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Geiger muss Traum vom Toursieg aufgeben

Wie schon im Vorjahr verspielt der 27-Jährige am Bergisel alle Chancen auf den Triumph bei der Vierschanzentournee - und ist bedient. Nun ist ein Pole „Chef im Ring“.

Lag in Innsbruck nach dem ersten Durchgang nur auf Rang 30 und musste den zweiten als Erster beginnen: Skiflugweltmeister Karl Geiger, der anschließend am liebsten „überall reintreten“ wollte.
Lag in Innsbruck nach dem ersten Durchgang nur auf Rang 30 und musste den zweiten als Erster beginnen: Skiflugweltmeister Karl Geiger, der anschließend am liebsten „überall reintreten“ wollte. © dpa/Daniel Karmann

Innsbruck. Das enttäuschende Déjà-vu am verfluchten Bergisel ließ Karl Geiger verzweifeln. Schon wieder haben die deutschen Skispringer um den Flug-Weltmeister ihre herausragenden Chancen bei der Vierschanzentournee in Innsbruck verspielt und benötigen in Bischofshofen am Mittwoch ein kleines Wunder. „Das Ding ist so gut wie durch, es ist einfach frustrierend“, schimpfte Geiger, der bei der famosen Flugshow von Polens Routinier Kamil Stoch überhaupt nicht mithalten konnte. Er könne momentan „überall reintreten“. Der Frust über die Sprünge auf 117 und 125 Meter war auch nach einer Stunde nicht verschwunden.

Der 27-Jährige büßte am Sonntag mächtig Punkte ein und liegt vor der vierten und letzten Station fast 14 Meter hinter Stoch, der nach seinem Innsbruck-Coup auf den dritten Gesamtsieg bei der Tournee hoffen darf. „Kamil hat gezeigt, dass er der Chef im Ring ist“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher in der ARD. Seine Schützlinge Geiger und Markus Eisenbichler haben dagegen gepatzt. „Vielleicht haben wir alle ein bisschen Angst gehabt vorm Bergisel“, mutmaßte Horngacher. Geiger sagte, er kriege „das Kotzen“, wenn er an all die Rückschläge auf der Anlage in Tirol denke. Der erste Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2002 rückt in weite Ferne.

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Innsbruck-Gewinner Kamil Stoch jubelt bei der Siegerehrung und steht vor seinem dritten Erfolg bei der Vierschanzentournee.
Innsbruck-Gewinner Kamil Stoch jubelt bei der Siegerehrung und steht vor seinem dritten Erfolg bei der Vierschanzentournee. © dpa/Daniel Karmann

Stoch sprach nach Flügen auf 127,5 und 130 Meter von „einer super Belohnung“. Dabei war das polnische Team in Oberstdorf wegen eines Corona-Falls noch kurzzeitig ausgeschlossen worden und kehrte erst nach 22 turbulenten Stunden und zwei weiteren Tests, die negativ ausfielen, zurück. Nun könnten sie wie 2017, 2018 (jeweils Stoch) und 2020 (Kubacki) schon wieder den Gesamtsieger stellen.

Was bleibt für die deutschen Adler? Bei Geiger nur Enttäuschung. „Es ist nicht der Wettkampf, den ich mir erwartet habe. Es ist eine ziemlich bittere Nummer wieder heute“, sagte der Allgäuer, dessen Emotionen im kompletten Kontrast zum überschwänglichen Jubel von Oberstdorf standen. In seiner Heimat hatte Geiger am Dienstag noch den Auftaktwettbewerb gewonnen und Hoffnungen auf den Gesamtsieg geschürt. Zimmerkollege Eisenbichler sagte, er sei in Innsbruck noch „mit einem blauen Auge davongekommen“.

Deutschlands letzter Tournee-Gewinner Hannawald war am ARD-Mikrofon entsprechend bedient, als Geiger und Eisenbichler im ersten Sprung nacheinander patzten. „Es soll nicht sein, das nervt mich“, schimpfte der 46-Jährige. Nach seinem deutlich besseren zweiten Versuch schlug sich Geiger auf den Helm und rief lautstark: „Warum nicht gleich?“ Der erste Sprung in der klirrenden Kälte von Innsbruck dürfte ihn – wie schon im Vorjahr – alle Chancen auf den Gesamtsieg gekostet haben. Und damit kam der sonst so ausgeglichene Allgäuer gar nicht klar.

Auch der bislang Führende patzt

„Das kann passieren. Es hat nicht ganz funktioniert. Auf dieser Schanze wird das sofort bestraft. Wir geben natürlich nicht auf“, sagte Horngacher. Auch der Norweger Halvor Egner Granerud, der bis dato Führende in der Tourneewertung, blieb hinter den Erwartungen zurück und belegte nur 0,1 Punkte vor Geiger den 15. Platz.

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Die Schicksalsschanze am Bergisel beschäftigt die Adler des Deutschen Skiverbandes schon seit Jahren. Mehrere Stürze, der für die windanfällige Anlage typische Föhnsturm und chaotische Wettbewerbe bei der Tournee ließen häufig deutsche Träume platzen, bevor Eisenbichler und Geiger 2019 ein goldenes WM-Wochenende hinlegten und Weltmeister-Titel im Einzel und Team holten. Diesmal hatte das Duo wieder schwer mit der tückischen Schanze zu kämpfen: Missglückte Probesprünge hatten schon angedeutet, wie schwer die Aufgabe in Tirol werden würde.

Nach einem Ruhetag und der folgenden Qualifikation steht das große Finale am Mittwoch auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen an. (dpa)

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