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Jetzt schlägt Dynamos Sportchef Alarm

Ralf Becker kritisiert die Investoren-Modelle in der 3. Liga, aber auch einen Traditionsverein. Seine Meinung: "Das ist unfairer Wettbewerb." Die Hintergründe.

Ralf Becker, Sportgeschäftsführer bei Dynamo Dresden, kritisiert das Finanzgebaren einiger Konkurrenten in der 3. Liga.
Ralf Becker, Sportgeschäftsführer bei Dynamo Dresden, kritisiert das Finanzgebaren einiger Konkurrenten in der 3. Liga. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Es sind deutliche Worte, die Ralf Becker an einige Konkurrenten richtet. "Das schadet dem Fußball und der Glaubwürdigkeit. Es kann nicht in unser aller Sinne sein, und ich finde es wichtig, das anzusprechen", wird Dynamos Sportgeschäftsführer im Fachmagazin Kicker zitiert.

In dem Beitrag geht es um das Finanzgebaren in der 3. Fußball-Liga allgemein und speziell die Investoren-Modelle bei Türkgücü München und dem KFC Uerdingen. Becker lehnt solche nicht grundsätzlich ab, nennt Dietmar Hopp in Hoffenheim und Dietrich Mateschitz bei RB Leipzig sogar als Beispiele, "dass sich mit externen Aufwendungen Nachhaltigkeit erzeugen lässt". Das sei jedoch bei den Drittligisten eben nicht der Fall. "Einerseits werden die Gehälter nach oben getrieben, andererseits steht immer wieder im Raum, dass der Investor die Lust verliert", erklärt Becker.

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Bei Türkgücü hatte Hasan Kivran zum Jahreswechsel seinen Rückzug angekündigt, daraufhin stand das Spiel von Dynamo in München am 11. Januar scheinbar in Frage. Geschäftsführer Max Kothny wies solche Spekulationen aber im Gespräch mit Sächsische.de zurück. Die Schwarz-Gelben verloren die Partie mit 0:1. Kurz darauf ließ der Investor verlauten, doch bleiben und weiter zahlen zu wollen.

Dynamo würde von Punktabzug sogar profitieren

Anders beim KFC Uerdingen. Der Klub wird seit Juni 2016 vom russischen Multimillionär Mikhail Ponomarev geführt und steckt seit dem 1. März im Insolvenzverfahren, ein armenischer Investor soll die Anteile angeblich übernehmen. Allerdings ist es nach wie vor nicht sicher, dass der Verein die Saison zu Ende spielen kann. Sollte sich der KFC aus finanziellen Gründen zurückziehen müssen, hätte das sportliche Konsequenzen: Die Ergebnisse der Krefelder würden annulliert.

Hasan Kivran wollte sich als Investor bei Türkgücü München zurückziehen, entschied sich dann aber doch, den Klub weiter finanziell zu unterstützen.
Hasan Kivran wollte sich als Investor bei Türkgücü München zurückziehen, entschied sich dann aber doch, den Klub weiter finanziell zu unterstützen. © kolbert-press

Dynamo käme dabei sogar gut weg, würde nach dem 0:0 im Hinspiel nur einen Punkt einbüßen. Hansa Rostock vier sowie Ingolstadt und der SV Wehen Wiesbaden, die beide Spiele gegen den KFC gewonnen haben, dagegen sogar sechs. "Das wäre natürlich sportlich unschön, wenn Ergebnisse, die erzielt worden sind, am Ende nicht zählen und dadurch Verschiebungen in der Tabelle passieren", sagte Markus Kauczinski dazu: "Das ist nicht gut für die Liga und das ist nicht gut für den Sport." Darin ist sich Dynamos Trainer mit dem Sportchef absolut einig.

