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Was der Handball-Boss nach dem Derby-Ausfall sagt

Der Präsident und Mäzen des Dresdner Zweitligisten HC Elbflorenz spricht über die finanziellen Auswirkungen der Spielabsage und mögliche Szenarien.

Wie verrückt nach Handball ist Uwe Saegeling derzeit, und wie viele Zuschauer dürfen in die Ballsportarena Dresden? Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten.
Wie verrückt nach Handball ist Uwe Saegeling derzeit, und wie viele Zuschauer dürfen in die Ballsportarena Dresden? Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten. © Lutz Hentschel

Dresden. Dieser Ausnahmefall wird zur Normalität, zum Corona-Alltag auch für den HC Elbflorenz. Die Dresdner Handballer sollten am Mittwoch das Sachsen-Derby in der 2. Bundesliga gegen den EHV Aue bestreiten, aber die Partie wurde wegen eines Covid-19-Falls beim Gegner kurzfristig abgesagt. Über die wirtschaftlichen Folgen und mögliche Szenarien spricht Vereinsboss und Hauptsponsor Uwe Saegeling.

Herr Saegeling, wie einschneidend war am Mittwoch die kurzfristige Absage des Sachsen-Derbys für Ihren Verein?

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Zuerst einmal geht es darum, die Gesundheit zu schützen. Deswegen muss man das akzeptieren. Aber natürlich ist es traurig und schwierig. Es haben sich alle wahnsinnig auf das erste Heimspiel gefreut, die Spieler, die Zuschauer, die Mitarbeiter der Ballsportarena. Für sie alle tut mir das auch total leid. Aber noch mal: Die Gesundheit steht im Vordergrund.

Stand heute können Sie bei der Neuansetzung des sächsischen Duells maximal nur 500 statt der bislang genehmigten 956 Zuschauer reinlassen. Wie wirkt sich das finanziell aus?

Weniger verkaufte Karten sind weniger Einnahmen. Und, da müssen wir uns nichts vormachen, auch 956 verkaufte Tickets sind für uns nicht kostendeckend. Wenn nur 500 Besucher zugelassen wären, wäre es auch schade. Dann sind die Einbußen noch größer, klar.

Das Derby galt als ausverkauft – wie entscheiden Sie, welche 500 Zuschauer bei der Neuansetzung in die Arena dürfen?

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht – ob es eventuell ein Losverfahren gibt oder wie wir das darstellen können. Alle Tickets behalten erst mal ihre Gültigkeit. Das Nachholspiel ist für den 2. Dezember ab 19.30 Uhr geplant. All jene, die dann trotz Karte nicht reindürfen, haben einen Rückerstattungsanspruch.

Im Oktober haben Sie nun mangels Heimspielen kaum Einnahmen durch Ticketing. Wie sehr trifft das den HC Elbflorenz?

Das ist immer problematisch. Die Ticketingeinnahmen sind ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Gesamtbudgets (geschätzte 1,5 Millionen Euro/Anm. d. Red.). Auf der anderen Seite haben wir dadurch auch weniger Ausgaben. Die Durchführung von Heimspielen kostet ja auch Geld.

Die öffentlichen Fördertöpfe, die Bund und Länder für den Sport als Hilfsprogramm in der Corona-Krise zur Verfügung gestellt haben, sind vorerst bis Dezember befristet. Erwarten Sie weiterreichende Entscheidungen zur Unterstützung von der Politik?

Das wäre Kaffeesatzleserei. Das wünschen wir uns alle, aber ich kann dazu keine Prognose abgeben.

Aber Hoffnungen formulieren.

Wie gesagt, wir wünschen uns alle, dass der Sport als das wahrgenommen wird, was er ist, und wie er es verdient: als gesellschaftlich wichtiger Teil, als positiver Botschafter für ganze Regionen und – bei unserem Klub speziell – der extrem im Nachwuchs aktiv ist und damit Kindern und Jugendlichen auch Werte vermittelt.

Bisher haben Sie das knapp 200.000 Euro hohe Darlehen vom Land Sachsen bei der Sächsischen Aufbau-Bank zwar beantragt, aber noch nicht abgeschöpft. Müssen Sie das jetzt tun?

Das sind schwierige Prozesse, die im Hintergrund laufen. Wir sind mit allen Seiten im Gespräch, haben aber dafür bei uns keine geänderte Lage. Wir müssen auch von Tag zu Tag schauen.

Viel deutet schon am Anfang der Saison auf ein Terminchaos hin. Glauben Sie dennoch, dass es eine vollständige Saison geben wird?

Wir wollen das unter allen Umständen schaffen. Darin sind wir uns in der 2. Handball-Bundesliga einig, dass wir das irgendwie hinkriegen, wenn es denn geht. Aber das wird schwer, und es wird mit jeder Absage schwieriger. Am Mittwoch sind vier Spiele ausgefallen. Das ist bitter.

Einige Klubs haben bereits vier Spiele absolviert, Dresden wie einige andere Vereine erst zwei. Führt das zwangsläufig zu einer Wettbewerbsverzerrung?

Das sehe ich nicht unbedingt. Mit der Situation haben alle zu kämpfen. Der eine Spieltag, an dem wir spielfrei hatten, war so geplant. Das hat jedes Team mal bei einer ungeraden Anzahl an Mannschaften.

Die Zweitligisten haben sich zeitig und deutlich gegen Geisterspiele ausgesprochen. Muss man das überdenken?

Es ist wirtschaftlich nur extrem schwer darstellbar. Darin sind sich alle einig. Man muss es aber so nehmen, wie es kommt. Die Gesundheitsämter werden uns sicher sagen, was wir zu tun haben.

Die Absagen zeigen: Die verpflichtenden Corona-Tests vor jedem Spieltag greifen. Ist das Fluch und Segen?

Es ist einerseits sowohl wirtschaftlich als auch logistisch ein Riesenaufwand für die Vereine, aber man sieht andererseits, wie nötig sie sind. Ich halte das Konzept für sehr sinnvoll, und wir setzen das als Verein auch sehr konsequent um.

Was bedeutet die Corona-Zeit für Sie als Betreiber der Ballsportarena?

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Uns geht es nicht anders als anderen Eventorganisatoren und Gastronomen. Die Situation ist schwierig. Auf der einen Seite haben wir vollen Trainingsbetrieb und hoffen auf die eine oder andere Veranstaltung. Am Samstag gibt es – Stand jetzt – ein Konzert des Landesjugendorchesters. Wir hoffen, dass das vor knapp 500 Zuschauern stattfinden kann. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen.

Es wird aber ein Jahr mit dicken roten Zahlen?

Das weiß ich jetzt noch nicht, es ist aber zu vermuten, ja.

Das Interview führte Alexander Hiller.

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