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RB Leipzig sendet mit Nkunku ein Signal an die Konkurrenz

Pokalsieger RB Leipzig musste bisher die Stars ziehen lassen. Das ist nun im Fall des Topstürmers anders und weckt die Hoffnung auf weitere Titel – vielleicht schon am Samstag.

Von Daniel Klein
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Superstar Christopher Nkunku verlängerte seinen Vertrag und will Leipzig so schnell nicht verlassen.
Superstar Christopher Nkunku verlängerte seinen Vertrag und will Leipzig so schnell nicht verlassen. © dpa/Jan Woitas

Leipzig. Es ist der inoffizielle Start in die neue Bundesliga-Saison. Für Meister Bayern München und Pokalsieger RB Leipzig ist das Supercup-Finale am Samstag jedoch mehr ein erster Fingerzeig für die neue Spielzeit. In der möchten die Rasenballer dem Liga-Krösus deutlich näher kommen als zuletzt, als eine verkorkste Hinrunde unter Ex-Trainer Jesse Marsch dies verhinderte. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem ersten Pflichtspiel von RB:

Welche Folgen hat der erste große Titel?

Auch zwei Monate nach dem Elfmeter-Krimi-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen Freiburg sind die Auswirkungen für Cheftrainer Domenico Tedesco noch spürbar. „Ich glaube, dass es bei den Spielern in der DNA etwas verändert. Da ist jetzt drin: Wir können gewinnen. Wir sind Siegertypen. Da wird die Brust schon breiter“, erklärte er. Der erste Titel im 13. Jahr nach der Vereinsgründung löste auch unter den Fans eine Euphorie aus. 32.200 Dauerkarten wurden verkauft – das ist neuer Vereinsrekord.

Mit dem Pokalsieg wurden die Ziele für die neue Saison spürbar nachjustiert. Während Tedesco ein bisschen bremst („Uns ist bewusst, dass wir Rückrundenmeister waren. Aber jede Saison ist anders und neu.“), erklärt Torhüter Peter Gulacsi forsch: „Wir wollen in der Meisterschaft mehr Punkte holen als in der vergangenen Saison, haben in der Champions League mit dem Lostopf zwei nun eine gute Ausgangsposition, um weiterzukommen. Und im DFB-Pokal wollen wir wieder nach Berlin.“

Reicht ein Neuzugang, um den Kader zu verstärken?

Das Gesicht der Mannschaft hat sich gegenüber der Vorsaison kaum verändert. Tyler Adams wurde für 23 Millionen Euro zu Leeds United verkauft. Paris Saint-Germain hat am Dienstag Rechtsverteidiger Nordi Mukiele verpflichtet. Der 24 Jahre alte Abwehrspieler erhält beim Meister der Ligue 1 einen Fünfjahresvertrag. Medien hatten zuletzt zehn Millionen Euro als mögliche Ablösesumme für den Franzosen genannt. Für Konrad Laimer hat der FC Bayern ein Angebot unterbreitet, was aber noch weit unter den von Leipzig geforderten 30 Millionen Euro liegen soll. Einen Nachfolger für den Österreicher haben die Rasenballer längst verpflichtet: Xaver Schlager kam für eine Ablösesumme von zwölf Millionen Euro vom VfL Wolfsburg. Er ist neben Ersatz-Keeper Janis Blaswich bisher der einzige Neuzugang. Beim Werben um Nationalspieler David Raum (TSG Hoffenheim) könnte RB offenbar Borussia Dortmund ausstechen.

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Ist die Vertragsverlängerung mit Nkunku ein Signal?

Ein ganz deutliches sogar. Der Franzose war mit 57 Scorerpunkten in 52 Pflichtspielen der erfolgreichste Bundesliga-Spieler der vergangenen Saison – und wurde von seinen Kollegen, einer Experten-Jury und Fans auch zur Nummer eins gewählt – vor Robert Lewandowski und Erling Haaland. Mehrere europäische Spitzenklubs wollten Nkunku verpflichten, doch der verlängerte seinen bis 2024 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2026. Angeblich erhält er keine – inzwischen fast schon unübliche – Ausstiegsklausel. Im Gegenzug soll das Jahresgehalt von drei auf sieben Millionen Euro gestiegen sein. Für Tedesco ist das auch ein Fingerzeig an die Konkurrenz. „Wir brauchen uns nicht verstecken und können einen solchen Spieler auch mal halten“, erklärte er. Das war in der Vergangenheit anders, Naby Keita ging 2018 für 60 Millionen Euro zum FC Liverpool. Vor einem Jahr verlor RB mit Ibrahima Konaté (ebenfalls Liverpool) und Dayot Upamecano (FC Bayern) das Innenverteidiger-Duo.

Warum ist die Suche nach einem Sportdirektor eine Posse?

Angekündigt war er schon mehrfach, doch präsentiert wurde der Nachfolger des zu Eintracht Frankfurt abgewanderten Markus Krösche bisher noch nicht. Seit mehr als einem Jahr hat RB keinen Sportdirektor. „Es hat sich überraschenderweise eine andere Tür geöffnet, die für uns eine extrem große Chance bedeutet“, hatte Vorstandschef Oliver Mintzlaff kürzlich die erneute Verzögerung erklärt. Kandidaten sollen Per Mertesacker und Thierry Henry sein.

Kann sich eine Mannschaft in zwei Testpartien einspielen?

Offenbar nicht, wie die 0:5-Heimpleite gegen den FC Liverpool vor einer Woche gezeigt hat. Davor gab es einen 3:1-Sieg gegen den FC Southampton – das war bereits das komplette Testspielprogramm der Leipziger in der Sommerpause. Das Liverpool-Duell lag zeitlich zudem ungünstig. Das Trainingslager in Österreich war extrem kurz. Tedesco verzichtete ganz bewusst auf weitere Partien, um mehr Zeit fürs Training zu haben. Und ein wenig ordnet er das Supercup-Finale gegen Bayern München wohl auch noch in die Vorbereitung ein. Dabei könnte RB mit einem Sieg den zweiten Titel der Vereinsgeschichte gewinnen.

TV-Tipp: Supercup-Finale, Sa., 20.30 Uhr, Sat.1 und Sky