Becker geht es in der Debatte um das Konstrukt. Er spricht von einer Katastrophe für die 3. Liga und den Fußball im Allgemeinen, "dass so etwas möglich geworden ist". Durch den Einstieg der Investoren seien "die Gehälter in der 3. Liga im Vergleich zu meiner Zeit in Kiel extrem nach oben geschossen", sagt der 50-Jährige, der von 2016 bis 2018 für Holstein tätig war. Der Kicker vergleicht: In der Saison 2016/17 habe jeder Klub durchschnittlich 3,273 Millionen Euro für den "Personalaufwand Spielbetrieb" ausgegeben, 2019/20 waren es 4,241 Millionen - eine Steigerung um 29,5 Prozent.

Becker führt diese Entwicklung in erster Linie auf die Projekte mit Investoren zurück. Als Beispiel wird in dem Beitrag Kevin Großkreutz genannt. Den Weltmeister ohne Einsatz hatte Ponomarev zur Saison 2017/18 zum KFC Uerdingen geholt, im Herbst 2020 einigte man sich auf eine Vertragsauflösung. Großkreutz soll mit mehr als 400.000 Euro abgefunden worden sein, Gerüchten zufolge hat der Ex-Dortmunder in der 3. Liga mehr als 50.000 Euro im Monat bekommen.

Uerdingen: Spieler müssen ihr Wasser selbst bezahlen

Jetzt kriegen die Spieler seit Monaten kein geregeltes Gehalt und müssen sich ihr Wasser selber kaufen, die Physiotherapeuten das Massageöl bezahlen. Das berichtete KFC-Trainer Stefan Krämer über die derzeitigen Verhältnisse in Uerdingen, zudem muss die Mannschaft ihre Heimspiele im etwa 200 Kilometer entfernten Lotte austragen, nachdem der KFC in Duisburg und Düsseldorf wegen Zahlungsstreitigkeiten rausgeflogen ist.

Mikhail Ponomarev will seine Anteile am KFC Uerdingen abgeben, der Klub steckt bereits im Insolvenzverfahren.
Mikhail Ponomarev will seine Anteile am KFC Uerdingen abgeben, der Klub steckt bereits im Insolvenzverfahren. © dpa/picture alliance

Ein Problemfall ist aus Sicht des Dynamo-Sportchefs aber mit dem 1. FC Kaiserslautern auch ein Traditionsverein. Die Pfälzer haben im Frühjahr Insolvenz angemeldet, nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Punktabzug dafür vorübergehend ausgesetzt hatte. Das sollte den Klubs helfen, in der Corona-Krise zu überleben, die Schwierigkeiten beim 1. FCK hatten sich jedoch über Jahre aufgestaut.

Während sich der Fritz-Walter-Klub in Eigenregie entschulden konnte, erhielten Konkurrenten ausstehende Ratenzahlungen für Transfers nicht, sondern nur die Insolvenzquote von vier Prozent. Das betraf laut Kicker auch Dynamo für den Wechsel von Lucas Röser nach Kaiserslautern Ende August 2019. "Ich finde, der FCK ist ein super Klub", sagt Becker. Es sei legitim, dass Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt alles unternehme, um diesen Verein zu retten, aber: "Ich verstehe nicht, mit welchen Summen nach der Insolvenz gearbeitet wird. Wenn einerseits Raten für in der Vergangenheit verpflichtete Spieler nicht gezahlt werden, dann aber gleichzeitig die Konkurrenz im Bemühen um neue Spieler mit finanziell deutlich besseren Angeboten ausgestochen wird, dann ist das nicht fair."

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Becker nennt die Aufsteiger VfB Lübeck und SC Verl als Beispiele, "die versuchen, mit Seriosität und einem schmalen Etat zu überleben". Seine Schlussfolgerung: "Das ist ein unfairer Wettbewerb." Deshalb brauche es ein Regulativ, betont der Dynamo-Manager und appelliert damit indirekt an den DFB, der im Lizenzierungsverfahren für die 3. Liga eingreifen könnte.

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