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Gefangen zwischen den Sportwelten

Der Ex-Dresdner Georg Fleischhauer ist eigentlich Bob-Anschieber, plötzlich auch als Hürdensprinter so schnell wie nie – und Olympia sein großes Ziel.

Anschieben oder doch lieber über Hürden sprinten? Georg Fleischhauer, der immer noch Mitglied beim Dresdner SC ist, will sich nicht entscheiden.
Anschieben oder doch lieber über Hürden sprinten? Georg Fleischhauer, der immer noch Mitglied beim Dresdner SC ist, will sich nicht entscheiden. © Matthias Rietschel

Dresden. Um klare Antworten drückt sich Georg Fleischhauer normalerweise nicht. Bei der Frage aber muss er das tun: Ist er nun Sommer- oder Wintersportler? „Aktuell ist das schwierig. Ich bin beides“, sagt der 32-Jährige und stellt die Gegenfrage: „Warum auch nicht?“ Fleischhauer war einige Jahre der beste deutsche Leichtathlet über 400 Meter Hürden, kam 2011 bis ins WM-Halbfinale und wurde 2012 EM-Sechster.

Weil der frühere DSC-Leichtathlet daran nicht mehr anknüpfen konnte, wechselte er 2019 in den Eiskanal. Als Bob-Anschieber bringt er mit 1,95 Metern Körpergröße und 102 Kilogramm geradezu Idealmaße mit, und der Umstieg klappte sofort. Schon nach den ersten Tests galt er als Kandidat für einen der Auswahlbobs. Eine offizielle Leistungsüberprüfung bestätigte das. „Ich war unter den Top Fünf“, sagt Fleischhauer, verhehlt aber nicht, dass zwei Anschieber aus dem Team von Seriensieger Francesco Friedrich fehlten. Dennoch lobte ihn Bundestrainer René Spies öffentlich.

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Im Oktober 2020 verletzte sich Fleischhauer aber beim ersten Selektionsrennen. Diagnose: Anriss des Übergangsmuskels zur Achillessehne – drei Monate Pause. „Ich war im Januar wieder fit, hätte gern noch eine Chance bekommen, mich für ein international fahrendes Team zu empfehlen“, sagt er. Die Chance gab es nicht. Speziell bei Pilot Christoph Hafer, später WM-Sechster und -Siebenter, sah er eine Möglichkeit. „Er wollte nicht noch mal etwas ausprobieren. Das fand ich etwas ärgerlich“, sagt Fleischhauer, der im vorolympischen Winter ohne Ergebnis dasteht.

Mit Bestzeiten bei deutschen Meisterschaften zu Medaillen

Fleischhauer und sein Trainer Falk Balzer machten aus der Not eine Tugend, meldeten für die deutsche Hallenmeisterschaft der Leichtathleten über 60 Meter Hürden. „Wir haben uns in den sechs Wochen Vorbereitung nur auf gewisse Fixpunkte fokussiert“, sagt Fleischhauer. Das Ergebnis aber lässt aufhorchen. Der gebürtige Halberstädter, der 2015 nach Frankfurt am Main ging, wurde Zweiter und war mit 7,77 Sekunden so schnell wie nie. Bei 7,89 Sekunden stand seine Bestzeit. Schon im Sommer 2020 hatte Fleischhauer über 110 Meter Hürden unerwartet Bronze bei der deutschen Meisterschaft gewonnen – ebenfalls mit Bestzeit. Die LG Eintracht legte ihm daraufhin einen neuen Vertrag vor, „obwohl ich offiziell die Sportart gewechselt habe“.

Aufgrund der wieder entdeckten Spritzigkeit plant Fleischhauer für diesen Sommer nun mit einer kompletten Leichtathletik-Saison – ein Alleinstellungsmerkmal in der Bob-Nationalmannschaft, in der er als Ergänzungskader geführt wird. Dass dabei bobspezifische Trainingsinhalte mit denen als Hürdensprinter kollidieren könnten, sieht er nicht so. „Das kann man vermeiden“, sagt Fleischhauer, der zudem als Berater eines globalen Netzwerks von Unternehmen für Wirtschaftsprüfung arbeitet. Doch er weiß: „Beim Krafttraining muss man aber gut dosieren. Über die Hürden musst du geschmeidig sein. Da kannst du dich nicht aufpumpen.“ Für den Winter legt er jedoch nur unwesentlich an Muskelmasse zu. Sein Gewicht pendelt zwischen 98 und 102 Kilogramm.

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„Grundsätzlich passt das von der Herangehensweise, maximal zu beschleunigen. An der ersten Hürde sollte man das Tempo haben. Voll draufgehen – das ist das Gleiche wie im Bobsport“, meint er. Für einen Olympia-Start im Sommer in Tokio wird die Schnelligkeit wohl nicht reichen, für die Winterspiele im Februar 2022 in Peking schon – Fleischhauers großes Ziel. „Beim Bob ist die Chance da, noch mal etwas Großes zu erreichen. Dafür mache ich das.“

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