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Leipzigs altes Ziel mit neuem Trainer

RB Leipzig will nach dem Abgang von Nagelsmann endlich den ersten Titel gewinnen. Sein Nachfolger ist ein Unbekannter.

Soll endlich den ersten Titel für RB holen: Jesse Marsch.
Soll endlich den ersten Titel für RB holen: Jesse Marsch. © dpa/Jan Woitas

Leipzig. Das Image vom Dosenverein, der mithilfe der Red-Bull-Millionen in die Bundesliga und die Champions League gehievt wurde, kriegt der Verein wohl nie mehr los. Seit der Gründung 2009 versuchen die Leipziger, den Ruf mit spektakulärem Tempofußball zumindest ein wenig zu verbessern.

Mit der Verpflichtung von Julian Nagelsmann schien der Klub in Sachen Attraktivität Bayern München und Borussia Dortmund Paroli bieten zu können. Nach dessen Abgang stellt sich die Frage: Geht es in der sechsten Bundesliga-Saison erstmals richtig abwärts?

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Kann Jesse Marsch den Julian Nagelsmann ersetzen?

Von den Namen her wird das schwierig: Nagelsmann ist neben Jürgen Klopp und Thomas Tuchel der begehrteste deutsche Trainer, Marsch der große Unbekannte. Der US-Amerikaner arbeitete zwar schon sehr erfolgreich bei den Red-Bull-Ablegern in New York und Salzburg, aber als Cheftrainer noch nie in einer der europäischen Top-Ligen.

Die Bundesliga und Leipzig kennt er zumindest aus der Saison 2018/19, als er Assistent bei Ralf Rangnick war. Marsch legt viel Wert auf ein gutes Klima. „Wir müssen eine starke Gruppe sein, Leidenschaft leben und im Spiel füreinander da sein“, lautet seine Philosophie.

Wird wieder der typische RB-Fußball gespielt?

Davon ist auszugehen. Unter Nagelsmann waren das aggressive Gegenpressing und das blitzschnelle Umschalten ein wenig verloren gegangen. Vor allem in den Spitzenspielen gegen die Bayern und Dortmund versuchte er, die Gegner taktisch zu überraschen – was misslang. Solche Experimente wird es unter Marsch wohl nicht geben, bei ihm stehen Intensität und Aggressivität im Vordergrund, kündigte er an.

Ist die Mannschaft nach den Abgängen noch gut genug?

Dayot Upamecano weg, Ibrahima Konaté weg – und damit auch die Defensivstärke? In der vergangenen Saison kassierten die Leipziger die wenigsten Gegentreffer aller Bundesligisten. Die Sorge ist groß, dass die eher unbekannten Neuzugänge aus Zagreb und Straßburg, die zusammen nicht so viel kosteten, wie der FC Bayern für Upamecano überwiesen hat, die Lücke nicht füllen können.

Hinzu kommt, dass sich Linksverteidiger Marcelo Saracchi in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zugezogen hat. RB würde gerne noch den Wolfsburger Maxence Lacroix verpflichten, bei den bisher gebotenen Ablösesummen winkte der VfL jedoch ab. „Schwächer als in der vergangenen Saison ist der Kader nicht“, betont Marsch.

Das könnte aber noch passieren, wenn Marcel Sabitzer den Verein in Richtung München verlässt. Seit Wochen steht er in Verhandlungen mit dem FC Bayern. Alles deutet auf einen Abgang hin.

Hat Leipzig endlich einen Ersatz für Timo Werner?

Mit André Silva kommt von Eintracht Frankfurt zumindest der zweitbeste Bundesliga-Schütze der vergangenen Saison. Mit seinen 28 Treffern war der Portugiese erfolgreicher als BVB-Superstar Erling Haaland. Nach dem Abgang von Timo Werner zum FC Chelsea vor einem Jahr suchte RB bisher vergeblich nach einem gleichwertigen Ersatz.

Mit seinen fünf Toren blieb der Norweger Alexander Sörloth, über dessen Verkauf spekuliert wird, weit unter den Erwartungen, Hee-chan Hwang fiel wegen einer Corona-Infektion länger aus und traf lediglich im DFB-Pokal. Gut möglich, dass RB-Urgestein Yussuf Poulsen wieder mehr Einsatzzeiten bekommt als zuletzt unter Nagelsmann. Mit der dänischen Auswahl machte der Stürmer bei der EM viel Werbung in eigener Sache.

Wann gewinnt RB endlich den ersten großen Titel?

Meister der Oberliga Nordost Staffel Süd, Meister der Regionalliga Nordost und zweimal Sachsenpokal-Sieger – das sind die einzigen Titel, die Leipzig bisher vorzuweisen hat. Für den Briefkopf eines Champions-League-Teilnehmers ist das ein bisschen mickrig. In der vergangenen Saison war RB in der Meisterschaft wie im Pokal Zweiter. Das ist gut, der Anspruch aber ein anderer.

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Jesse Marsch tritt in Leipzig das Erbe von Julian Nagelsmann an. Beim ersten Auftritt versprüht der Amerikaner viel Optimismus.

„In der Vergangenheit hatten wir viel Erfolg gegen Gegner, die wir besiegen müssen. Nun müssen wir gegen die Top-Gegner Dortmund und Bayern ‚over the hill‘, also den nächsten großen Schritt machen“, fordert Marsch. Ähnliches gilt für die Champions League. Das Überstehen der Gruppenphase ist inzwischen Pflicht.

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