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Sport

Ein Leipziger macht das deutsche Spiel

Bei der Handball-WM droht dem stark verjüngten Nationalteam ein frühes Aus. Mehr denn je ist jetzt Philipp Weber gefordert, der neue Kopf der Mannschaft.

Philipp Weber (l.) vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig lässt sich mit dem Ball in der Hand kaum aufhalten.
Philipp Weber (l.) vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig lässt sich mit dem Ball in der Hand kaum aufhalten. © dpa/Sascha Klahn

Von Ullrich Kroemer

Gizeh. Wenn Philipp Weber im Mannschaftshotel der deutschen Handballer in Gizeh auf die Terrasse tritt, sind die Pyramiden nur noch einen Ballwurf entfernt. Aufgrund der Corona-Bestimmungen bei der WM in Ägypten dürfen die Spieler die Unterkunft aber auch an freien Tagen nicht verlassen, was ein Besuchsverbot fürs Weltwunder in unmittelbarer Nachbarschaft einschließt. So nah und doch so fern.

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Die sportliche Konstellation für Spielmacher Weber und das deutsche Team ist genauso. Die Chancen auf das Viertelfinale sind nach der 28:29-Niederlage gegen Ungarn durch einen Treffer vier Sekunden vor Schluss zunächst rapide gesunken. „Das ist extrem bitter, wie das am Ende gelaufen ist. Ein Scheißgefühl“, sagt Weber.

Andererseits ist längst nicht alles verloren, nur schwieriger. Im Hauptrundenspiel am Donnerstag gegen Europameister Spanien (20.30 Uhr, ZDF live) ist ein Sieg nun Pflicht. „Die Moral und die Leistung in der zweiten Halbzeit gegen Ungarn waren sehr gut“, betont Weber. Das muss der Maßstab sein – auch für ihn bei seiner ersten WM.

Als Spielmacher ist der 28-Jährige vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig der unumstrittene Kopf des DHB-Teams. „Philipp Weber ist bei uns ganz klar die Nummer eins auf Rückraum-Mitte“, betont Bundestrainer Alfred Gislason. Nach seinem ersten, misslungenen Turnier bei der EM 2018 und der Steigerung 2020 gehört Weber mit 34 Länderspielen zu den erfahrenen Spielern in der jungen Mannschaft. „Eine sehr, sehr schlechte, eine sehr, sehr gute EM – das hilft einem persönlich extrem, sich zu entwickeln“, sagt der gebürtige Schönebecker und stellt fest: „Ich bin jetzt mehrere Schritte weiter, als ich es damals war.“

Der Vater zieht mit Motocross den Kürzeren

Die Rolle als Spielgestalter hat er komplett angenommen, beim Verein wie im Nationalteam. „Ich versuche, der Mannschaft Sicherheit zu geben, indem ich auch während des Spiels viel mit dem Co-Trainer rede, um zu analysieren, wie die Abwehrreihen auf unsere Kombinationen reagieren“, sagt der 1,94-Meter-Mann, der sich mit einem speziellen Videostudium auf jeden Gegner vorbereitet. Zudem wirkt Weber bei der WM ganz bei sich und sagt bescheiden wie selbstbewusst: „In Drucksituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen, reizt mich extrem, da kann ich mein Potenzial am meisten ausspielen.“

Dass der Sachsen-Anhalter zum derzeit spielstärksten deutschen Rückraumspieler reifte, ist einer Grundschullehrerin und Webers Mutter, selbst ehemalige Handballerin bei Lok Stendal, zu verdanken. Sein Vater hatte für ihn eine Karriere als Motocross-Fahrer vorgesehen. Bereits mit vier Jahren saß er auf dem Motorrad und wurde in jungen Jahren deutscher Vize-Meister. Doch die Handballfraktion in der Familie setzte sich durch. Weber fuhr bei Rennen absichtlich hinterher und signalisierte seinem Vater so, dass er lieber in die Halle wechseln möchte. Gute Entscheidung für den deutschen Handball.

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In Leipzig, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft, reifte er zum aktuell besten Torjäger und Vorlagengeber zugleich. Einzig seine „körperliche Substanz und Stabilität, um auf seiner wichtigen Position regelmäßig zu liefern“, sind laut DHfK-Manager Karsten Günther noch ausbaufähig. Und: „In schwierigen Phasen hat er Luft nach oben, was die Körpersprache und Spielsteuerung angeht.“

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