merken
PLUS Sport

Der Ironman kommt im nächsten Jahr nach Dresden

Die bekannteste Triathlon-Serie der Welt macht 2022 erstmals Station an der Elbe - zunächst auf einer kürzeren Distanz. Die Idee ist nicht neu.

Neben Hamburg wird der Ironman 2022 auch in Dresden Station machen.
Neben Hamburg wird der Ironman 2022 auch in Dresden Station machen. © dpa/Georg Wendt

Der Rahmen für die Präsentation ist nobel, prächtiger und gewichtiger geht es kaum. Im ehemaligen königlich-sächsischen Ministerialgebäude wird „ein großartiges Event“ vorgestellt, wie es Tourismus-Ministerin Barbara Klepsch beschreibt. Und Annekatrin Klepsch, Dresdens zweite Bürgermeisterin, kommt mit Blick auf den Ironman-Schriftzug – übersetzt Eisenmann – gleich August der Starke in den Sinn, der einer Legende zufolge Hufeisen zerbrechen konnte. Lokalkolorit geht immer.

Es wird also einiges geboten bei der Pressekonferenz in der Staatskanzlei, bei der es um die Premiere eines Triathlons im kommenden Jahr geht. Am 31. Juli ist Dresden erstmals Standort für ein Rennen der weltweit bekanntesten Serie Ironman. Allerdings wird entlang der Elbe nicht die klassische Langdistanz, die vor allem durch die alljährliche WM auf Hawaii berühmt ist, ausgetragen, sondern ein Ironman 70.3, die halbe Strecke: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer auf dem Rad und 21 Kilometer Laufen. Das macht zusammen 112,9 Kilometer oder umgerechnet 70,3 Meilen. Daher der Name. Gebräuchlicher sind Halb- oder Mitteldistanz.

Anzeige
Bist Du bereit für die Arbeit mit Strafgefangenen?
Bist Du bereit für die Arbeit mit Strafgefangenen?

Als Justizvollzugsbeamter/in (m/w/d) hast Du einen spannenden Job mit viel Verantwortung.

Dresden ist nun Teil des Ironman-Kalenders, in dem mehr als 170 Rennen pro Jahr weltweit stehen. „Dresden ist eine der bekanntesten und schönsten Städte in Deutschland. Außerdem waren wir in dieser Region noch nicht vertreten“, begründet Mike Matthias von der Ironman Germany GmbH die Wahl. Man verspricht sich vor allem schöne Bilder. Geschwommen wird im Alberthafen, dann geht es mit dem Rad über Meißen nach Riesa und zurück. Die Laufstrecke führt über Brücken zwischen Alt- und Neustadt, das Ziel ist neben der Semperoper.

Diese Bilder, die 2.000 erwarteten Teilnehmer, die samt Begleiter Geld in die Hotelkassen spülen, lassen sich Land und Stadt einiges kosten. Der Freistaat, verrät Ministerin Klepsch, gibt für die Premiere 200.000 Euro, die Landeshauptstadt beteiligt sich über ihre Tochter, die Dresden Marketing GmbH – in welcher Höhe, wird nicht gesagt.

Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die World Triathlon Corporation (WTC) nur dort Rennen ausrichtet, wo es sich auch rechnet. Die WTC als Rechteinhaber der Marke Ironman gehört dem US-amerikanischen Medienunternehmen Advance Publications sowie der Investmentfirma Orkila Capital. In Deutschland stehen im nächsten Jahr bisher neben Dresden noch die Ironmans im Kraichgau (Baden-Württemberg) und Duisburg auf der 70.3-Distanz sowie die EM-Rennen auf der klassischen Langdistanz in Hamburg und Frankfurt/Main fest.

