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Einheit-Präsident: „Es gab keine Spieler-Revolte“

Thorsten Edelmann freut sich über den guten Start der Landesliga-Kicker, der so nicht zu erwarten war. Und er spricht über den Trainerwechsel. Ein Interview.

Thorsten Edelmann ist der Präsident des SV Einheit Kamenz, der in der Landesliga spielt.
Thorsten Edelmann ist der Präsident des SV Einheit Kamenz, der in der Landesliga spielt. © privat

Kamenz. Nach dem Weggang von Trainer Frank Rietschel, der raschen Trennung von Nachfolger Fred Wonneberger und einigen Schwierigkeiten bei der Kaderzusammensetzung, hat Fußball-Landesligist Einheit Kamenz unter dem neuen Chefcoach André Kohlschütter und Co-Trainer Dirk Rettig schneller als vermutet in die Spur gefunden. Darüber freut sich auch Präsident Thorsten Edelmann.

Im Interview mit Sächsische.de spricht er über den Saisonstart der Mannschaft und den unerwarteten Trainerwechsel.

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Herr Edelmann, wie froh sind Sie über den gelungen Saisonstart?

Zunächst bin ich aus mehreren Gründen froh, dass es überhaupt einen Saisonstart gegeben hat. Erstens, weil das ja aufgrund der Pandemie immer mit Fragezeichen versehen war. Zweites, weil es uns gemeinsam trotz unserer sehr schwierigen Situation im Männerbereich gelungen ist, eine qualitativ gute Mannschaft aufzustellen. Das war keine leichte Aufgabe. Hier kann ich mich nur bei unserem gesamten Team und insbesondere bei Dirk Rettig und Kapitän Alexander Schidun bedanken. Und drittens fühlt es sich für mich persönlich wieder sehr gut an, die Jungs spielen zu sehen und Kinder und Trainer beim Training und Wettkampf im Stadion zu erleben. Dafür lohnt sich unser ehrenamtliches Engagement.

Ein Blick zurück: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von Frank Rietschel erfuhren, dass er keinen neuen Trainervertrag in Kamenz unterschreiben wird?

Da es der 31. März und nicht der 1. April 2021 war, an dem unser Gespräch stattfand, bin ich nicht von einem Aprilscherz ausgegangen. Es war klar, dass dies irgendwann passieren würde. Für uns alle war das auch nachvollziehbar. Ich habe es oft gesagt und wiederhole es gern: Frank Rietschel hat in den acht Jahren als Trainer beim SV Einheit Kamenz eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir profitieren auch noch in dieser Saison von seiner Tätigkeit. Insofern drücken wir ihm und der Mannschaft in Schiebock von Herzen alle Daumen.

Im „Buschfunk“ kursierte immer wieder der Name André Kohlschütter als Rietschel-Nachfolger. Stimmt es, dass Sie sich damals nicht einig geworden sind?

Verhandlungen führen bedeutet zunächst, seine eigenen Vorstellungen mit denen des gegenüber abzugleichen und nach Kompromisslinien zu suchen. Das funktioniert nicht immer im ersten Anlauf erfolgreich. Umso schöner, wenn am Ende dann doch noch ein gutes Ergebnis für alle dabei herauskommt – so wie bei uns.

Die folgende Verpflichtung von Trainer Fred Wonneberger kam überraschend. Sie lobten damals sein Konzept, aber kurz danach erfolgte die Trennung. Was war der wirkliche Grund? Tatsächlich eine Spieler-Revolte?

Das sind Gerüchte, die ich inhaltlich zurückweise. Es gab keine „Revolte“ und auch keine dramatischen Konflikte zwischen den Beteiligten. Ich persönlich habe bis heute keinen Grund, von meiner positiven Einschätzung des Trainers und Menschen Fred Wonneberger abzuweichen und habe immer noch großen Respekt vor ihm. Gleichzeitig müssen wir auch akzeptieren, dass nicht immer der erste Versuch gelingt. Als Präsidium müssen wir auch schwierige Entscheidungen treffen, wenn die akute Gefahr besteht, dass Ziele nicht erreicht werden. Dabei geht es zuerst um die Sache und das Wohl des Vereins. Das ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, gehört aber dazu.

Wie war die Situation in und um den Landesliga-Kader damals?

Schwierig – und wir haben Sie zunächst gemeinsam gut und erfolgreich bewältigt. Dazu hat auch beigetragen, dass wir mit den Spielern klar kommuniziert haben, was wir können und was nicht. Ich glaube, das war wichtig und schafft Vertrauen.

War es schwer, André Kohlschütter dann doch noch zu überzeugen?

Ich würde das nicht als schwer bezeichnen wollen. André hat klar gesagt, was er sich wie in Kamenz vorstellt. Und wir konnten dann für uns sehr schnell entscheiden. Jeder war bereit auf den anderen etwas zuzugehen. Das lief sehr professionell und sehr sachlich ab. Seine Qualitäten als Trainer stehen für uns außer Frage. Er setzt neue Impulse und entwickelt die Spieler weiter. Ich kann nur jedem empfehlen, sich das im Stadion live anzuschauen.

Die Landesliga-Fußballer sind das Aushängeschild des Vereins und dadurch genießen sie sicher den einen oder anderen Vorteil. Wie schwer ist es, dies den anderen Abteilungen zu vermitteln?

Die Frage stellt sich so für uns nicht. Man kommt dann immer schnell zu dem Vergleich von Äpfeln und Birnen. Richtig ist, dass das der gesamte Fußballbetrieb wesentlich mehr Ressourcen bindet als andere Bereiche. Das beginnt schon im Jugendbereich und setzt sich bis zu den Erwachsenen fort. Das kann man dem Fußball nicht vorwerfen. Wir als Präsidium – einschließlich unserer Geschäftsstelle mit Tino Rölz – sehen die Abteilungen Turnen, Leichtathletik, Kegeln und Fußball sowie alle Mitglieder als gleichberechtigt an. Gleichberechtigt mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Anforderungen und Strukturen.

Viele Vereine klagen über große finanzielle Probleme und einen Mitglieder-Rückgang. Wie ist der Stand beim SV Einheit?

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Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.

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