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Sport

Deshalb war der neue Füchse-Trainer so schnell da

Eishockey-Coach Petteri Väkiparta war keine 24 Stunden von der U 20-WM aus Kanada zurück, da kam der Anruf aus Weißwasser.

Von Frank Thümmler
 5 Min.
Petteri Väkiparta heißt der neue Cheftrainer der Lausitzer Füchse. Der Finne hat auch schon in der DEL gearbeitet.
Petteri Väkiparta heißt der neue Cheftrainer der Lausitzer Füchse. Der Finne hat auch schon in der DEL gearbeitet. © Fotostand

Weißwasser. Die Lausitzer Füchse haben die Notbremse gezogen. Nach nur zehn Punkten aus elf Spielen im Dezember und vor allem einem völlig mut- und hilflosem Auftritt zum Jahresauftakt zu Hause gegen ersatzgeschwächte Tölzer Löwen (0:4) haben sich die Füchse-Verantwortlichen von Chris Straube als Cheftrainer getrennt.

Das Ziel, mit mindestens Platz zehn am Ende der Hauptrunde die Pre-Play-offs zu erreichen und die auch nervliche Belastung der Abstiegs-Play-offs zu vermeiden, drohte außer Reichweite zu geraten. Der Tabellenzehnte Kaufbeuren war nach dem vergangenen Wochenende fünf Punkte weg, der Tabellenneunte Bad Tölz sogar schon neun. Mehr als ein Alarmzeichen, auch wenn die Füchse ein beziehungsweise zwei Spiele weniger absolviert haben.

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Straube bleibt bei den Füchsen

„Es waren die Ergebnisse, aber auch die Art und Weise unserer Spiele, die uns diesen Schritt haben gehen lassen“, erklärt Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Selbst der Sieg kurz vor Silvester beim Letzten Selb sei nicht überzeugend gewesen. Das Spiel gegen Bad Tölz sei dann eine Offenbarung gewesen. „Wir haben gegen die zwölf Tölzer planlos gewirkt. Und Chris hat da vielleicht auch ein paar Fehlentscheidungen getroffen“, sagt Rohrbach.

In der Nacht danach habe er sich entschieden, auf der Trainerposition eine Veränderung vorzunehmen. Leicht ist das Rohrbach, selbst viele Jahre Spieler, später Trainer und jetzt Geschäftsführer der Füchse, nicht gefallen, weil er weiß, wie sehr Chris Straube an diesem Verein hängt, wie akribisch er gearbeitet hat.

„Aber am Ende muss all das Analysierte und Taktische auch in die Köpfe der Spieler rein und im Spiel umgesetzt werden, und das ist ihm am Ende nicht gelungen. Zum Schluss war auch Ratlosigkeit bei den Spielern“, erklärt der Geschäftsführer. Chris Straube wird seinen Vertrag in Weißwasser erfüllen, wird in Absprache mit Rohrbach Spieler beobachten, die für die kommenden Spielzeiten für die Füchse in Frage kommen.

Dass es am Montag dann so schnell ging, hat mehrere Ursachen: Rohrbach hatte sich schon im Dezember, als sich diese negative Tendenz abzeichnete, Gedanken gemacht, auch in Absprache mit dem Kooperationspartner Berliner Eisbären.

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Bei einem schon vor dem Wochenende vereinbarten Telefonat mit Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer kam dann der Hinweis auf Petteri Väkiparta, der gerade von der U20-WM aus Kanada – dort war er Assistenztrainer der deutschen U20-Nationalmannschaft – nach Deutschland zurückgekehrt war. Der Füchse-Geschäftsführer erkundigte sich dann bei Pat Cortina, den Rohrbach schon lange kennt und der mit Petteri einige Jahre zusammengearbeitet hat, sowie bei U20-Nationalcoach Tobias Abstreiter.

„Ich habe viel Gutes gehört und Petteri dann kontaktiert. Er ist dann noch am Montag aus Wolfsburg mit dem Auto angereist, wir hatten ein gutes, dreistündiges Gespräch. Er ist dann ins Hotel, hat mit seiner Familie gesprochen und binnen 90 Minuten zugesagt“, erklärt Rohrbach, der unbedingt wollte, dass der neue Trainer schon am Mittwoch beim Spiel in Kaufbeuren hinter der Bande steht. Einen Plan B habe es erstmal nicht gegeben. „Ich wollte auch vermeiden, dass mich am Montag dann alle möglichen Leute wegen des Trainerpostens anrufen“, so Rohrbach.

Für den 44-jährigen Finnen Väkiparta kam der Anruf aus Weißwasser überraschend, auch wenn er sagt: „Im Eishockey kann man nie überrascht sein. Aber ja, es ist sehr schnell gegangen. Ich war nach der Rückkehr aus Edmonton nur 24 Stunden zu Hause.“ Den Traditionsverein aus Weißwasser kannte er schon früher, vor allem bei Gastspielen mit den Jungadlern Mannheim im Berliner Wellblechpalast, wo die DDR-Eishockey-Historie dargestellt ist. Von Weißwasser selbst wusste Petteri Väkiparta aber wenig. Vom Kader kennt er Toni Ritter (aus seiner Mannheimer Zeit 2007) und jetzt die Förderlizenzspieler Bennet Roßmy und Korbinian Geibel.

Dass der Finne sehr gut Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr. Er ist schon viele Jahre in der Bundesrepublik. Väkiparta wurde im finnischen Heinola geboren, einer Kleinstadt mit rund 20.000 Einwohnern im Süden des Landes. Als Eishockey-Abwehrspieler schaffte er nicht den ganz großen Durchbruch, pendelte er zwischen der zweiten und dritten Liga und beendete schon mit 24 Jahren seine sportliche Laufbahn. Nach seiner Karriere begann er in seinem Heimatland das Trainerstudium, das er drei Jahre später erfolgreich abschloss.

Helmut de Raaf holte ihn dann 2007 als Assistenzcoach zu den Jungadlern nach Mannheim, dort trainierte Väkiparta dabei unter anderem Dominik Kahun und Leon Draisaitl. In Mannheim arbeitete der Finne sechs Jahre und sammelte dann sechs Jahre DEL-Erfahrung an der Seite von Pat Cortina in Schwenningen und Wolfsburg. Zuletzt betreute er als Assistenzcoach an der Seite von Nationaltrainer Tobias Abstreiter die deutsche U20-Nationalmannschaft.

Vor allem Kampfgeist gefordert

Der erste Eindruck des neuen Trainers ist gut, auch wenn natürlich nach nur einer Trainingseinheit noch nicht allzu viel zu bewerkstelligen ist. Dirk Rohrbach war entgegen der Gepflogenheiten mit in Kaufbeuren und stellte neben dem Kampfgeist eine positive Veränderung fest. „Wir haben nur zwei Torschüsse aus dem Slot vor dem Tor zugelassen. Von dort hatten wir zuletzt viele Gegentore bekommen. Und die vielen Schüsse von Außen konnte unser starker Torwart Leon Hungerecker parieren.“ Aber das wichtigste auch aus Sicht von Petteri Väkiparta: „Wir haben uns als Mannschaft präsentiert, der Kampfgeist war immer da, auch wenn nicht alles gelang“, sagte der neue Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Genau das hatte er auch von der Mannschaft gefordert.

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