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Hat diese Corona-Saison überhaupt einen Sinn?

Infizierte Profis, regelmäßige Spielabsagen, schiefe Tabellen – für die Dresdner Klubs ist das langsam besorgniserregend.

In den Arenen Deutschlands bleiben Zuschauer vorerst außen vor. Bald auch die Mannschaften?
In den Arenen Deutschlands bleiben Zuschauer vorerst außen vor. Bald auch die Mannschaften? © kairospress

Titel, Tränen, Aufstieg und Abstieg – im besten Fall gar Champions League. Auch in dieser so ungewöhnlichen Saison mit den Einschränkungen der Corona-Pandemie ist das alles möglich. Noch. Denn bereits jetzt droht aufgrund einer Unmenge von Spielabsagen und -verschiebungen in den meisten professionellen Hallen-Spielsportarten mindestens eine schleichende Wettbewerbsverzerrung, zudem bahnt sich ein Terminchaos an. Dabei sind noch nicht einmal die ersten Halbserien abgeschlossen. Halten die Profis dennoch zusammen und mithin alle an einer regulären Saison fest? Oder muss man zeitnah gar über Meisterschaften ohne Wertung nachdenken oder zumindest die Auf- und Abstiegsregelungen aussetzen?

Die meisten Profi-Klubs aus der Region halten sich dahingehend vorsorglich bedeckt. Auch sie spielen auf Zeit. Wobei es in der DEL 2 die faktisch dichteste Ausgangslage gibt. „Wir Zweitligisten haben immer gesagt, dass wir uns im März zusammensetzen und dann die sportliche Situation bewerten und unter Umständen über Auf- und Abstiegsregelungen entscheiden werden. Daran halten wir fest“, sagt Dirk Rohrbach, Manager der Lausitzer Füchse. Wenngleich auch die Tabelle in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga kaum für eine reguläre Bewertung taugt. Einige Teams haben bereits elf Partien absolviert, die Tölzer Löwen erst fünf.

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DEL 2 berät spätestens im März

„Wir wollen die Liga unbedingt durchspielen. Wir haben in unseren rechtlichen Grundlagen, den Durchführungsbestimmungen, ja extra Corona mit aufgenommen“, erklärt Rohrbach. Auch Maik Walsdorf, kaufmännischer Geschäftsführer der Dresdner Eislöwen, bestätigt: „Ich denke, dass es angesichts der Terminzwänge sicher bereits Ende Januar oder Anfang Februar Sinn hat, über die Abstiegsregelung zu diskutieren. An der Aufstiegsmöglichkeit in die DEL wollen wir unbedingt festhalten.“ Eine Wettbewerbsverzerrung sehen beide Manager noch nicht. „Derzeit ist die Zahl der verlegten Spiele noch überschaubar, auch wenn auf uns zum Beispiel im Januar viele Wochen mit drei Spielen warten. Im Moment kann man aus meiner Sicht noch von einer sportlichen Gleichbehandlung sprechen“, sagte Rohrbach.

Die Volleyballerinnen des Dresdner SC kämpfen nach dem Aus im Pokalhalbfinale nun noch um den Meistertitel – der Start in den europäischen CEV-Cup wurde auf Ende Januar verschoben. Da wartet dann ein Viererturnier in Istanbul auf die Mannschaft von Trainer Alexander Waibl. In der Bundesliga ist die terminliche Schräglage noch nicht ganz so heikel. Potsdam und Suhl haben mit je zehn die meisten Partien absolviert, der DSC bringt es auf acht. Das für den vergangenen Samstag angesetzte Ost-Duell gegen Schwerin in Dresden musste verschoben werden, da die Mecklenburgerinnen nach fünf positiven Corona-Fällen in Quarantäne sind.

Füchse-Manager Dirk Rohrbach: "Wollen die Saison unbedingt zu Ende spielen."
Füchse-Manager Dirk Rohrbach: "Wollen die Saison unbedingt zu Ende spielen." © Thomas Heide

„Nicht nur die Liga, sondern die ganze Gesellschaft befindet sich in einer außergewöhnlichen Situation“, sagt Sandra Zimmermann, Geschäftsführerin des DSC. „Alle haben dieselben schwierigen Voraussetzungen. Insofern gibt es keine Wettbewerbsverzerrung.“ Die Managerin muss aber weitere Überlegungen offenlassen: „In der aktuellen Situation sind wir froh, dass wir spielen können. Natürlich werden wir zum gegebenen Zeitpunkt auch über alternative Wettbewerbsformen sprechen. Darauf sind wir vorbereitet. Aber zunächst arbeiten wir für den regulären Spielbetrieb.“

Die Volleyballer der VC Dresden haben dagegen für ihr Zweitliga-Team den Trainings- und Spielbetrieb vorerst eingestellt. Eine Corona-Ausnahmeregel der Liga erlaubt das, wenn der Inzidenzwert am Standort des Klubs über 200 beträgt. Für Dresden trifft das zu. „Ich halte es zum jetzigen Zeitpunkt für ein fatales Signal, wenn wir trotz dieser Zahlen quer durch die Republik reisen würden“, erklärte Sportdirektor Sven Dörendahl.

Noch genug Ausweichtermine

Den Spielbetrieb sieht der HC Elbflorenz zwar noch nicht gefährdet, aber auch in der 2. Handball-Bundesliga ist das Gefälle zwischen angesetzten und tatsächlich ausgetragenen Partien riesengroß. Dessau hat bereits zwölf Partien in den Beinen, Dresden zehn, Bietigheim erst sechs. Die Nachholspiele könnten sich angesichts weiterer zu erwartender positiver Corona-Fälle in den Mannschaften zu einem überproportionalen Terminchaos aufstauen.

„Derzeit sehe ich nur Bietigheim tatsächlich sportlich benachteiligt. Die könnten zum Saisonende in Schwierigkeiten kommen“, sagt HC-Manager Karsten Wöhler. „Natürlich muss man sich irgendwann Gedanken machen, wie mit der Saison zu verfahren ist. Derzeit gibt es aber noch genügend Ausweichtermine“, sagte der 45-Jährige. Allerdings sprechen wenige Anzeichen dafür, dass das auch so bleibt.

Eine Etage darüber, in der Handball-Bundesliga, baut man bereits vor. „Wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor, alles andere wäre blauäugig“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Zwar sehe man „die Lockdown-Maßnahmen von Sachsen und Bayern für unseren Spielbetrieb bislang noch unkritisch, aber da ist eine neue Dynamik in dem Thema“, so Bohmann.

Einen neuen Liga-Stillstand wie im Frühjahr wollen die Klubs, die wöchentlich im Austausch stehen, aber unbedingt vermeiden. „Gerade mit Blick auf unsere Spiele kurz nach Weihnachten betrachten wir die Diskussionen sehr aufmerksam. Wenn uns da Spiele wegbrechen sollten, kommen wir in erhebliche Organisationsnöte, und die angespannte wirtschaftliche Lage spitzt sich weiter zu.“ (mit fth, sid)

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