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Dynamos Stefaniak: „Ich mache sicher keinen Stunk“

Mit großen Hoffnungen ist der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler nach Dresden zurückgekehrt, spielt derzeit aber kaum. Wie er trotzdem im Kopf klar bleiben will.

Marvin Stefaniak versucht, sich im Training wieder für mehr Spielzeit bei Dynamo anzubieten.
Marvin Stefaniak versucht, sich im Training wieder für mehr Spielzeit bei Dynamo anzubieten. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Der Torwart hat keinen guten Tag, patzt bei einem Gegentor mächtig. Aber ausgerechnet in dieser einen Szene reagiert er spektakulär – und hält den Kopfball von Marvin Stefaniak. Am Spielausgang ändert das wenig, es wäre das 5:0 gewesen für Dynamo Dresden in Meppen, aber ihm hätte ein solches Erfolgserlebnis gutgetan. Seit Ende Januar stand der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler nicht mehr in der Dresdner Startelf, wurde lediglich dreimal eingewechselt. Die Höchststrafe: Als er im Spitzenspiel gegen Ingolstadt gerade auf den Rasen läuft, pfeift der Schiedsrichter ab.

Markus Kauczinski hat sich dafür bei Stefaniak entschuldigt: persönlich, vor der Mannschaft und öffentlich. „Es tut mir leid, das nehme ich auf meine Kappe“, sagte der Trainer – und erklärte: „ Ich wollte es nicht so, wie es aussah, sondern ihm ein paar Minuten geben und zeigen, dass ich ihn vor anderen bringe, dass er nah dran ist, dass er es verdient hat.“ Damit ist alles gesagt, findet auch Stefaniak. „Wie der Trainer darauf reagiert hat, war sehr menschlich.“

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Das Wort „Wut“ fällt trotzdem, es bezieht sich darauf, wie er sich abreagiert, wenn er kurz oder gar nicht zum Einsatz gekommen ist. „Ich brauche einen gewissen Abstand, fahre nicht gleich nach Hause, sondern ins Trainingszentrum.“ Im Kraftraum oder mit Schussübungen auf dem Platz kämpft er gegen die Enttäuschung. „Natürlich bin ich dann angefressen“, gibt Stefaniak zu, aber: „Wenn ich genug gearbeitet habe, gehe ich trotzdem mit einem Lächeln nach Hause, weil ich weiß, dass meine zwei Töchter und meine Frau gesund sind und auf mich warten. Es gibt nichts Schöneres, solange das so ist, lass ich mich von nichts aus der Ruhe bringen.“

Von den Mitspielern gesucht, vom Trainer gelobt

Als Stefaniak vor fünf Monaten zu Dynamo zurückkehrte, waren seine Hoffnungen genauso groß wie die Erwartungen mancher Fans. Nach drei Jahren, in denen er weder beim VfL Wolfsburg, bei dem sein Vertrag bis Juni 2022 gilt, noch bei Greuther Fürth und in Nürnberg fußballerisch angekommen ist, setzte er auf das Heimatgefühl für den Neustart. Es ging auch gut los, er spielte regelmäßig und mindestens solide, wurde von den Mitspielern auf dem Platz gesucht und vom Trainer gelobt.

Nach der Winterpause stand Marvin Stefaniak (l.) noch in Dynamos Startelf wie beim turbulenten 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern mit Adam Hlousek (M). Doch seit dem 0:1 in Mannheim eine Woche später ist er nur noch zweite Wahl.
Nach der Winterpause stand Marvin Stefaniak (l.) noch in Dynamos Startelf wie beim turbulenten 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern mit Adam Hlousek (M). Doch seit dem 0:1 in Mannheim eine Woche später ist er nur noch zweite Wahl. © dpa/Robert Michael

„Als ich nach Dresden kam, habe ich der Mannschaft geholfen“, sagt er – und fügt hinzu: „Jetzt muss ich auf meine nächste Chance warten und versuche, trotzdem klar in der Rübe zu bleiben.“ Dabei hatten nicht wenige erwartet, dass Stefaniak die zentrale Rolle spielen wird, nachdem Patrick Weihrauch zu Jahresbeginn am Sprunggelenk operiert werden musste und für den Rest dieser Saison ausfällt. Doch Dynamo reagierte und holte mit Heinz Mörschel den Offensivspieler vom KFC Uerdingen, der schon im Sommer die Alternative zu Weihrauch gewesen ist.

Nach dem 0:1 in Mannheim ändert Kauczinski seine Startelf, Mörschel ist drin und erzielt das Siegtor in Magdeburg. Seitdem hat Dynamos erster Dominikaner den Stammplatz und „macht das derzeit sehr gut, das gönne ich dem Jungen“, meint Stefaniak: „Ich mache sicher keinen unnötigen Stunk.“ Im Konkurrenzkampf wird er jedoch keinesfalls klein beigeben. „Wenn Heinz schwächeln sollte, bin ich bereit.“

Mörschel trumpfte zuletzt auf, traf beim 4:0 in Meppen doppelt: Mit einem direkt verwandelten Freistoß – was auch eine Stärke von Stefaniak sein sollte – und einem Fernschuss, bei dem Torwart Erik Domaschke der Ball über die Hände flutschte. Der wäre definitiv leichter abzuwehren gewesen als der Kopfball von Stefaniak. „Den hält er Weltklasse. Das ist bitter für mich“, sagt der Pechvogel, der in der 76. Minute aus seinem Wartestand geholt wird.

"Du musst vom Kopf her trotzdem bereit sein"

Wieder erhält er Zuspruch. „Viele haben zu mir gesagt: Komm, Marv! Du machst noch einen wichtigen, Kopf hoch, weitermachen.“ Den Stammplatz hätte er wegen eines Treffers sicher nicht gleich zurückbekommen, aber es wäre eine zusätzlich Bestätigung für das Gefühl gewesen, das ihn antreibt. „Ich bin an der Mannschaft dran, arbeite sehr hart und mache alles dafür, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen“, sagt Stefaniak.

Das ist die Einstellung, die Kauczinski erwartet, auch wenn Mörschel für ihn derzeit erste Wahl ist. „Heinz hat natürlich getroffen, aber auch sonst ein gutes Spiel gemacht. Das hat er in den letzten Wochen genauso getan, deswegen spielt er“, sagte der Trainer nach dem Sieg in Meppen. Die Konstellation wird sich für das Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am Samstag also kaum ändern, dessen ist sich Stefaniak bewusst. „Ich versuche, während der Woche mein Bestes zu geben, um mich für die Startelf anzubieten“, sagt er. „Man bekommt natürlich in den Trainingseinheiten mit, ob man rein rotiert. Aber auch wenn nicht: Du musst vom Kopf her trotzdem bereit sein, und das bin ich.“

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Am liebsten würde er bleiben – bei Dynamo und in Dresden. „Ich habe langsam keine Lust mehr darauf, als Spieler ausgeliehen zu sein“, sagt er. „Es fühlt sich ein bisschen so an wie: Ich bin dabei, gehöre aber nicht richtig dazu.“ Deshalb wäre er bereit, diesen Status nach der Saison zu ändern. „Ich will mit meiner Leistung beweisen, warum ich hierher gehöre und dass man sich auf mich verlassen kann.“ Der Kopfball in Meppen war so ein Signal, deshalb hadert er nicht mehr mit der Parade. „Ich bin froh, dass ich mal wieder länger spielen durfte und in die Situation gekommen bin, mir eine Torchance zu erarbeiten“, sieht es Stefaniak positiv.

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