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Warum die Fußballsaison im Kreis Görlitz beendet ist

Die Saison 2020/21 wird annulliert. Hoffnung hat der Präsident des Kreisfußballverbandes noch für den Pokal.

Das vermissen die Fußballer am meisten: die positiven Emotionen, hier nach einem Gebelziger Tor in einem Kreisoberligaspiel gegen den LSV Friedersdorf. Zur neuen Saison soll es so etwas wieder geben, vielleicht zuvor schon im Kreispokal.
Das vermissen die Fußballer am meisten: die positiven Emotionen, hier nach einem Gebelziger Tor in einem Kreisoberligaspiel gegen den LSV Friedersdorf. Zur neuen Saison soll es so etwas wieder geben, vielleicht zuvor schon im Kreispokal. © H.-E. Friedrich

Der Fußballverband Oberlausitz hat so lange wie möglich gewartet, immer in der Hoffnung, dass sich die Corona-Pandemie so entwickelt, dass eine Rückkehr auf die Sportplätze bald wieder möglich ist und wenigstens die erste Halbserie zu Ende gespielt werden kann. Jetzt aber ist die Entscheidung gefallen. Der Verband setzt alle Punktspiele dieser Saison in allen Altersklassen ab. „Wir hatten ja verschiedene Varianten für die Wiederaufnahme in den Punktspielbetrieb ausgearbeitet in der Schublade. Aber diese Pläne sind jetzt alle Makulatur. Nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen mit dem erneuten Anstieg der Inzidenzwerte ist eine Freigabe durch das Gesundheitsamt nicht in Sicht. Und dann bräuchten die Mannschaften auch noch eine gewisse Vorbereitungszeit, wenigstens zwei, drei Wochen. Und wir können im Amateurbereich nur an den Wochenenden spielen. Dass wir es noch schaffen, die Halbserie bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen, ist unrealistisch“, begründet Präsident Jürgen Heinrich, die im Präsidium einstimmig getroffen wurde.

Praktisch bedeutet das, dass diese Saison in allen Belangen gestrichen wird. Neben den Punktspielergebnissen auch bezüglich der Abrechnung des Schiedsrichter- und Nachwuchssolls. Vereine, die das Soll in diesen Punkten nicht erfüllen, werden für jede Saison der Nichterfüllung härter bestraft. Das wird für die jetzt abgesagte Saison ausgesetzt, auch wenn die Vereine zu wenige Schiedsrichter oder Nachwuchsteams gemeldet hatten.

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Mitgliederzahlen im Kreis recht stabil

Eine Resthoffnung hat der Präsident noch für den Pokal: „Den Pokalsieger könnten wir vielleicht noch bis Mitte Juli ermitteln. Und wir haben vom Achtelfinale an nur noch vier Runden einschließlich des Finales. Das könnte noch funktionieren“, sagt Heinrich. Ob wirklich alle fürs Achtelfinale qualifizierten Teams mitmachen würden, ist natürlich nicht sicher. Schließlich würden sie sich ja zwei, drei Wochen vorbereiten – im Falle einer Achtelfinalniederlage für ein einziges Spiel. Auf der anderen Seite ist ein Kreispokalsieg immer etwas ganz besonderes. Jürgen Heinrich: „Neben dem Pokalsieg selbst ist damit ja auch die Meldung für den Landespokal verbunden. Und falls es da ein attraktives Los mit einem Heimspiel vor vielen Zuschauern gibt, kann das auch bares Geld wert sein.“

Inwieweit die Corona-Pandemie große Auswirkungen auf die Vereine über die jetzt abgesagte Saison hinaus haben wird, ist auch Jürgen Heinrich noch unsicher. „Im gesamten DFB sind die Mitgliederzahlen zwar rückläufig, aber wir im Kreis scheinen da nicht so sehr betroffen. Zumindest haben das die Meldungen der Vereine ergeben, die bis Ende Februar bei uns eingegangen sind. Und was ich gehört habe ist auch, dass Eltern, die ihre Kinder jetzt abmelden, sie zum größten Teil wieder anmelden wollen, wenn es endlich wieder losgeht.“ Ob nicht einige Kinder die Lust verloren und sich anderen Interessen zugewandt haben, ob nicht vermehrt ältere Fußballer diese Situation jetzt nutzen, um ihre Karriere zu beenden, das alles könne man erst nach einem Neustart wissen.

Und da hätte Heinrich wie viele Fußballer gehofft, dass der schneller möglich wäre. Zum Beispiel auch in Verbindung mit den jetzt in Schulen erforderlichen Corona-Schnelltests. „Wir hätten uns gewünscht, dass negative Tests eine Art Eintrittskarte für den Tag und vielleicht den Folgetag sind, um im Freien Fußball spielen zu können. Wenn zum Beispiel Dienstag und Freitag getestet würde, könnten wir dann am Dienstag/Mittwoch trainieren und am Freitag/Sonnabend spielen.“

Viele offene Fragen

Aber so weit ist die Politik wohl noch nicht. Auch, ob geimpfte Fußballer nach dem Sommer auf jeden Fall am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen können, wäre eine Frage, die es zu beantworten gilt. Auch jetzt ist die Unsicherheit noch groß. Ob zum Beispiel die ab Dienstag geltende neue Allgemeinverfügung bedeutet, dass Nachwuchsfußballer wieder trainieren dürfen, würde Jürgen Heinrich im Moment nicht unterschreiben. In der neuen Allgemeinverfügung heißt es: Abweichend von § 4 Absatz 2 Nummer 6 SächsCoronaSchVO ist Individualsport alleine oderzu zweit und in Gruppen von bis zu 20 Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres im Außenbereich, auch auf Außensportanlagen zugelassen. „Wir glauben, dass damit ausschließlich kontaktfreier Sport gemeint ist. Was Nachwuchsfußballer dürfen, ob sie sich zum Beispiel Bälle zuspielen dürfen – das will ich erst schriftlich sehen, bevor ich unseren Vereinen eine offizielle Handlungsempfehlung gebe“, sagt der FVO-Präsident.
So langsam wirft ja auch schon die neue Saison ihre Schatten voraus. Demnächst sind es die Termine, zu denen die Vereine ihre startenden Mannschaften und

Spielgemeinschaften für die kommende Saison offiziell melden müssen. Erst dann wird man sehen, ob Corona nicht doch zu einem größeren Verlust an Fußballern (und damit Mannschaften) geführt hat.

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Starten soll die neue Saison im Erwachsenenbereich mit den Ausscheidungsrunden des Kreispokals bereits Anfang August – wenn das dann machbar ist. Die große Saisoneröffnung plant der Kreisverband nach wie vor mit dem ersten Punktspieltag am letzten Augustwochenende. Die Hoffnung ist da, dass die Impfkampagne gegen das Coronavirus bis dahin dazu führt, dass die Einschränkungen aufgehoben werden können. Im Moment fühlt sich das – Spiele, Tore, Emotionen auf einem Fußballplatz mit einer stimmungsvollen Kulisse – noch wie ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten an.

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