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Sachsens Motorsportler geben in der Krise richtig Gas

Der PS-Sport leidet in der Pandemie. Sponsoren zögern, die Kosten bleiben gleich – aber Piloten und Teams geben nicht auf, wie zwei Beispiele zeigen.

Einen Führerschein hat Lennox Lehmann noch nicht. Das hindert ihn aber nicht daran, auf Rennstrecken um die Kurven zu rasen.
Einen Führerschein hat Lennox Lehmann noch nicht. Das hindert ihn aber nicht daran, auf Rennstrecken um die Kurven zu rasen. © Foto: IDM/Dino Eisele

Dresden. Das schönste Geschenk brachte weder Weihnachtsmann noch Christkind, sondern die Post. Pünktlich am Heiligabend konnte sich Lennox Lehmann ein Paket abholen, in dem der Meisterpokal bruchsicher verpackt war. Die ungewöhnlich späte Zustellung hatte seinen Grund in einem Rechtsstreit.

Ein niederländischer Pilot wurde wegen eines unerlaubten Drucksensors an der Hinterbremse nachträglich disqualifiziert und der Dresdner Lennox Lehmann damit Sieger der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) in der 300er-Klasse – als 15-jähriger Serienneuling. Ein Berufungsgericht musste sich mit dem Fall beschäftigen. Das dauerte. Erst kurz vor Weihnachten wurde das Urteil gesprochen.

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Die Saison war aber nicht nur aus diesem Grund eine besondere für den Gymnasiasten, seine Eltern und sein Team. „Die Lage im Motorsport ist durch Corona generell schwierig“, erklärt Tobias Lehmann, der Vater von Lennox. Dass keine Zuschauer an die Strecken dürfen, ist dabei noch das geringste Übel. Motorsport ohne Unterstützung von Herstellern und Sponsoren funktioniert nicht. Viele Firmen überlegen sich momentan aber sehr genau, ob sie Geld übrig haben, um es in ein Team oder einen Piloten zu stecken.

Eine Motorrad-Saison kostet 30.000 Euro

„Bei Lennox haben die Sponsoren bisher die Stange gehalten, aber die Suche nach neuen ist nicht gerade einfacher geworden“, beschreibt Lehmann die Situation. Eine Saison in der kleinsten Klasse der IDM kostet rund 30.000 Euro. Lennox wird vom ADAC gefördert, von seinem Team Freudenberg aus Bischofswerda, seinen Sponsoren und seinen Eltern. Die geben einen vierstelligen Betrag pro Jahr. Und je älter und schneller ihr Sohn wird, desto teurer wird alles. 2019 fuhr er noch im ADAC-Junior-Cup – und holte den Gesamtsieg. In der nächsten Saison, die Ende April auf dem Lausitzring beginnt, will er nicht nur seinen Titel in der IDM verteidigen, sondern auch vier bis fünf Rennen eine Klasse höher in der WM bestreiten. Eine Wildcard bekommt er durch den Sieg in der IDM quasi geschenkt. Die restlichen muss sein Team beantragen. Und sie müssen finanziert werden. „Das kostet 7.000 bis 8.000 Euro – pro Rennen“, verdeutlicht Lehmann.

Die Startnummer 28 war in der vergangenen Saison am Ende die Nummer eins: Der 15-jährige Lennox Lehmann gewann den Pokal in der IDM.
Die Startnummer 28 war in der vergangenen Saison am Ende die Nummer eins: Der 15-jährige Lennox Lehmann gewann den Pokal in der IDM. © Foto: IDM

Dabei hat Lennox noch Glück, dass sein Team einen permanenten Starter in der 300er-WM-Klasse hat. So halten sich die Aufwendungen für die Logistik, den Transport und die Mechaniker in Grenzen. „Wir investieren in der WM in einem mittleren sechsstelligen Bereich“, erklärt Teamchef Carsten Freudenberg, der in der nächsten Saison neben einem WM-Piloten ein Trio in der IDM einsetzt.

