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Wie Corona einen Marathonläufer ausbremst

Aus dem Covid-Tief zum Japan-Hoch? Hendrik Pfeiffer startete in Dresden ins Olympiajahr. Nach einer Infektion bestreitet er einen Wettlauf gegen die Zeit.

Über Dresden auf dem Weg nach Tokio – das war der Plan von Hendrik Pfeiffer. Beim Citylauf im Großen Garten bestätigte er seine gute Form. Nach einer Corona-Erkrankung ist jetzt alles anders.
Über Dresden auf dem Weg nach Tokio – das war der Plan von Hendrik Pfeiffer. Beim Citylauf im Großen Garten bestätigte er seine gute Form. Nach einer Corona-Erkrankung ist jetzt alles anders. © Foto: Jan Huebner

Als Hendrik Pfeiffer plötzlich selbst nicht einmal mehr etwas schmeckte, als er in eine Zitrone biss, schrillten bei ihm „alle Alarmglocken“. Ende März war das. Nach dem eisigen Rennen eine Woche zuvor beim Citylauf in Dresden dachte der Marathonläufer vom TV Wattenscheid erst, er habe sich einen Infekt eingehandelt – was ärgerlich genug gewesen wäre. Die Diagnose aber war schlimmer: Corona! Wenige Monate vor den Sommerspielen in Japan passierte damit genau das, was jeder Leistungssportler fürchtet.

Jetzt kämpft Pfeiffer, der die Olympia-Norm bereits im Vorjahr gelaufen ist und in Dresden seine gute Form mit 62:05 Minuten auf der Halbmarathondistanz bestätigte, um seinen „Lebenstraum“. Die Nachwirkungen von Covid-19 bei Spitzenathleten „kann man aktuell noch nicht richtig erklären, weil wir noch nicht so viele Erfahrungen haben“, sagt Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Was man aber weiß, ist natürlich: Wenn die Erkrankung richtig zuschlägt, kann es sogar zu einem Karriereende führen“, erklärt der 64-Jährige. Die größte Gefahr: zu früh und zu intensiv wieder mit dem Training anzufangen. Pfeiffer ist gewarnt.

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Während seiner Erkrankung schlief er 16 Stunden am Tag. „Wenn ich eine Kiste Wasser hochhob, musste ich mich danach erst mal hinlegen“, sagt der 28-Jährige. Vier Wochen habe es gedauert, bis er wieder mit ganz lockerem Laufen anfangen konnte. In Hochtrainingsphasen absolviert Pfeiffer, der 2017 und 2019 den Köln-Marathon gewann, dagegen 160 bis 170 Kilometer pro Woche. Im Februar 2020 lief er in Sevilla den Marathon in 2:10:18 Stunden – es ist immer noch die drittbeste Zeit eines Deutschen auf dem Weg zu Olympia und damit sein Ticket nach Tokio. Nur Amanal Petros (2:07:18) und Richard Ringer (2:08:49) waren bisher schneller.

"Ich stehe jetzt seit einem Jahr unter Anspannung"

Das enge Rennen um die drei Olympia-Tickets ist offiziell bis Ende Mai offen, aber kein Experte traut es einem Läufer mehr zu, Pfeiffers Leistung zu unterbieten. Er selbst hatte nun keine Chance mehr, bei einem Wettkampf nachzulegen. „Zu Corona kam der psychische Druck dazu. Ich stehe jetzt seit einem Jahr unter Anspannung“, verdeutlicht er.

Nach EKG, Lungenfunktionstest und Kardio-MRT hat Pfeiffer seine Ausdauerarbeit langsam wieder aufgenommen. Inzwischen befindet er sich im Höhentrainingslager in Kenia. Es soll ein Härtetest sein. „Ich hatte einen recht mühsamen Start mit deutlich erhöhtem Puls, der über die normale Höhenanpassung hinausging. Aber nach vier Tagen war der Hebel dann umgelegt“, sagt der Profisportler der Bundeswehr, und er ist auch wieder zuversichtlich: „Ich habe durch Corona zwar schon spürbar an Form eingebüßt, aber jetzt kann ich wieder normal trainieren und habe alles in meiner Hand.“

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Er sei offenbar ohne Folgeschäden oder Long Covid aus der Sache herausgekommen. Wie gut? Das wird sich in Sapporo zeigen, wo am 8. August der olympische Marathon startet. „Es ist die Arbeit von mehr als einem Jahrzehnt“, sagt Pfeiffer, der schon einmal ausgebremst wurde: Wegen einer Fersenverletzung fehlte er kurzfristig in Rio de Janeiro 2016, dabei hatte er schon die offiziellen Klamotten eingepackt. Es sei einer der dunkelsten Stunden seines Lebens gewesen.

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