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Ein unbeschreibliches Glücksgefühl

Vor 20 Jahren gewann Heike Drechsler ihr zweites Olympia-Gold. Ein magischer Moment für die damals 35-Jährige, der sogar sie selbst überraschte.

Die ehemalige Leichtathletin Heike Drechsler steht Ende 2019 bei der Verleihung zur "Sportlerin des Jahres" auf der Bühne.
Die ehemalige Leichtathletin Heike Drechsler steht Ende 2019 bei der Verleihung zur "Sportlerin des Jahres" auf der Bühne. © Patrick Seeger/dpa

Sie schnürt die Wanderschuhe. Mit ihrem Mann geht es an diesem besonderen Tag raus in die Natur im Allgäu. Dann schwelgt Heike Drechsler in Erinnerungen. „Wir haben einen kleinen Champagner schon kalt gestellt“, sagt sie. Beide wollen sich „eine nette Hütte suchen und den Tag im Stillen genießen. Die große Party hatte ich ja schon.“ Genau vor 20 Jahren.

Der 29. September 2000 war vermutlich der schönste Tag in ihrem Leben als Sportlerin – trotz all ihrer Erfolge. Ihr zweites Olympia-Gold war die unwahrscheinlichste all ihrer Medaillen. 6,99 Meter – mit 35 Jahren und nach zahlreichen Verletzungen. Eine Sensation.

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„Sydney – das war für mich etwas Besonderes. Da habe ich ein Glücksgefühl erlebt, das kann man mit Worten nicht ausdrücken“, erzählt die 55-Jährige rückblickend. Dass sie unter anderem die US-Amerikanerin Marion Jones, die später wegen Dopings Bronze verlor, schlug und „noch einmal oben stand, war die Erfüllung eines Traums, eine Erlösung“, sagt die Blonde mit den langen Beinen. „Ein Highlight, wie die Geburt meines Sohnes – so etwas vergisst man nicht. Riesig.“

Heike Drechsler vor 20 Jahren in Sydney.
Heike Drechsler vor 20 Jahren in Sydney. © picture alliance/dpa

Im Gegensatz zu früher gab sich Drechsler in Australien gelöst und locker. „2000 wusste ich, dass sich meine Karriere dem Ende entgegen neigt. Es waren so etwas wie Bonus-Spiele“, sagt sie. „Ich habe einfach alles genossen und in mir geruht. Ich war in einer Balance.“ Sechs Stunden vor dem Finale „habe ich noch einen dicken Burger gegessen. Das habe ich sonst nie gemacht“, sagt Drechsler lachend. Als ihr Gold dann nicht mehr zu nehmen war, „schwebte ich förmlich auf Wolke sieben und bin umher gehüpft wie ein kleines Kind“.

Das Talent von Drechsler, geborene Daute, hieß es früher, war so groß, dass sie auch mit Schwimmtraining eine überragende Leichtathletin geworden wäre. Schon mit 17 Jahren war sie 1983 die erste Weltmeisterin, sprang Weltrekord und holte acht Jahre vor Sydney auch in Barcelona Olympia-Gold. Sie wurde zweimal Weltmeisterin, fünfmal Europameisterin (über 200 m und im Weitsprung), war Weltklasse im Siebenkampf und lief die 100 Meter unter elf Sekunden. 

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Noch heute hält sie den deutschen Rekord über 200 Meter in 21,71 Sekunden, zusammen mit Marita Koch. Unter den zehn weitesten Sprüngen der Geschichte finden sich vier Versuche von Drechsler, die 1992 und 1988 genau 7,48 Meter weit geflogen war. Nach dem Fall der Mauer kamen wie bei so vielen Athleten aus der DDR auch bei ihr Doping-Gerüchte auf. Sie bestreitet, wissentlich gedopt zu haben. 2018 hat ein von Drechsler in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass sie nicht als inoffizielle Mitarbeiterin fürs Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat.

Noch heute wird Drechsler auf die Tage in Sydney angesprochen, vielleicht ja auch im Urlaub im Allgäu. „Das zeigt mir, dass ich Spuren hinterlassen habe“, sagt sie, „und macht mich ein bisschen stolz.“ (sid)

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