. ©  dpa/Robert Michael
Dynamo ist bemüht, stolpert aber letztlich wie Kapitän Sebastian Mai (vorn) in diesem Zweikampf mit Zwickaus Maximilian Wolfram. 
Dynamo ist bemüht, stolpert aber letztlich wie Kapitän Sebastian Mai (vorn) in diesem Zweikampf mit Zwickaus Maximilian Wolfram.  ©  dpa/Robert Michael
Es läuft spielerisch nicht rund - auch Patrick Weihrauch (r.) - im Duell mit Zwickaus Leon Jensen -. kann offensiv keine Akzente setzen, leistet sich erschreckende Aussetzer und Ballverluste.
Es läuft spielerisch nicht rund - auch Patrick Weihrauch (r.) - im Duell mit Zwickaus Leon Jensen -. kann offensiv keine Akzente setzen, leistet sich erschreckende Aussetzer und Ballverluste. © dpa-Zentralbild
Und so endet der Abend enttäuschend - nicht nur für Marvin Stefaniak. Der Rückkehrer wird zur Pause eingewechselt und kann das Offensivspiel durchaus beleben. Allerdings kommen seinen Ecken nicht gut.
Und so endet der Abend enttäuschend - nicht nur für Marvin Stefaniak. Der Rückkehrer wird zur Pause eingewechselt und kann das Offensivspiel durchaus beleben. Allerdings kommen seinen Ecken nicht gut. © dpa-Zentralbild

Die beiden Neuen waren gleich beteiligt an den beiden Blitztoren. Gerade 1:42 Minuten nach dem Anpfiff legte Vlachodimos eine Eingabe von Agyemang Diawusie uneigennützig auf Philipp Hosiner ab, der zum 1:0 traf. Doch die Führung hielt keine zwei Minuten. Nach einem Eckball störte Becker Zwickaus Marco Schikora nicht wirklich, der den Ball mit der Hacke ins kurze Ecke verlängerte und Torhüter Kevin Broll überraschte. „Wir gehen früh in Führung, kriegen direkt im Anschluss das Tor – das kann passieren“, sagte Kauczinski. Was allerdings danach passierte, ärgerte ihn.

Torschütze Hosiner hatte ein „enges Kampfspiel“ prognostiziert, das wurde es auch – trotz des furiosen Starts. Julius Reinhardt übertrieb es mit dem Einsatz in einer Szene allerdings deutlich. Nahezu ungebremst rauschte er in Höhe der Mittellinie in Chris Löwe hinein und erwischte Dynamos Routinier am linken Knie. Auf einer Trage wurde der Linksverteidiger vom Platz getragen – und sofort ins Krankenhaus gefahren. Wie lange der 31-Jährige ausfällt, lässt sich kaum abschätzen. Am Abend wartete er in der Uniklinik auf eine MRT-Untersuchung, eine genaue Diagnose wird für heute erwartet, Kauczinski rechnet allerdings nicht mit einer Entwarnung: „Es sieht nicht gut aus“, sagte der Trainer.

Schiedsrichter Alexander Sather aus Grimma verwarnte Reinhardt, hätte aber auch Rot zeigen können. Eher müssen. „Trotz der Verletzung muss man weiterspielen, ob das eine Rolle gespielt hat, weiß ich nicht“, betonte Kauczinski. Die Dresdner wirkten nach dem erzwungenen Wechsel – für Löwe kam Jonathan Meier – jedoch geschockt. „Chris hat die ganze Zeit geschrien. Das macht natürlich etwas mit einem“, erklärte Kapitän Sebastian Mai hinterher. „Es tut unfassbar weh, dass er jetzt im Krankenhaus liegt und wohl das Knie kaputt ist. Dann hätten wir einen wichtigen Spieler verloren.“

Es lief nicht mehr viel zusammen, die Angriffe blieben in Ansätzen stecken. „Ich glaube, diese Szene ging an keinem spurlos vorüber“, erklärte der verletzte Marco Hartmann in der Halbzeitpause. „Trotzdem ist das keine Entschuldigung für die schwachen 30 Minuten danach.“ Das 2:1 für Zwickau war die logische Konsequenz. Leon Jensen verwerte eine präzise Eingabe direkt mit einem satten Schuss in den Winkel (30.). Broll hatte keine Chance – und fünf Minuten später Glück. Bei einer Flanke kommt er nicht an den Ball, räumt dafür aber den nicht vom Platz gestellten Reinhardt ab. „Da hätte man auch Elfmeter pfeifen können“, fand Hartmann.

Kapitän Mai fordert: Mehr Konstanz zeigen

Nach der Pause mühten sich die Dresdner um den Ausgleich, waren die dominierende Mannschaft. Doch selbst die Einwechslung von Christoph Daferner und die Umstellung auf eine Doppelspitze blieb nahezu wirkungslos. Bei den wenigen verheißungsvollen Angriffen kam oft der letzte Pass nicht an, scheiterten die Dresdner an Unzulänglichkeiten. So wurde Hosiner bei einem Sprint aufs Tor mühelos abgelaufen. In der Nachspielzeit traf Kapitän Sebastian Mai, der 2016 mit dem FSV in die 3. Liga aufgestiegen war, mit einem Freistoß den Außenpfosten.

Was er in dem Moment gedacht habe, wird er bei Magenta gefragt. „Das kann ich jetzt nicht sagen, es gucken auch Kinder zu“, antwortet Mai sichtlich angefressen – und auf das Nachhaken der Reporterin: „Ich habe letztens S-c-h-Punkt-Punkt-Punkt gesagt. Ich sollte jetzt nicht sagen, was mir durch den Kopf geht.“ Die Forderung des Kapitäns: „Wir waren zwei Spiele richtig gut, jetzt haben wir wieder die erste Halbzeit komplett verschlafen. Das darf uns nicht passieren. Da müssen wir mehr Konstanz rein bekommen.“ Denn so werden keine Aufstiegsträume wahr.

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