merken
PLUS Dynamo

Das Problem mit dem Rasen im Dynamo-Stadion

Der Rasen wurde erst im Dezember getauscht, erscheint aber schon wieder in schlechtem Zustand. Der Stadion-Manager nennt Gründe und sagt, wie es besser wird.

Der Rasen im Dynamo-Stadion ist schon wieder ramponiert. Dabei wurde er erst im Dezember ausgetauscht.
Der Rasen im Dynamo-Stadion ist schon wieder ramponiert. Dabei wurde er erst im Dezember ausgetauscht. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Der Rasen schön grün? Nicht bei Dynamo. Zum Heimspiel der Dresdner gegen Saarbrücken sah der Platz im Rudolf-Harbig-Stadion alles andere als saftig aus. "Das TV-Bild hat natürlich die gelben Stellen gezeigt", sagt Ronald Tscherning. Der Stadion-Manager hat für diese aber eine Erklärung: "Hierbei handelt es sich aber um Sand, der verteilt wurde, damit der Rasen nicht so schmierig wird und mittelfristig besser wächst."

10.000 Tonnen wurden gleichmäßig verteilt, das entspricht etwa einem Liter Sand pro Quadratmeter. Dadurch werde die Durchlüftung und Wasserdurchlässigkeit des Bodens verbessert.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Das erscheint dringend notwendig, denn in einem wirklich guten Zustand ist die Spielfläche schon wieder nicht. Erst im Dezember wurde ein neuer Rollrasen verlegt, nachdem sich auch Trainer Markus Kauczinski öffentlich beschwert hatte, dass man auf dem alten keinen guten Fußball spielen kann. Die Kosten von etwa 120.000 Euro hatten sich der Verein und die Stadionprojektgesellschaft geteilt.

Seitdem hat Dynamo sieben Mal auf dem neuen Untergrund gespielt - und ihn damit offenbar schon wieder ramponiert? "Wir haben schon auf wesentlich schlechteren Plätzen gespielt als auf unserem", meinte Kauczinski auf Nachfrage am Samstag dazu - und wollte es nicht darauf schieben, dass das Kombinationsspiel beim 1:1 gegen Saarbrücken lange stockte. "Das ist für beide gleich", meinte der 51-Jährige und zeigte Verständnis: "Es ist keine gute Zeit für Rasenplätze: erst der Frost, dann der Regen. Es kommt sowieso keine Sonne rein. Ich glaube, es ist das Beste, was man im Moment haben kann."

Darauf verweist auch Tscherning. An anderen Standorten gebe es ähnliche Probleme, beispielsweise wird im Berliner Olympiastadion für den Bundesligisten Hertha BSC gerade der Rasen getauscht - nach nur drei Monaten. Durch die verkürzte Winterpause sowie die erhöhte Spielfrequenz seitdem seien die Plätze ungewöhnlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden, heißt es in der Hauptstadt zur Begründung.

Schneeschieben hat den Platz gestresst

Tscherning erklärt die Verhältnisse in Dresden vor allem mit äußeren Einflüssen. Die extremen Witterungsverhältnisse der vergangenen Wochen hätten den Platz gestresst. "Durch das Schneeschieben und die Belastung bei Frost wird der Rasen bzw. werden die einzelnen Pflanzenzellen zerstört. An den Knickstellen kann er dann gelb werden", erklärt der Stadion-Manager.

Die Belichtungseinheit (links im Bild) wirkt ein bisschen so, als sei Ufo im Stadion gelandet. Die Belichtungseinheit (links im Bild) wirkt ein bisschen so, als sei Ufo im Stadion gelandet.
Die Belichtungseinheit (links im Bild) wirkt ein bisschen so, als sei Ufo im Stadion gelandet. Die Belichtungseinheit (links im Bild) wirkt ein bisschen so, als sei Ufo im Stadion gelandet. © Robert Michael

Vor Dynamos Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (4:3) am 23. Januar hatte es erheblich geschneit, freiwillige Helfer schafften es aber, den Platz rechtzeitig zu beräumen. Der Untergrund war danach zwar rutschig, aber gut bespielbar. Lob für die Aktion gab es sogar vom Gegner. "Der Platz sah sehr schlimm aus heute Morgen mit viel Schnee. Es braucht viel Kraft, Mut und Ehrgeiz, den zu bereinigen. Vielen Dank dafür, dass wir bei so guten Bedingungen spielen konnten", erklärt Kaiserslauterns Trainer Jeff Saibene.

Nur sechs Tage später klappt das nach einem erneuten Wintereinbruch nicht mehr, das Spiel gegen die zweite Mannschaft von Bayern München musste zwei Stunden vor dem geplanten Anpfiff abgesagt werden. Grund dafür war nicht der Schnee an sich, sondern der Zustand des Rasens darunter. Er hatte die Niederschläge, die immer mehr in Regen übergegangen sind, aufgesogen wie ein Schwamm. Auch das für den 10. Februar angesetzte Nachholspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden musste aus diesem Grund abgesagt werden.

