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Warum Nieskys Ex-Coach den Fußball noch nicht abhakt

Der Kesselsdorfer Paul Seifert ist nicht mehr Trainer in Niesky. Im Gespräch mit der SZ erläutert er die Gründe – und neue Pläne.

Von Jens Jahn
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Paul Seifert, hier links als Trainer in Niesky, hat neue Pläne.
Paul Seifert, hier links als Trainer in Niesky, hat neue Pläne. © H.-E. Friedrich

Kesselsdorf. Paul Seifert hat trotz seiner erst 34 Jahre schon viel erlebt im Fußball. Der Sohn vom Ex-Dynamo-Stürmer Gerd Seifert schaffte es mit dem FC Oberlausitz Neugersdorf als Spieler bis in die Oberliga, trat für Top-Vereine wie Gelb-Weiß Görlitz, SV See, Eintracht Niesky, Radebeuler BC und SG Striesen gegen das Leder. Der gebürtige Dresdner zieht sich heute noch für seinen Heimatverein SG Kesselsdorf, so es die Zeit erlaubt, die Töppen an. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Franz ist aktuell Coach beim Kreisoberliga-Dritten.

Zuletzt saß Paul Seifert beim Landesligisten Niesky auf der Trainerbank. In der Winterpause kam sein überraschender Rücktritt. „Es ist einfach eine Frage der Zeit. Ich bin beruflich eng eingebunden, dazu lebe ich gerade in Scheidung. Ich sehe glücklicherweise meine beiden Töchter sehr häufig, aber es sind halt weite Wege von Kesselsdorf nach Niesky“, sagt Seifert. „Ich habe mich vor die Mannschaft gestellt und klar meine Position erklärt. Ich kann einfach nicht mehr in dem Umfang, wie ich es gerne möchte, für die Jungs da sein.“

2019 hatte Seifert das Traineramt in Niesky angetreten. „Ich übernahm eine tolle Truppe, wir wollten oben in der Tabelle mitspielen. Doch dann ging der Hauptsponsor, und der Verein musste neue Wege gehen. Die Vorstellungen und Zukunftspläne reizten mich. Man wollte wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs setzen, mehr lokale Spieler ans Ruder lassen. Natürlich benötigt solch ein Unterfangen Zeit. Aber die jungen Spieler, angeleitet von erfahrenen Aktiven, haben sich prima entwickelt. Wir haben gute Spiele absolviert. Insgesamt waren es tolle Erfahrungen für mich“, sagt Seifert über seine erste höherklassige Trainerstation.

Besondere Erinnerungen an ein 0:7

Das Kapitel Fußball wird der Werkstoffprüfer trotz aller momentanen Umstände längst noch nicht abhaken. Dazu ist er schon durch seinen Vater viel zu sehr mit diesem Sport verknüpft. „Ich habe durch den Fußball tolle Erlebnisse gehabt. Ich erinnere mich an ein Oberligaspiel bei Sachsen Leipzig, als wir in der gerade eröffneten Red-Bull-Arena spielen durften. Oder die Partie gegen den 1. FC Magdeburg vor massig Zuschauern. Wir verloren zwar 0:7, aber die Stimmung war der Wahnsinn“, sagt Seifert. Durch seinen Vater lernte er viele Spieler aus DDR-Oberligazeiten kennen. „Ich erinnere mich an ein Spiel bei Energie Cottbus II, als mein Vater und der ehemalige Magdeburger Keeper Dirk Heyne am Spielfeldrand fachsimpelten.“

Seine ersten fußballerischen Spuren hinterließ Paul Seifert in der Jugend des Dresdner SC, wechselte dann in die A-Jugend von Dynamo Dresden. Auch sein Vater kann auf eine bemerkenswerte Vita zurückblicken. Gerd Seifert war neben Dynamo auch bei Stahl Riesa, dem FC Karl-Marx-Stadt, Rot-Weiß Erfurt, in Bischofswerda und zum Laufbahn-Halali beim Dresdner SC aktiv. Noch heute gibt es in der Familie Seifert rege Diskussionen über das aktuelle Fußballgeschehen.

Auf Paul wartet indes eine neue Aufgabe. Als DFB-Stützpunkttrainer wird er sich in Dresden um Nachwuchsfußballer kümmern. Und natürlich immer wieder mal in Kesselsdorf gegen den Ball treten: „Mit 34 Jahren bin ich doch noch nicht zu alt, um selbst spielen zu können“, erklärt der sympathische Fußballenthusiast.