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Allein auf dem Sachsenring

Die Motorrad-WM auf dem Kultkurs ohne Zuschauer – das sorgt für Fragen. Zumindest die Zukunft ist gesichert.

Die Zuschauer fehlen auf dem Sachsenring, und auch Stefan Bradl (im Bild) wird nicht wie zuletzt 2019 am Start sein. Er ist als TV-Experte im Einsatz.
Die Zuschauer fehlen auf dem Sachsenring, und auch Stefan Bradl (im Bild) wird nicht wie zuletzt 2019 am Start sein. Er ist als TV-Experte im Einsatz. © Archiv: Thomas Kretschel

Hohenstein-Ernstthal. An diesem Wochenende wird es auf dem Sachsenring wieder laut. Die Motorrad-Weltmeisterschaft kehrt nach Hohenstein-Ernstthal zurück, nachdem der Grand Prix im Vorjahr coronabedingt ausfallen musste. Doch es werden ungewohnte Bilder sein, die aus Sachsen in die Welt gehen.

Erstmals in der Geschichte der Veranstaltung dürfen die Fans – ein Markenzeichen des Sachsenrings – nicht dabei sein, und auch deutsche Fahrer fehlen fast gänzlich. Dafür steht das sächsische Team Prüstel bei seinem Heimrennen unfreiwillig im Mittelpunkt, dessen Pilot Jason Dupasquier am 30. Mai beim Rennen in Italien tödlich verunglückte.

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Dynamo will nicht brav sein
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Obwohl es beim Termin fürs Mannschaftsfoto diesmal eher unspektakulär zuging, wollen die Schwarz-Gelben Liga 2 mit mutigem Spiel rocken.

Die Sächsische Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das WM-Rennen auf dem Kultkurs, der 2013 mit insgesamt 230.133 Zuschauern am Rennwochenende einen Rekord aufstellte.

Wieso dürfen trotz der sinkenden Corona-Zahlen keine Fans dabei sein?

Bereits vor gut einem Monat hat der ADAC, der als Promoter des Motorrad-Grand-Prix auftritt, entschieden, dass die WM-Läufe als Geisterrennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgefahren werden. Damals ließen die gesetzlichen Bestimmungen nichts anderes zu, dabei waren bereits 70.000 Tickets verkauft.

Dass anders als bei den Spielen der Fußball-EM in München keine Besucher kommen dürfen, liege auch an „technischen Gründen. In München gibt es Sitzplätze, die gekennzeichnet und beschränkt sind. Der Sachsenring hat allerdings keine festen Tribünen. Die zu installieren dauert mindestens acht Wochen“, sagte Gerd Ennser, der neue ADAC-Sportpräsident, der Bild-Zeitung, und er erklärt: „Also hätten wir Ende April mit dem Aufbau beginnen müssen. Doch zu dem Zeitpunkt wusste keiner, wie die Pandemie sich entwickelt.“ Man habe einen Kompromiss eingehen müssen, um den Grand Prix zu retten.

Warum finden die Rennen diesmal ohne Zuschauer trotzdem statt?

Ein Ausfall wie im vergangenen Jahr war keine Option. Dann hätte der ADAC die Zukunft der Veranstaltung aufs Spiel gesetzt. MotoGP-Rechteinhaber Dorna sucht nach verlässlichen Partnern. Der Kalender der Rennserie stößt allmählich an seine Grenzen. Vor allem in Asien und Südamerika wird an neuen Strecken gearbeitet. Der Sachsenring konnte sich dank der garantierten Austragung in diesem Jahr jedoch auf einen neuen Vertrag bis 2026 einigen.

Welche finanziellen Konsequenzen hat das Fehlen der Zuschauer?

Konkrete Zahlen nennt der ADAC nicht, es ist aber von Mehrkosten von gut einer Million Euro auszugehen, begründet unter anderem durch Hygieneauflagen. Unterstützung gibt es auch diesmal vom Freistaat Sachsen. Fakt ist: „Wir werden dieses Jahr kein Geld verdienen“, betonte Ennser und ist dennoch zuversichtlich: „Wir werden gute Jahre haben. Da muss man ein, zwei die nicht gut laufen, in Kauf nehmen.“

Wie sehen die Corona-Regeln rund um den Sachsenring aus?

Beim Grand Prix greift das weltweite Hygienekonzept der Dorna, das mit dem Gesundheitsamt vor Ort abgestimmt ist. Die inzwischen schon normalen Vorschriften (Maske, Abstand) sowie ein verpflichtender Impfnachweis oder PCR-Test gelten für alle Personen, die Zugang zum Fahrerlager haben. Zudem wird am Sachsenring ein mobiles Testcenter errichtet. Auch ein Teil der 1.000 Helfer muss sich Tests unterziehen.

Die Polizei wird zudem vor Ort sein und gut einsehbare Streckenabschnitte besonders kontrollieren. „Fans werden gebeten, die Trainings und Rennen zu Hause zu verfolgen und sich nicht an der Rennstrecke zu versammeln oder sich Zutritt zum Gelände zu verschaffen“, teilte der ADAC mit. Es gehe darum, „ein Einschreiten der Ordnungskräfte oder der Polizei gar nicht erst erforderlich zu machen“.

Wie sieht es sportlich aus, welche Chancen haben deutsche Piloten?

Motorrad-Ikone Valentino Rossi wird voraussichtlich zum letzten Mal auf dem Sachsenring fahren. Aufgrund der bisher ausgebliebenen Erfolge in diesem Jahr ist zu erwarten, dass der 42-Jährige seine Karriere nach der Saison beenden wird. 2009 konnte der Italiener zum letzten Mal auf der von ihm wenig geliebten Strecke gewinnen.

Eine noch düstere Prognose gibt es aus deutscher Sicht. Mit Marcel Schrötter in der Moto2-Klasse ist derzeit ohnehin nur ein Fix-Starter dabei, und in den Nachwuchsklassen drängen sich kaum Talente auf. Stefan Bradl, in der laufenden Saison dreimal als Ersatzpilot in der MotoGP am Start, fährt diesmal nicht.

Wie geht das Prüstel GP-Team nach dem Todesfall in das Rennen?

Der tödliche Unfall seines Piloten Jason Dupasquier beschäftigt den Rennstall weiter. „Es ist eine schwierige Situation, wenn die halbe Box leer steht, wenn Mechaniker keine Arbeit haben“, sagte Teamchef Florian Prüstel in der Bild-Zeitung. Beim Heimrennen wird Prüstel erneut lediglich einen Piloten in der Moto3-Klasse stellen, den Japaner Ryusei Yamanaka.

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Der Motorrad-Grand-Prix bleibt auf der traditionellen Rennstrecke - auch wegen der vielen Fans in Sachsen. Doch die dürfen dieses Jahr noch nicht dabei sein.

Er sagt: „Ich bin voll motiviert. Lasst uns versuchen, ein gutes Ergebnis für den Heim-GP des Teams und für Jason zu erzielen.“ Nach dem Training am Freitagnachmittag soll es eine offizielle Zeremonie für Dupasquier geben. Dabei wird seine Startnummer 50 aus der Moto3-Klasse zurückgezogen. (mit FP, dpa und sid)

TV-Tipp: Der Sender ServusTV überträgt das Training am Samstag und die Rennen am Sonntag live.

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