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Dieser Familienvater ist auch Handballprofi

Mario Huhnstock muss als Kapitän des HC Elbflorenz, Mann und zweifacher Papa gleich mehrere Corona-Sicherheits-Blasen managen. Abstand halten fällt da schwer.

Mario Huhnstock mit seiner Frau Franziska und der dreijährigen Tochter Ida.
Mario Huhnstock mit seiner Frau Franziska und der dreijährigen Tochter Ida. © privat

Dresden. Als etwas Besonderes fühlt sich Mario Huhnstock nicht. Doch da irrt er. Der Torwart und Kapitän des Handball-Zweitligisten HC Elbflorenz Dresden, der am Sonntag den TV Emsdetten um 17 Uhr in der Ballsportarena empfängt, gehört zu den Ausnahmen im deutschen Sport. Als Profi darf er mit seiner Mannschaft trotz des anhaltenden Lockdowns weiterspielen. Als Familienvater hat der 34-Jährige dabei täglich neue Herausforderungen zu bewältigen. Huhnstock muss, wenn man so will, gleich drei dieser Corona-Sicherheits-Blasen managen, von denen jetzt immer die Rede ist.

Da ist diejenige rund um seine Mannschaft, die in der Schule seiner neunjährigen Tochter Martha und die seiner dreijährigen Tochter Ida in der Kita. Huhnstocks Frau Franziska geht derzeit als Steuergehilfin in einem Steuerbüro zudem jedem Direktkontakt aus dem Weg. Lebt Mario Huhnstock also ein Leben im Ausnahmezustand? Nein. „Zu Hause“, betont er, „ist der Umgang mit den Kindern ganz normal.“

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Es wird gekuschelt, manchmal gemeinsam im großen Ehebett geschlafen, und auch das abendliche Nachtruhe-Ritual läuft ganz normal. „Die Große liest mal laut eine Geschichte vor, das finde ich wichtig“, erklärt Huhnstock. Für Martha geht es gerade darum, ob sie im nächsten Schuljahr aufs Gymnasium geht oder in die Oberschule. „Wir lesen auch hin und wieder etwas vor. Und der Gute-Nacht-Kuss muss auch sein“, sagt Papa Huhnstock, schränkt diese Aussage aber gleich wieder ein: „So lange in der Schule nichts vorliegt – oder eben bei uns.“

Er selbst wird regelmäßig zweimal pro Woche getestet. Das schreiben die Ligaregularien vor. In Marthas Klasse aber ist der Vater eines Mitschülers mal positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Der Junge wurde daraufhin in Quarantäne geschickt. „Ich bin da etwas vorsichtiger“, sagt Huhnstock. Er besprach sich mit dem Hygienebeauftragten seines Vereins. Die Lösung: „Wir haben Martha getestet, und ich habe mich während dieser Phase etwas von der Mannschaft ferngehalten“, erklärt der Torwart, der beispielsweise bereits umgezogen zum Training erschien.

Auf prinzipielle Einschränkungen im Privatleben und vor allem im Zusammenleben mit seiner Frau und den Kindern will sich Huhnstock nicht einlassen. „Dafür ist mir die Familie zu heilig. Dreijährige Kinder könnten ja auch nicht verstehen, wenn die Eltern plötzlich Distanz aufbauen. Das möchte ich keinem Kind antun“, sagt er.

Und Mario Huhnstock mit seiner Frau Franziska und der neunjährigen Tochter Martha.
Und Mario Huhnstock mit seiner Frau Franziska und der neunjährigen Tochter Martha. © privat

Er selbst schränkt sich aber schon ein. Die fünf, sechs Minuten bis zur Schule oder Kita legen die Huhnstocks nur noch per Fahrrad oder zu Fuß zurück. „Wir nutzen gar keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Die meiden wir komplett. Ich persönlich fühle mich da nicht wohl“, meint Huhnstock und verdeutlicht: „Das sind mir im Verhältnis zu anderen Maßnahmen zu viele Menschen auf zu engem Raum.“ Auch den Wocheneinkauf erledigt der Handballer meist selbst – und allein. „Wir sind generell schon selten als Familie einkaufen gegangen“, sagt der Keeper, der selbst gern kocht und sich in der Küche ausprobiert.

Eigentlich wollte er beim HC Elbflorenz auch im Sommer als verantwortlicher Trainer eine Jugendmannschaft übernehmen und dafür den Trainerschein machen. Beide Vorhaben sind aufgeschoben. „Um die Blase unserer Mannschaft nicht zu gefährden. Ich hatte mich sehr darauf gefreut und viel Zeit und Planung investiert. Hoffentlich wirft uns das nur ein Jahr zurück“, sagt Huhnstock.

Die Aufregung von Eltern, die gesundheitliche Schäden ihrer Kinder durch das längere Tragen eines Mund-Nase-Schutzes befürchten, kann er nicht nachvollziehen. „Unsere Kleine will jetzt unbedingt auch eine Paw-Patrol-Maske haben“, erzählt er und meint die TV-Serie mit hilfsbereiten Hunden. „Kinder sind da deutlich flexibler als Erwachsene. Meine persönliche Erfahrung ist so, dass es für die Kinder fast keine Rolle spielt“, sagt er.

Nur die Minimierung der sozialen Kontakte fällt schwer, allen voran den Kindern. „Beide hatten jetzt im Oktober Geburtstag“, erzählt Huhnstock, holt tief Luft und stellt fest: „Ein ganz schlechtes Thema. Wir haben versucht, etwas zu planen.“ Es blieb beim Versuch – und die kleine Familie in ganz engem Kreis zusammen. Mehr ging eben nicht. „Wir werden das irgendwie nachholen.“ Dass seine ältere Tochter genervt davon ist, derzeit nur einen Freund treffen zu können, erzählt er ungefragt und meint schmunzelnd: „Ich finde das auch doof, aber das ist auch etwas, worauf wir achten. Aber das schneidet schon ein.“ Und die Wochenenden gibt ohnehin der Spielplan des Papas vor. Zeit für Ausflüge in die Sächsische Schweiz oder die Dresdner Heide bleibt dennoch.

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In seinem Beruf würde Huhnstock aber noch mehr Einschnitte hinnehmen, wenn es sein muss. „Wir beschäftigen uns mehr mit Problemen als mit Lösungen“, sagt er und nennt ein Beispiel: „Mich würde interessieren, wie viele Profis schon Antikörper gebildet haben?“ Das könnte langfristig sogar Testkosten sparen. Notfalls würde er mit Maske spielen, wenn denn alle dasselbe Modell hätten. „Es gibt verschiedene Trainingsmasken, die aber von medizinischer Seite noch keine Zulassung haben“, sagt er. „Wenn man lösungsorientiert ist und den Handball am Leben erhalten will, sollte das kein Tabu sein“, findet Huhnstock. Nur eines steht außerhalb jeder Diskussion: „Den Spielbetrieb einzustellen, dafür liebe ich den Handballsport zu sehr.“

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