Von 2015 bis 2019 versuchte ein Veranstalter aus Köln, in Dresden einen City-Triathlon zu etablieren und lockte bekannte Athleten wie die Niederländerin Yvonne van Vlerken an die Elbe. Doch 2020 und 2021 fiel der Wettkampf aus.
Von 2015 bis 2019 versuchte ein Veranstalter aus Köln, in Dresden einen City-Triathlon zu etablieren und lockte bekannte Athleten wie die Niederländerin Yvonne van Vlerken an die Elbe. Doch 2020 und 2021 fiel der Wettkampf aus. ©  Archiv: Robert Michael

Teilnehmen können in Dresden auch Hobby-Triathleten, Vorleistungen sind nicht nötig. „Es ist ein klassisches Jedermann-Rennen“, betont Matthias. Ob auch Profis antreten werden, kann er noch nicht sagen. „Das hängt von den individuellen Saisonplanungen der einzelnen Athleten ab“, sagt er. Weltmeister hatte Deutschland auf der 70.3-Distanz schon drei – und alle waren es doppelt: Michael Raelert (2009 und 2010), Sebastian Kienle (2012 und 2013) sowie Jan Frodeno (2015 und 2018).

In Dresden können dann Quali-Punkte für den Jahreshöhepunkt der 70.3-Serie, die WM 2023 im finnischen Lahti, gesammelt werden. Ob es an der Elbe neben dem Hauptrennen auf der Halbdistanz noch weitere und kürzere im Rahmenprogramm geben wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Der Preis dagegen schon: Die Gebühr für einen Einzelstart beginnt bei 300 Euro.

Zum Vergleich: Beim Moritzburger Schlosstriathlon müssen für einen Start auf der Mitteldistanz im nächsten Jahr 160 Euro gezahlt werden. Mit 1.800 Teilnehmern ist die Traditionsveranstaltung eine der größten in Ostdeutschland. Bisher. „Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird“, sagt Reiner Mehlhorn, Cheforganisator in Moritzburg. Der Termin liegt sechs Wochen vor dem des Ironmans, man geht sich also aus dem Weg. „Wir müssen uns da auch nicht verstecken, von der Qualität sind wir auf dem gleichen Level“, findet Mehlhorn. „Und ich habe schon vor Jahren gesagt, dass Dresden einen größeren Triathlon vertragen würde.“

Der Kamenzer Markus Thomschke ist der bekannteste Profitriathlet der Region, der sich ein drittel Mal für den Ironman auf Hawaii qualifizieren möchte. 2022 startet der 37-Jährige auch in Dresden.
Der Kamenzer Markus Thomschke ist der bekannteste Profitriathlet der Region, der sich ein drittel Mal für den Ironman auf Hawaii qualifizieren möchte. 2022 startet der 37-Jährige auch in Dresden. © Archiv: Ronald Bonß

Weiterführende Artikel

Ein ganz besonderer Ironman

Ein ganz besonderer Ironman

Chris Nikic hat das Downsyndrom und dennoch gezeigt: Kein Ziel ist zu hoch, alles ist möglich. Der 21-Jährige schafft es mit seinem Erfolg auch ins Guinness-Buch.

200.000 Euro beim Triathlon zu Hause

200.000 Euro beim Triathlon zu Hause

Jan Frodeno hat trotz Ausgangssperre einen Ironman bestritten - und das unter reger öffentlicher Anteilnahme. Es war der sportliche Höhepunkt der Ostertage.

„Meine Kinder haben mich sehr geerdet“

„Meine Kinder haben mich sehr geerdet“

Für den Triathleten Jan Frodeno hat sich die Motivation, seinen Sport zu betreiben, grundlegend geändert - weg von der Besessenheit aus der Not heraus.

Versucht hatte sich daran bereits ein Veranstalter aus Köln – mit mäßigem Erfolg. Von 2015 bis 2019 führte die Strecke durch die Innenstadt, doch mehr als 350 Starter kamen nie, 2019 sprang auch noch der Hauptsponsor ab. Dem Ironman wird ein ähnliches Schicksal sicher nicht drohen. Der Vertrag läuft zunächst bis 2024, ob der Freistaat nach der Premiere weiter Geld zuschießt, steht noch nicht fest, der Doppelhaushalt sei noch nicht verabschiedet, so Klepsch.

Mehr zum Thema Sport