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Warum die Olympia-Kanus nicht mit Lufthansa fliegen

Deutschlands Slalom-Kanuten geraten in Verlegenheit, weil die Airline ihre Boote nicht nach Tokio transportiert. Die Alternative organisieren die Sportler selbst.

Ohne Boote nach Tokio? Für die vier deutschen Slalom-Kanuten um Weltmeisterin Andrea Herzog (2. v.l.) ist dieses Horrorszenario vom Tisch.
Ohne Boote nach Tokio? Für die vier deutschen Slalom-Kanuten um Weltmeisterin Andrea Herzog (2. v.l.) ist dieses Horrorszenario vom Tisch. © dpa-Zentralbild

Dresden. Stehen Deutschlands beste Slalom-Kanuten mit der Meißnerin Andrea Herzog an der Spitze bei den Olympischen Spielen in Tokio ohne Boote da? Diese Absurdität stand kurzzeitig zu befürchten, wie eine von der Slalom-Abteilung des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) am Mittwoch verbreitete Meldung deutlich macht.

Darin heißt es: "Dank des Organisationsgeschickes des Deutschen Kanu-Verbandes fliegen nun nicht nur die vier Olympia-Nominierten im Kanuslalom am 6. Juli nach Tokio, sondern auch deren Boote. Doch einfach war das nicht." Die Lufthansa, heimische Airline, vom Bund subventioniertes Unternehmen und offizieller Partner des Olympia-Team Deutschlands, hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in der vergangenen Woche informiert, dass die betreffenden acht Boote nicht transportiert werden können.

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"Die Eckdaten der Anreise und die Anzahl der Boote für das sogenannte Pre Games Training und somit unsere Anreise zu den Olympischen Spielen waren dem DOSB frühzeitig bekannt. Doch wir mussten kurzfristig die Nachricht des DOSB mit der Absage der Lufthansa für den Bootstransport hinnehmen", schildert Cheftrainer Klaus Pohlen und ergänzt verärgert: "So ein bisschen fader Beigeschmack bleibt da schon für uns. Wir haben uns dann selbst darum gekümmert und sind bei der Turkish Airlines gelandet. So etwas habe ich in der Organisation von Olympischen Spielen in Deutschland auch noch nicht erlebt."

Aus dem Statement der Lufthansa werden die Hintergründe für das Dilemma nicht wirklich deutlich. Gerne hätte man das Sportgepäck und die Sportgeräte des Olympia Team D transportiert. "Da es sich bei einem Kanu allerdings um Sondergepäck handelt, kann die sichere Abwicklung des Transports nur über die Experten in diesem Bereich, die Lufthansa Cargo, erfolgen. Dabei unterstützen wir als Lufthansa gerne", teilt Lufthansa mit und entschuldigt sich zumindest für die Umstände: "Leider scheint hier in der Abstimmung zwischen Lufthansa und dem Verband zu einem Missverständnis gekommen zu sein. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die dadurch für die Mannschaft der Slalomkanuten entstanden sind."

Andrea Herzog aus Meißen gilt nicht erst nach ihrem Weltcup-Sieg vor wenigen Tagen in Markkleeberg zu den Medaillenkandidatinnen.
Andrea Herzog aus Meißen gilt nicht erst nach ihrem Weltcup-Sieg vor wenigen Tagen in Markkleeberg zu den Medaillenkandidatinnen. © dpa-Zentralbild

Auf Nachfrage von Sächsische.de beim DOSB werden die tatsächlichen Gründe für das Tohuwabohu offensichtlich. Bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 wurden die Sportgeräte der Slalom-Kanuten immer als normales Sperrgepäck in Passagier-Flugzeugen transportiert - im Unterschied zu den größeren Booten der Rennkanuten und Ruderer, die per Frachtmaschine auch diesmal nach Tokio geflogen werden. Zwischen den Spielen von Rio und Tokio "hat Lufthansa die Obergrenze für die Länge von Zusatzfracht bei Passagiermaschinen auf 3,15 Meter nach unten reguliert", sagt DOSB-Sprecher Michael Schirp.

Die Slalom-Kajaks sind mindestens 3,50 Meter lang. Die Airline hätte den DOSB oder die Slalom-Kanuten darüber informieren müssen, dass es diese Änderung gegeben hat - argumentiert die Dachorganisation der deutschen Sportfachverbände. Allerdings ist die Information über die Maße von Sportgepäck auf der Homepage der Airline auch öffentlich zugänglich. "Die Unsicherheit ist dadurch entstanden, dass die Lufthansa uns mitgeteilt hat, dass sie prüft, ob sie es dennoch hinbekommen. Und diese Prüfung zog sich", sagt Schirp. Für die deutschen Slalom-Kanuten ein offenbar zu langwieriges Prozedere. Sie suchten selbst nach einer Alternative - und fanden sie bei Turkish Airline. "Die Slalom-Kanuten haben uns darüber informiert, dass es diese andere Möglichkeit gäbe und gefragt, ob sie die nehmen könnten. Der DOSB und die Lufthansa-Vertreterin haben sich darauf geeinigt, dass das wohl besser sei", ergänzt der DOSB-Sprecher.

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