Auf seiner 50 PS starken KTM, die in der Spitze auf mehr als 200 Stundenkilometer beschleunigt, könnte Lennox auch gar nicht zu den Rennen fahren. Geografisch am nächsten liegen noch die in den Niederlanden, Frankreich und Italien. Doch Lennox darf nicht auf der Straße Gas geben. Er hat noch keinen Führerschein. „Das war bisher nicht notwendig. Seine Schule liegt gleich um die Ecke“, erzählt sein Vater.

Wann sich Lennox bei einer Fahrschule anmeldet, steht noch nicht fest. Der Plan für die weitere Motorsportkarriere ist da schon präziser. In der WM möchte er sich zunächst in der 300er-Klasse etablieren, dann zu den 600ern aufsteigen und schließlich bei den Superbikes ankommen. Die MotoGP, wo die ganz Großen der Szene wie Valentino Rossi und Marc Marquez in extremer Schräglage durch die Kurven jagen, bleibt wohl nur ein Traum. „Das ist finanziell noch mal eine ganz andere Hausnummer“, sagt Lehmann. „Bei der Superbike-WM werden seriennahe Motorräder eingesetzt, in der MotoGP nur Prototypen. Dadurch steigen die Kosten natürlich erheblich. Aber man sollte niemals nie sagen.“

Auf dem Sachsenring wollen Rossi und Marquez vom 18. bis 20. Juni fahren. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Die Tickets aus dem Vorjahr, als der Grand Prix abgesagt wurde, behalten ihre Gültigkeit. Doch ob Mitte Juni tatsächlich Zuschauer, vor allem in dieser Größenordnung, an die Strecke bei Hohenstein-Ernstthal kommen dürfen, ist völlig unklar.

Anfang Oktober sind auch die ADAC GT Masters auf dem Sachsenring zu Gast – und damit das noch junge Dresdner Privatteam T3. Das geht in die dritte Saison und wechselt erneut die Marke. Nach Audi R8 im Premierenjahr und Bentley Continental im vergangenen steigt das Team nun auf drei Lamborghini Huracan GT3 Evo um.

Mit drei Lamborghini Huracan will das Dresdner Team T3 in der nächsten Saison starten. Noch ist das Bild eine Computergrafik.
Mit drei Lamborghini Huracan will das Dresdner Team T3 in der nächsten Saison starten. Noch ist das Bild eine Computergrafik. © Foto: T3

„Bentley hat die Werksunterstützung eingestellt. Das wussten wir vor einem Jahr noch nicht“, erklärt Teamchef Jens Feucht. Die Zusammenarbeit mit dem italienischen Sportwagenhersteller, der wie Audi und Bentley zum Volkswagen-Konzern gehört, soll nun eine langfristige sein. Das Team rüstet aber nicht nur auf eine neue Marke um, sondern auch auf. Nach einem Auto in der ersten Saison und zwei in der zweiten schicken die Dresdner nun gleich drei an den Start. „Wir versprechen uns davon mehr Daten. Das soll uns helfen, noch schneller zu werden“, sagt Feucht.

In der vergangenen Saison fuhr der 20-jährige Dresdner Maximilian Paul regelmäßig in die Top 10. „Er hat große Fortschritte gemacht. Mit ihm waren wir sehr zufrieden“, lobt der Teamchef, der weiter auf Talente setzt und auch einem 16-Jährigen aus Aschersleben einen Platz im Cockpit gibt.

Viele Sponsoren zögern wegen der Pandemie-Folgen

Die Finanzierung, bestätigt auch Feucht, ist durch Corona nicht einfacher geworden. „Viele Firmen wollen abwarten, wie sich alles entwickelt. Manche müssen sogar Angestellte entlassen. Da ist es nachvollziehbar, dass sie kein Geld ins Sponsoring stecken wollen.“ In der ersten Saison hatten die drei Gesellschafter von T3 einen Etat von 600.000 Euro, mussten da aber als Einsteiger auch viel in Technik, Werkzeuge und ins Equipment investieren.

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