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Warum die Füchse gute Karten haben

Der Sieg im ersten Play-down- Spiel in Bad Tölz hat mehrere Gründe, die Mut machen.

Von Frank Thümmler
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Der 18-jährige Bennet Roßmy hat den Tölzer Löwen zum Auftakt große Probleme bereitet. Mit drei Treffern und einer Vorlage war er entscheidender Spieler – und nicht die sonstigen Topscorer Peter Quenneville und Hunter Garlent.
Der 18-jährige Bennet Roßmy hat den Tölzer Löwen zum Auftakt große Probleme bereitet. Mit drei Treffern und einer Vorlage war er entscheidender Spieler – und nicht die sonstigen Topscorer Peter Quenneville und Hunter Garlent. © Archivfoto: Gunnar Schulze

Weißwasser. Am Freitagabend ab 19.30 Uhr wird es laut in der Eisarena Weißwasser: Die Lausitzer Füchse haben die Chance, mit einem Sieg über die Tölzer Löwen dem Ziel Klassenverbleib ein großes Stück näherzukommen. In der Best-of-Seven-Serie benötigen die Lausitzer „nur noch“ Heimsiege in den ausstehenden Duellen – und der Ligaerhalt wäre sichergestellt. Dass die Fans, 1.500 dürfen in die Eisarena, alles für ihr Team geben werden, sollte sicher sein – erst recht nach dem 6:3-Erfolg der Füchse im ersten Duell am Mittwoch.

Dieser Auftakt-Vergleich der Serie brachte einige Erkenntnisse. Auf der Torhüterposition nahmen sich beide Mannschaften nicht viel. Weißwassers Leon Hungerecker war der gewohnt starke Rückhalt, spielte auch gut mit und sah lediglich beim dritten Gegentor etwas unglücklich aus. Sein Gegenüber Josef Hölzl zeigte nicht minder starke Paraden, war bei den fünf Gegentreffern (beim sechsten Füchse-Tor kurz vor Schluss war er nicht mehr auf dem Eis) chancenlos.

Beide erste Reihen erhielten wie erwartet sehr viel Eiszeit und zeigten ihre jeweilige Klasse. Den Füchsen gelang es dabei seltener als gewohnt, den Gegner in dessen Drittel zu binden. Quenneville, Garlent und Mäkitalo mussten oft genug Abwehrarbeit leisten, waren bei Kontern aber immer brandgefährlich. So erzielte Garlent den wichtigen Treffer zum 2:4 nur drei Sekunden vor Ende des Mitteldrittels. Dieses Tor bezeichnete der Tölzer Trainer Gaudet nach dem Spiel als Genickbrecher. Die erste Reihe der Löwen mit dem Deutsch-Tschechen Dibelka und den Amerikanern Spiro und Brady wirkte allerdings ähnlich stark und hatte bei einigen Abschlüssen Pech, agierte nur manchmal zu verspielt.

Der spielentscheidende Profi hat sich "einfach super gefühlt"

Entscheidend war im ersten Vergleich der bärenstarke Auftritt der zweiten Füchse-Reihe, der für „dreieinhalb“ Treffer verantwortlich war. Allen voran der 18-jährige Olbersdorfer Bennet Roßmy, der sein wohl bislang bestes Spiel als Profi machte: Drei Tore und eine Vorlage standen für ihn zu Protokoll. „Ich habe mich einfach schon super gefühlt, als ich auf das Eis gelaufen bin“, sagte er. Der so wichtige Ausgleichstreffer gelang ihm nach einer Einzelleistung. Der Tölzer Verteidiger Brady setzte dabei zunächst zum Schlagschuss an. „In den Play-downs tust du alles, um Schüsse auf dein Tor zu verhindern“, sagt Roßmy, der sich in die Schussbahn bewegte. „Dass er mich dann so traf, dass der Puck nach vorn wegsprang, war für mich das Zeichen, jetzt loszusprinten.“

Roßmy setzte sich mit Körpereinsatz gegen den 93-Kilo-Mann durch, war dann allein vor dem Tor und schoss dem Torwart durch die Beine.Wenig später leitete der 18-Jährige das 2:1 mit einem klugen Pass ein. Das vierte und fünfte Füchse-Tor erzielte er jeweils schön freigespielt – einmal von seiner Sturmreihe, einmal von Quenneville – mit satten Schüssen. Neben Roßmy trugen auch Valentin und Mueller zum starken Eindruck der zweiten Füchse-Reihe bei.

Die dritte Reihe mit Detig, Ritter und Grygiel strahlte ebenfalls Torgefahr aus und sorgte für Entlastung. Die Spieler der vierten Reihe kamen nur sporadisch zum Einsatz. Die Tiefe im Kader, im Vorfeld des Play-down-Duells eher als Schwäche bei den Füchsen ausgemacht, sprach im ersten Spiel letztlich ganz klar für die Lausitzer.

Ein Problem gab es dennoch – und dieses wurde schon im Vorfeld von Trainer Petteri Väkiparta angesprochen: Die Bad Tölzer sind eine Mannschaft, die deutlich weniger Strafen kassiert als ihr Gegner. In der Hauptrunde sind für den Klub deutlich mehr Über- als Unterzahlspiele (plus 35) ausgewiesen – ein ungewöhnlicher Wert für ein Team im Tabellenkeller. Zum Vergleich: Die in dieser Saison ziemlich diszipliniert auftretenden Füchse hatten in der gesamten Hauptrunde ein Überzahlspiel mehr als Situationen in Unterzahl.

Konzentrierter in die Zweikämpfe

Dieser Trend setzte sich auch im ersten Play-down-Spiel fort: Die Füchse hatten keine Sekunde Überzahl, weil sich die beiden Fünf-Minuten-Strafen für die Tölzer aus Schlägereinen mit denen der beteiligten Füchse-Spieler aufhoben. Darüber hinaus erhielten Füchse-Spieler, und nur sie, vier Zwei-Minuten-Strafen. Eine dieser vier Gelegenheiten nutzten die Tölzer zum zwischenzeitlichen 2:2. Ein weiteres Mal waren die Löwen extrem nah am Torerfolg dran, als ein Treffer erst nach Videobeweis wegen Behinderung des Schlussmannes aberkannt wurde.

Was heißt das für die kommenden Partien? Die Füchse müssen noch konzentrierter in die Zweikämpfe gehen, dürfen den Schiedsrichtern noch weniger Chancen geben, den Arm zum Zeichen einer Strafe zu heben. Und auf der anderen Seite müssen die Lausitzer hoffen, dass auch sie die Chance zum Überzahlspiel erhalten. Denn da gehörten die Füchse in der Hauptrunde zu den besten Teams der Liga.

Vielleicht lassen sich die Schiedsrichter ja auch ein wenig von der Stimmung in der Halle beeindrucken, wenn es darum geht, sich für oder gegen eine Strafe zu entscheiden – die Lautstärke der Füchse-Fans ist also gefordert.