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Sport

Ex-Flüchtling läuft zum Marathon-Rekord

Amanal Petros bleibt in Valencia deutlich unter der bisherigen Bestzeit und zieht andere deutsche Starter mit. Der Vorgänger gratuliert aus der Ferne.

Amanal Petros hält jetzt den deutschen Marathon-Rekord.
Amanal Petros hält jetzt den deutschen Marathon-Rekord. © dpa/Sven Hoppe

Von Ralf Jarkowski

Valencia. Vor neun Jahren saß er noch als trauriger Teenager in einem Bielefelder Flüchtlingsheim und blickte einer ungewissen Zukunft entgegen. Am Sonntag wurde in Valencia für Amanal Petros ein Traum wahr: Der 25-Jährige vom TV Wattenscheid 01 rannte in seinem zweiten Marathon in 2:07:18 Stunden als deutscher Rekordhalter ins Ziel. Damit blieb der aus Eritrea stammende Leichtathlet gleich 1:15 Minuten unter der bisherigen Bestmarke des Tübingers Arne Gabius. Gabius hatte am 25. Oktober 2015 in Frankfurt am Main die Zeit des Dresdners Jörg Peter, der am 14. Februar 1988 2:08:47 gelaufen war, verbessert.

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Nebenbei erfuhr Petros, dass er zum Rekord rannte. "Nach einigen Kilometern merkte ich, dass das doch ein ziemlich schnelles Tempo ist, und erkundigte mich bei einem Begleit-Motorradfahrer", betonte er und ergänzte: "So habe ich erfahren, dass ich in der Gruppe für eine 2:06-Zeit laufe." Neben Tempo und Ausdauer bewies Petros auch Humor: Man habe die drei Tempomacher gefragt, ob sie noch bis Kilometer 35 durchhalten würden - und ihnen versprochen: "Wir laden euch dann später zum Kaffeetrinken ein." Die Taktik ging auf.

"Super! Klasse gemacht, Chance genutzt", erklärte Gabius zu seinem 14 Jahre jüngeren Nachfolger. "Amanal verbessert sich in den nächsten Jahren weiter. Er hat ein super Niveau, ist ein super Talent. Ich traue ihm mal eine Zeit von 2:05 Stunden zu", meinte Gabius, der wie Petros noch auf eine Olympia-Startchance 2021 in Tokio hofft.

Auch Trainer Tono Kirschbaum zog den Hut vor seinem Schützling, der in der vorigen Woche noch im Trainingslager in Kenia war - und sich im Hochland in Bestform brachte. "Das war sehr couragiert. Als ich die Zwischenzeit gesehen habe, war ich kurz vor dem Herzstillstand", sagte er. "Ich dachte: Au weia - wie will er das durchhalten? Dazu war es sehr windig, aber Amanal konnte sich gut in einem Pulk halten. Er ist sowieso ein Typ, der, wenn es rollt, sich nicht scheut, Risiko zu gehen."

Arne Gabius traut seinem Nachfolger noch eine Menge zu.
Arne Gabius traut seinem Nachfolger noch eine Menge zu. © dpa

Seit Wochen bangt Petros um seine Familie, die aus ihrem Heimatland Eritrea nach Äthiopien flüchtete, als er zwei Jahre alt war. Als 16-Jähriger kam Petros allein nach Deutschland. Seine Mutter und seine Schwestern leben noch immer in der Region Tigray. Seit Wochen wüten heftige Kämpfe zwischen Äthiopiens Streitkräften und der Führung der Region.

"Ich kann meine Familie seit vier Wochen nicht erreichen", hatte Petros zuletzt auf Instagram berichtet und dazu einen bedrückenden Lagebericht veröffentlicht. Mit dieser Ungewissheit war er in seinen zweiten Marathon gestartet - aber auch mit der Gewissheit: "Ich gehe ihn mutig an und denke an mein Volk, das ohne Grund gestorben ist oder fliehen musste."

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