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Sport

Corona legt Handball-Bundesliga lahm

„Jetzt haben wir den Salat“, sagt der deutsche Handball-Chef. Inzwischen gibt es einen zweiten positiven Fall nach den beiden Länderspielen zuletzt.

Am vergangenen Donnerstag spielte Marian Michalczik (in weiß) für Deutschland gegen Bosnien-Herzegowina. Nun wurde der Berliner positiv auf das Corona-Virus getestet.
Am vergangenen Donnerstag spielte Marian Michalczik (in weiß) für Deutschland gegen Bosnien-Herzegowina. Nun wurde der Berliner positiv auf das Corona-Virus getestet. © dpa/Bernd Thissen

Flensburg.  Silvio Heinevetter nahm den ganzen neuen Corona-Ärger mit Humor. „Wollen wir einfach mal nach Flensburg und direkt wieder zurück fahren?“, fragte der Nationaltorhüter bei Instagram, postete dazu ein Bild seines DHB-Kollegen Finn Lemke mit Daumen hoch und kletterte anschließend mit seinem Team in den Mannschaftsbus.

Ihrer Arbeit hatten Heinevetter und Co. nicht nachgehen können. Denn statt in die Halle zum Spitzenspiel bei der SG Flensburg-Handewitt ging es für die Handballer der MT Melsungen am Mittwochmorgen unverrichteter Dinge auf den 500 Kilometer langen Heimweg.

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Mit der kurzfristigen Absage des Liga-Gipfels nur acht Stunden vor dem geplanten Anpfiff und zweier weiterer Partien am Donnerstag hat die Coronakrise den Handball nun auch sportlich voll erwischt. Und Auslöser ist ausgerechnet die deutsche Nationalmannschaft, die am Mittwoch nach Torhüter Johannes Bitter (TVB Stuttgart) den zweiten Coronafall meldete: Marian Michalczik (Füchse Berlin). „Jetzt hat sich im Endeffekt das bestätigt, wovor wir alle gewarnt haben“, sagte DHB-Kreisläufer Hendrik Pekeler, dessen für Donnerstag vorgesehenes Spiel mit dem THW Kiel gegen Berlin ebenfalls gestrichen wurde. Er erwarte auch noch weitere Absagen in dieser schwierigen Situation.

Arbeitsgruppe befasst sich mit Saisonverkürzung

Wie Pekeler hält auch Melsungens Geschäftsführer Axel Geerken die Spielverlegungen für die „richtige Entscheidung“ mit Blick auf ein mögliches Infektionsrisiko. Er konstatiert auch: „Die Lehrgangswoche der Nationalmannschaft kann dazu führen, dass die gesamte Liga lahmgelegt wird.“

Neben den Spielen in Flensburg und Kiel wurde auch die am Donnerstag geplante Partie von Hannover-Burgdorf gegen Göppingen wegen des Kontakts von Bitter zu Göppinger Spielern vorsorglich verlegt. Dem Handball, so viel steht fest, droht mit Blick auf den engen Spielplan ein gehöriges Terminchaos. 

„Jetzt haben wir den Salat“, sagte Ligachef Frank Bohmann. Für die betroffenen Spiele werde man eine Verschiebung hinbekommen. „So richtig viel Raum haben wir aber nicht“, betonte er und verwies auf die vielen Wettbewerbe mit Liga, Europapokal, EM-Qualifikation und WM: „Das zeigt die vielen Marionettenschnüre. Es wird irgendwann ein Hauen und Stechen geben.“

Der Handball-Bundesligachef Frank Bohmann ist besorgt: „So richtig viel Raum haben wir aber nicht.“
Der Handball-Bundesligachef Frank Bohmann ist besorgt: „So richtig viel Raum haben wir aber nicht.“ © dpa/Marius Becker

Bohmann, der dem DHB wie Geerken keinerlei Vorwürfe macht, ahnt: Angesichts möglicher weiterer Coronafälle und der von Gesundheitsämtern örtlich verhängten Quarantäne-Maßnahmen könnten die Verlegungen nur der Anfang sein. Mit dem denkbaren Fall einer notwendigen Saison-Verkürzung ist im Ligaverband längst eine Arbeitsgruppe befasst. Doch auch um die Austragung der Mega-WM im Januar mit 32 Teams wird es nicht allein aus epidemiologischer Sicht neue Diskussionen geben.

„Es ist richtig, dass wir uns über Alternativen Gedanken machen müssen, aber es gibt keinen Grund zur Hektik“, sagte Bob Hanning. Als DHB-Vizepräsident und Geschäftsführer der Füchse Berlin kennt er beide Seiten. „Wir können das Programm nach aktuellem Stand noch durchziehen“, ist Hanning überzeugt. Die WM stehe jedenfalls „nicht im geringsten“ zur Diskussion: „Es geht schließlich auch ums Überleben unserer Sportart.“ (sid)

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