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Fußball: Manipulationsversuch auch in Chemnitz

Spieler von vier Vereinen der Regionalliga Nordost erhielten dubiose Nachrichten und haben das gemeldet. Was das bedeutet und wie der Verband reagiert.

Auch Spieler des Chemnitzer FC erhielten in sozialen Netzwerken unsportliche Angebote.
Auch Spieler des Chemnitzer FC erhielten in sozialen Netzwerken unsportliche Angebote. © dpa/Thomas Eisenhuth

Chemnitz/Berlin. Die Nachrichten seien in einem fehlerhaften Deutsch verfasst, aber der Inhalt klar. Über Instagram und andere Netzwerke versuchten bislang nicht identifizierte Nutzer offenbar, Spiele in der Fußball-Regionalliga Nordost zu manipulieren. Zuerst hatte der FC Energie Cottbus das öffentlich gemacht. Inzwischen ist klar, es war nicht der einzige Verein, der möglicherweise in einen neuen Wettskandal gezogen werden sollte.

Über solche zwielichtigen Kontaktaufnahmen informierte auch der FC Carl Zeiss Jena, zudem bestätigte der FC Eilenburg entsprechende Medienberichte. Dort hatte ein Spieler die dubiose Nachricht über Instagram erhalten und dem Verein gemeldet.

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Auch Nachfrage von Sächsische.de gab als vierter Klub der Regionalliga der Chemnitzer FC bekannt, dass es "ähnliche spamartige Versuche der Kontaktaufnahme über die privaten Instagram-Kanäle einiger unserer Spieler" gegeben hat. Dies sei in englischer Sprache erfolgt. Die Spieler hätten unverzüglich die Vereinsführung in Kenntnis gesetzt, der Verein habe dem Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) "den klaren Verdacht auf versuchte Spielmanipulation umgehend mitgeteilt".

Beim 1. FC Lok Leipzig wurden solche Versuche dagegen nicht bekannt, wie Pressesprecher Alexander Voigt erklärt. "Die Spieler wurden vor der Saison informiert, es sofort zu melden, wenn sie Anfragen erhalten, die ihnen komisch vorkommen."

100.000 Euro in der Krypto-Währung

Wie die Lausitzer Rundschau berichtete, waren bei Energie Cottbus vier Spieler angeschrieben worden. Dem jeweiligen Empfänger der Nachrichten sei mitgeteilt worden, dass man wisse, er ist ein Spieler. Dabei soll es um die Partie der Lausitzer im brandenburgischen Landespokal gegen den Ludwigsfelder FC am vorigen Wochenende gegangen sein, das Cottbus mit 2:0 gewann. Es wurde die Frage gestellt, ob er daran glaube, Spiele manipulieren zu können. Als Gegenleistung "für einen entsprechenden Verlauf" sollen 100.000 Euro in der Kryptowährung Bitcoins geboten worden sein. "Die Zahlen, die im Raum standen, waren sehr, sehr hoch", erklärte dazu Energie-Präsident Sebastian Lemke.

Holger Fuchs, Geschäftsführer des NOFV, bestätigt, die Meldungen durch insgesamt vier Vereine aus der Regionalliga Nordost über solche Kontaktversuche mit dem gleichen Text, um Spieler zu Manipulationsversuchen aufzurufen. "Wir haben die notwendigen Maßnahmen eingeleitet", erklärt Fuchs. Der Deutsche Fußball-Bund und die staatlichen Ermittlungsbehörden seien informiert.

"Versuche von Wettmanipulationen sind immer eine Gefahr, weil dadurch auf den Wettbewerb Einfluss genommen werden soll", erklärt Fuchs - in den vorliegenden Fällen meldet er jedoch Zweifel an: "Ob es sich hierbei darum handelt, ist sehr fraglich. Es kann auch den Charakter von Fake-News haben." Dennoch gehe man den Meldungen mit dem nötigen Ernst nach. "Ob ein Wahrheitsgehalt dahintersteckt werden die Ermittlungen in den nächsten Wochen zeigen", meint der NOFV-Geschäftsführer, der in Betracht zieht, dass die unsportlichen Angebote nicht ernst gemeint waren: "Das hoffe ich zumindest."

Chemnitz beginnt bei Junioren mit der Aufklärung

Auch Voigt geht nicht davon aus, dass tatsächlich ein neuer Wettskandal droht. "Das wäre wirklich schlimm. Man muss es ernst nehmen, aber die Jungs sind sensibilisiert. Wenn es solche Anbahnungsversuche gegeben hätte, würden sie uns das mitteilen", meint der Lok-Pressesprecher.

In jedem Fall sind die Vereine alarmiert. In den Verträgen der Spieler ist ein Wettverbot verankert, das auch für alle anderen Beschäftigten sowie deren Familienangehörigen gilt. Laut Fuchs haben sie sofort mit den betroffenen, aber auch anderen Spielern noch einmal eindringlich darüber gesprochen, wie sie sich in solchen Fällen zu verhalten haben.

Beim FC Eilenburg übernahm das Präsident Steffen Tänzer, der in einer Mannschaftsbesprechung am vorigen Donnerstag noch mal informiert und belehrt habe, wie es vom Verein heißt. In Jena betrifft das auch die Frauen, die in der Bundesliga spielen. "Manipulationen, egal, welcher Art, sind kriminell und widersprechen in höchstem Maße den Grundfesten des Sports und den Werten des Klubs und seiner Anhänger", erklärte der Verein dazu.

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Beim Chemnitzer FC beginne die Aufklärungsarbeit bereits im Jugendbereich, betont Pressesprecher Steffen Wunderlich. Dazu würden die Nachwuchsspieler in verschiedenen Themenschwerpunkten durch externe Referenten geschult. Zu den Themen zählen auch Wettmanipulation und Spielsucht, Doping, Anti-Diskriminierung sowie der Umgang mit sozialen Medien. Eine solche Schulung zu Wettmanipulation sowie der Anti-Diskriminierung habe es zuletzt am 25. August für die U16-Mannschaft gegeben, die von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) mit dem ehemaligen Fußballprofi Markus Lützler durchgeführt wurde.

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