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Schönheitskur fürs einstige Zentralstadion

Eine Investition von 60 Millionen Euro: Beim Umbau der Arena von RB Leipzig erhält die Spielstätte erstmals Stehplätze - sogar mehr als im K-Block in Dresden.

Drei hochgeklappte Sitze in der Stehplatzkurve der Heimfans.
Drei hochgeklappte Sitze in der Stehplatzkurve der Heimfans. © RB Leipzig/motivio/thomas eisenhuth

Von Ullrich Kroemer

Leipzig. Kreischende Kreissägen, dröhnende Schleifmaschinen und ein röhrender Rasentraktor – die Geräuschkulisse im Stadion von RB Leipzig erinnert derzeit kaum an Bundesliga-Fußball. Dabei könnten die Fans des Vizemeisters schon bald so laut wie noch nie zu hören sein – sofern es die Coronabestimmungen zulassen. Derzeit wird das „Stadion der 100.000“, wie das riesige Rund einst in Anlehnung an das Fassungsvermögen genannt wurde, umgebaut. Mal wieder.

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Die größte Zäsur gab es Anfang der 2000er-Jahre, als in den gigantischen Wall des alten Zentralstadions für 116 Millionen Euro eine gut 44.000 Plätze fassende Arena gebaut wurde, um hier Spiele der WM 2006 austragen zu können. Vier Jahre später zogen die damals noch viertklassigen Rasenballer ein, doch schon da war klar, dass sich einiges ändern muss.

Umbau läuft schon seit zwei Jahren

„Man merkt, dass hier für ein Turnier geplant wurde und keine Vereine beteiligt waren“, erklärte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff 2016, als der Verein einen Neubau am Messegelände verworfen und das Stadion von Michael Kölmel, einst Kreditgeber bei Dynamo, gekauft hatte. Für den Ligabetrieb war es nicht wirklich geeignet.

Immer wieder wurde deshalb gewerkelt und modernisiert, seit zwei Jahren nun läuft ein größerer Umbau, der am Ende stolze 60 Millionen Euro kosten wird. 47.069 Fans passen dann ins größte Stadion der neuen Bundesländer. Dabei gab es sogar Pläne, die Ränge bis hinunter auf das Rasenniveau zu ziehen.

„Das Stadion auf knapp 53.500 Zuschauer zu erweitern, wäre möglich, aber das Verhältnis zwischen baulichem und finanziellen Aufwand und dem Nutzen macht das nicht sehr wahrscheinlich“, erklärt Bauleiter Falk Jänicke. Der 50-Jährige, gelernter Jurist, hat zur Begehung geladen und ist guter Dinge, dass bis zum Bundesligastart am 14. August fast alles fertig ist. „Da wird noch nicht die letzte Wand gestrichen sein und das letzte Poster hängen, aber wir werden das Stadion zu Saisonbeginn nutzen können“, sagt er.

Es geht vor allem um die Funktionalität

Hauptanliegen der Runderneuerung ist die Funktionalität. In den Halbzeitpausen bildeten sich bisher lange Schlangen vor den Toiletten und Kiosken. Würstchen und Bier werden nun an 34 statt bisher 21 Stellen verkauft, an drei gibt es Spezialitäten von Leipziger Restaurants. Auf Bildschirmen ist nicht nur das kulinarische Angebot zu sehen, sondern auch das sportliche Geschehen vom Rasen. Der durstige Fan soll nichts verpassen. Und der Verein erhofft sich durch die neuen Möglichkeiten Mehreinnahmen beim Catering.

Schon der Empfang ist nun ein anderer. Der Wall wurde an mehreren Stellen eingeschnitten, um das Hinauf- und Hinabsteigen der Treppen zu umgehen. Die Sektorentrennung wurde aufgehoben. Kommt der Zuschauer von der Festwiese, passiert er erst einen Fanshop und dann ein Portal, das komplett von einer etwa zehn Meter hohen LED-Wand umrahmt ist.

Die entscheidende Neuerung ist jedoch, dass die Arena nun auch Stehplätze hat. Für die Heimfans sind es 10.500 – und damit mehr als der K-Block im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion fasst. Bei Bedarf können die dort verbauten Sitze hochgeklappt werden, bei Europapokal- und Länderspielen entstehen so 6.170 Sitzplätze. Ähnlich funktioniert das im neuen Gästebereich, der je nach Andrang in drei Größen aufgeteilt werden kann.

Größte Probleme: Material und Substanz

Die Sitze sollen komplett rot werden und sich damit den Vereinsfarben anpassen, bisher waren sie blau-türkis, was dem Stadion den Spitznamen „Schwimmbad“ einbrachte. Beim Saisonstart wird es aber noch einen Farbmix geben, wegen eines Brands in einer belgischen Lackfabrik gibt es Lieferengpässe. Das Rot kommt nun aus China – das dauert. Es ist nicht die einzige Hürde beim Umbau. Die neuen Glasfronten an den Stirnseiten, die den Schall im Rund verstärken und nach Außen dämmen sollen, wurden verspätet geliefert, weil der Container im Suezkanal im Stau steckte. Nun wird in Schichten gearbeitet, um die riesigen Glasfassaden noch rechtzeitig zu montieren.

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Neben den Materialproblemen war die historische Substanz ein Dauerthema. „Es gibt einen Teil aus dem ursprünglichen Stadion aus den 1950er-Jahren, einen Bestand aus den 2000ern – und das alles in einer Denkmalschutz-Kulisse. Das war planerisch die große Herausforderung“, so Jänicke. Rein optisch wurde der billige Wellblech-Schick vom letzten großen Umbau durch dunkelgraue Faserzement-Fronten ersetzt. Auch die Vip-Räume bekommen eine neue Optik, die Plätze wurden von 1.950 auf 2.080 nur leicht erhöht. (mit SZ/dk)

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