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Handballer bei WM so schlecht wie nie

Nach einem 23:23 gegen Polen kehrt die DHB-Auswahl als Zwölfter vom Turnier in Ägypten zurück. Nun wachsen die Sorgen vor der Olympia-Qualifikation.

Uwe Gensheimer versucht sich im Torabschluss gegen den besten Mann des Spiels, Polens Schlussmann Adam Morawski.
Uwe Gensheimer versucht sich im Torabschluss gegen den besten Mann des Spiels, Polens Schlussmann Adam Morawski. © dpa/Sascha Klahn

Von Eric Dobias und Christoph Stukenbrock

Kairo. Mit versteinerter Miene saß Bundestrainer Alfred Gislason minutenlang auf seinem Stuhl und suchte nach ersten Erklärungen für die historische WM-Pleite der deutschen Handballer. Nach einem ernüchternden 23:23 (11:12) gegen Polen kehrt die DHB-Auswahl als WM-Zwölfter mit der schlechtesten Platzierung in der Verbandsgeschichte von den Titelkämpfen in Ägypten zurück.

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Bei der enttäuschenden Abschiedsvorstellung am Montag in Kairo waren Philipp Weber und David Schmidt mit jeweils vier Toren beste Werfer für das Gislason-Team. Das bisher schwächste Abschneiden einer DHB-Auswahl gab es vor zehn Jahren mit Rang elf in Schweden.

„Wir sind extrem schlecht mit unseren Chancen umgegangen und haben den Torwart warm geschossen. Zudem machen wir zu viele technische Fehler“, kritisierte Gislason. „Der polnische Torhüter ist nicht zu Unrecht zum Spieler des Spiels gekürt worden. Wir hatten nicht ganz die Ruhe wie zuletzt“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer in der ARD.

Das Turnierziel Viertelfinale hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bereits am Samstag vorzeitig verfehlt. Die Niederlagen gegen Ungarn (28:29) und Spanien (28:32) waren zu viel. Im erschreckend fehlerhaften Spiel gegen Polen, dem inoffiziellen Kader-Schaulaufen für die Olympia-Qualifikation im Frühjahr, war wieder einmal die deutsche Chancenverwertung mangelhaft.

Erlebte ein Auf und Ab der Gefühle: der deutsche Torwart Andreas Wolff. Erst genervt von vielen Gegentoren...
Erlebte ein Auf und Ab der Gefühle: der deutsche Torwart Andreas Wolff. Erst genervt von vielen Gegentoren... © dpa/Sascha Klahn

Das DHB-Team richtet seinen Fokus nun auf die Olympischen Spiele im kommenden Sommer. In Tokio peilt der DHB trotz des unter dem Strich ernüchternden Auftritts beim umstrittenen Mega-Turnier am Nil weiterhin die Goldmedaille an. Das Ticket für die Spiele muss sich Deutschland bei einem Olympia-Qualifikationsturnier im März allerdings erst noch sichern.

Das dürfte gegen Slowenien, Schweden und Algerien alles andere als ein Selbstläufer werden. „Die Olympiatickets werden weder verlost noch verschenkt“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning der FAZ – und bis zur Qualifikation bestreitet die DHB-Auswahl kein Spiel mehr. Gislason betrachtete die Partie am Montagabend gegen die Polen, die ebenfalls keine Chance mehr auf den Einzug in die K.o.-Runde hatten, deshalb als einen Test unter Wettkampfbedingungen. Nichtsdestotrotz hatte ein Sieg die höchste Priorität.

Die deutsche Deckung vor Rückkehrer Andreas Wolff im Tor fand noch recht ordentlich ins Spiel. Im Angriff haperte es jedoch deutlich. Polens Schlussmann Adam Morawski erwischte einen starken Tag, Gegenstoß-Tore des zuletzt in der Kritik stehenden Kapitäns Uwe Gensheimer sorgten dafür, dass der Rückstand nicht zu groß wurde – in der ersten Hälfte wuchs er zwischenzeitlich auf drei Tore an.

... fand der Keeper - hier pariert er einen Wurf von Arkadiusz Moryto - langsam ins Spiel ....
... fand der Keeper - hier pariert er einen Wurf von Arkadiusz Moryto - langsam ins Spiel .... © dpa/Sascha Klahn

„Das war sicherlich die unsicherste und schwächste Halbzeit im Turnier“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer zur Pause kritisch. Allerdings tauschte Gislason auch fleißig Personal. So durfte sich David Schmidt im Rückraum ebenso beweisen wie Youngster Juri Knorr auf der Spielmacherposition.

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„Verdammt nochmal, wir haben in ein paar Minuten vier technische Fehler gemacht – und einer dümmer als der andere“, motzte Gislason in der Auszeit, als sein schludriges Team kurz nach Wiederbeginn erstmals mit vier Toren zurücklag (37.). Deutschland pirschte sich heran, agierte im eigenen Abschluss aber weiterhin viel zu naiv. In der Schussphase rettete Keeper Wolff mit einer Parade zumindest noch das Unentschieden.

Während das deutsche Team a nach Hause reist, geht am Mittwoch die WM weiter. Im Viertelfinale trifft Titelverteidiger Dänemark auf Gastgeber Ägypten, Schweden auf Katar, Norwegen auf Spanien und Frankreich auf Ungarn. (dpa, sid)

... und sicherte am Ende wenigstens das Unentschieden.
... und sicherte am Ende wenigstens das Unentschieden. © dpa/Sascha Klahn

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