Es kommt zu wenig Sonne rein

"Es gibt keine Probleme mit der Drainage", stellt Tscherning dazu fest. "Ein Bodengutachten ist ebenfalls erstellt worden - die Ergebnisse sind in Ordnung." Vier Tage später konnte gegen Lübeck gespielt werden, allerdings ging das auf Kosten des Rasens. "Es herrschten Außentemperaturen von minus 15 Grad, unter der Grasnarbe waren es durch die Rasenheizung 18 Grad plus. Der Halm bekommt trotzdem den Frost ab", erklärt Axel Hock, Chefgreenkeeper im Stadion.

So hat die Stadionprojektgesellschaft die normale Sonneneinstrahlung im Rudolf-Harbig-Stadion dokumentiert. 16 Uhr ist die Belichtungsanlage auf der Schattenseite zu erkennen.
So hat die Stadionprojektgesellschaft die normale Sonneneinstrahlung im Rudolf-Harbig-Stadion dokumentiert. 16 Uhr ist die Belichtungsanlage auf der Schattenseite zu erkennen. © Stadionprojektgesellschaft

Und kann sich nicht erholen. Das entscheidende Problem: Selbst wenn die Sonne scheint, kommt zu wenig Licht ins Stadion. "Dadurch hat der Platz einfach bestimmte Schwachstellen." Die von der Haupttribüne aus gesehen linke Hälfte liegt quasi ständig im Schatten. Deshalb ist der Zustand auf dieser Seite schlechter, in Richtung K-Block deutlich besser. Und daher läuft außer der Rasenheizung auch die kleine "künstliche Sonne", die durch die Stadionprojektgesellschaft angeschafft wurde.

Die Belichtungseinheit MU 50 kann durch acht 1.000-Watt-Natriumhochdrucklampen auf 60 Quadratmetern das Grün durch Licht- und Wärmezufuhr zur Photosynthese und damit zum Sprießen anregen. Der Rasen hat jedoch 8.000 Quadratmeter, so dass der Einsatz auf wenige Problemstellen begrenzt bleiben muss. Eine größere Anlage zu betreiben wie beispielsweise in Leipzig oder München, wäre für die Stadionprojektgesellschaft und den Verein unbezahlbar.

Stadionbetreiber stellt klar: Es wird nicht gespart

Die Stromkosten betragen selbst mit der kleinen Anlage für die sechs Monate, in denen sie betrieben wird, zwischen 4.500 und 5.000 Euro. Es werde aber kein einziger Euro am Rasen oder dessen Pflege gespart, betont Tscherning, es sei genug Personal im Einsatz. Nach den Spielen sind sechs Leute beschäftigt, um zum Beispiel die herausgerissenen Stellen zu flicken. Dafür werden am alten Funktionsgebäude etwa 500 Quadratmeter des ausgelegten Rasens bereitgehalten. Die Propfen sind zwar dunkler und deshalb von oben zu erkennen, aber keine Stolperstellen. "Der Platz ist eben", sagt Hock.

Weiterführende Artikel

Dynamo wehrt den Angriff auf die Tabellenspitze ab

Dynamo wehrt den Angriff auf die Tabellenspitze ab

Der Spitzenreiter der 3. Liga gewinnt das Nachholspiel gegen Wehen Wiesbaden mit 1:0 und baut seinen Vorsprung sogar aus. Die Analyse mit den ersten Reaktionen.

Dynamo gewinnt das Spitzenspiel

Dynamo gewinnt das Spitzenspiel

Wenn der Druck am größten zu sein scheint, schlägt Dynamo zu. 1:0 gewinnt der Tabellenführer gegen Wiesbaden - der Liveticker zum Nachlesen.

Bei Dynamo nur Ersatzmann - und doch eine Führungskraft

Bei Dynamo nur Ersatzmann - und doch eine Führungskraft

Patrick Wiegers hat bei den Dresdnern schon lange nicht mehr im Tor gestanden. Trotzdem ist er ein Stimmungsmacher im besten Sinne - und kein Maskottchen.

Dynamos dritter Anlauf gegen Wiesbaden

Dynamos dritter Anlauf gegen Wiesbaden

Erst Corona, dann der Wintereinbruch: Schon zweimal musste das Spiel abgesagt werden. Wie der Trainer die Mannschaft diesmal vorbereitet.

Am Mittwoch, 19 Uhr, bestreitet Dynamo nun das Nachholspiel gegen Wiesbaden und beendet damit offiziell die Hinrunde. Danach hat der Platz zweieinhalb Wochen bis zum Ost-Duell und Aufstiegsgipfel gegen Hansa Rostock am Ostersonntag eine Erholungspause. Dazwischen werde der Platz wieder gesät und gedüngt. In einer Saison werden insgesamt 1.000 Kilogramm Saatgut aufgebracht. "Die wärmeren Temperaturen sind natürlich förderlich", sagt der Manager. "Wir sehnen das Frühjahr herbei, denn dann wird der Platz auch wieder viel besser aussehen und sehr gut bespielbar sein."

Alles Wichtige und Wissenswerte rund um Dynamo - kompakt jeden Donnerstagabend im Newsletter SCHWARZ-GELB, und immer mit Gewinnspiel. Jetzt hier kostenlos anmelden.

Mehr zum Thema Dynamo