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Blutdopingprozess vor dem Ende

Am Freitag wird in München das Urteil im "Operation Aderlass"-Verfahren um den Thüringer Sportmediziner Mark S. gesprochen.

Der Angeklagte Mark S. (vorne, 2.v.r) steht bei Prozessbeginn mit seinen Anwälten Juri Goldstein (l) und Alexander Dann (r) zusammen.
Der Angeklagte Mark S. (vorne, 2.v.r) steht bei Prozessbeginn mit seinen Anwälten Juri Goldstein (l) und Alexander Dann (r) zusammen. © Peter Kneffel/dpa Pool/dpa

Von Jürgen Magh

München. Gnadenlose Härte oder doch ein milder Spruch? Der Blutdopingprozess um den Sportmediziner Mark S. und seine vier Mitangeklagten geht am Freitag (11.00 Uhr) mit dem Urteil vor dem Landgericht München II zuende. Gebannt wartet nicht nur Sportdeutschland in diesem Musterprozess auf die Entscheidung, ob der Thüringer Hauptbeschuldigte noch weitere Jahre in Haft bleiben muss oder eventuell auf Bewährung freikommt.

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Zwischen 2013 bis 2019 sollen unter der Anleitung von Mark S. zwölf Sportler in etwa 100 Fällen gedopt haben. Der geständige Mediziner aus Thüringen war Drahtzieher eines international agierenden Dopingnetzwerkes, seit Februar 2019 sitzt er in U-Haft.

Wegen der Dimension des Skandals setzt auch Alfons Hörmann auf ein gebotenes Strafmaß. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hoffe, "dass all diejenigen, die betrogen haben, gnadenlos bestraft werden".

Anti-Doping-Gesetz machte Prozess erst möglich

Kai Gräber, Chef-Ermittler der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München, hatte für Mark S. in seinem Plädoyer ein Strafmaß von fünf Jahren und sechs Monaten beantragt, dazu fünf Jahre Berufsverbot. Die Verteidiger plädierten hingegen für eine Aufhebung des Haftbefehls. Ihr Mandant habe bereits fast zwei Drittel einer aus ihrer Sicht angemessenen Strafe von rund drei Jahren abgesessen. Der Rest wäre nach ihrer Meinung auf Bewährung auszusetzen.

Auch für die vier Mittäter forderte die Staatsanwaltschaft Strafen. Komplize Dirk Q. soll eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten absitzen. Die weiteren drei Mittäter sollen mit Bewährungsstrafen davonkommen.

Möglich wurde der Prozess erst durch das seit dem 10. Dezember 2015 geltende Anti-Doping-Gesetz. Dieses verbietet, Dopingmittel herzustellen, zu veräußern oder zu verschreiben. Ebenso verboten ist die Selbstanwendung eines Dopingmittels ohne medizinische Indikation.

Strafmilderndes Verhalten des Angeklagten

Strafmildernd dürfte sich das Verhalten von Mark S. auswirken. Auch nach den Plädoyers am 8. Januar hatte er sich reuig gezeigt. "Ich bin falsch abgebogen, das ist alles meine Schuld. Für die Sch...., die man verbockt hat, muss man geradestehen", sagte der Sportmediziner. Zugleich ergänzte er mit Verweis auf seine vier Mitangeklagten: "Den Brandherd habe ich gesetzt, und es tut mir unendlich leid, dass ich die anderen vier da mit reingezogen habe."

Aufgeflogen war das Dopingsystem durch spektakuläre Razzien im Rahmen der Operation Aderlass im Februar 2019 während der nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt. Dabei war in Seefeld der österreichische Skilangläufer Max Hauke in flagranti mit einer Bluttransfusion im Arm erwischt worden. Bekannt ist die Verwicklung von Sportlern aus acht Ländern. Dabei handelt es sich um Athleten aus den Bereichen Radsport, Skilanglauf, Biathlon, Eisschnelllauf und Leichtathletik.

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