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Nach Krawallen in Bayreuth: Dynamo lädt Geschädigte ins Stadion ein

Beim Hinspiel in Bayreuth hinterließen einige Dresdner Fans ein Bild der Verwüstung. Der Verein entschuldigt sich mit einer Einladung an die Oberfranken.

Von Lucy Krille
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Nach den teilweise heftigen Randalen einiger Dresdner Fans in Bayreuth hat Dynamo die Geschädigten zum Rückspiel nach Dresden eingeladen. Unter anderem bekommen die Gäste eine Führung durch das Rudolf-Harbig-Stadion.
Nach den teilweise heftigen Randalen einiger Dresdner Fans in Bayreuth hat Dynamo die Geschädigten zum Rückspiel nach Dresden eingeladen. Unter anderem bekommen die Gäste eine Führung durch das Rudolf-Harbig-Stadion. © Symbolbild: dpa/PA/Robert Michael

Dresden/Bayreuth. Zum Spiel der Spielvereinigung Bayreuth bei Dynamo Dresden am Samstagnachmittag werden bei dem ein oder anderen Anhänger schlechte Erinnerungen hochkommen, die nichts mit dem sportlichen Geschehen zu tun haben. Bei der Drittliga-Partie in der Hinrunde im Oktober vergangenes Jahr wüteten Dynamo-Anhänger im Bayreuther Stadion, zerstörten Sanitäranlagen, attackierten Polizisten und überfielen einen Imbissstand. Bereits während der Anreise randalierten sie im Zug.

Der Betreiber des Bayreuther Imbissstands, Volker Zickler, und etwa 20 weitere Vereinsanhänger wurden nach den Krawallen nun zum Rückspiel nach Dresden eingeladen. Die Geste der Entschuldigung und Wiedergutmachung nehmen die Bayreuther gern an. „Dass Dynamo die Geschädigten nun nach Dresden eingeladen hat, finde ich eine ganz starke Geste“, sagte der Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth Michael Born, der von 2016 bis 2020 selbst Geschäftsführer bei der Sportgemeinschaft war.

Am Samstagmorgen starten die Oberfranken mit drei Kleinbussen und einem Auto nach Dresden. Vor dem Spiel bekommen die Gäste eine Stadionführung, danach schauen sie das Spiel im VIP-Bereich an. Groll gegen Dynamo hegen sie trotz allem nicht. „Wir sehen es nicht so, dass das Dresdner Fans waren, die Fußball schauen wollten“, sagt der Sohn vom Cateringchef, Raphael Zickler, der auch mit nach Dresden kommen wird.

"Dramatisches Erlebnis" für Bayreuther

Vielmehr seien einzelne Chaoten für den Vorfall verantwortlich. Er erlebte den Nachmittag im Oktober zunächst friedlich, mit vielen Dresdner Fans habe er gar Späße gemacht. Schnell wurde dann aber auch klar, dass einzelne Personen auf Krawall aus waren. Nach der Halbzeit wurde die Stimmung aggressiver.

Bei Krawallen von Dresdner Anhängern in Bayreuth wurde der Imbissstand von Familie Zickler überfallen. Die Bayreuther hegen dennoch keinen Groll gegenüber Dynamo Dresden.
Bei Krawallen von Dresdner Anhängern in Bayreuth wurde der Imbissstand von Familie Zickler überfallen. Die Bayreuther hegen dennoch keinen Groll gegenüber Dynamo Dresden. © Raphael Zickler

Die Anhänger nutzten Teile des Standes als Wurfgeschosse, wurden auch gegenüber Verkäufern handgreiflich. Übrig blieb ein leer gefegter, völlig zerstörter Imbisswagen. Auch die Tageseinnahmen nahmen die Täter mit. Zickler beobachtete zudem, wie die Randalierer Waschbecken und Toiletten zerstörten. „Die haben sich auch untereinander geprügelt“, wundert er sich noch heute.

Die Reste vom überfallenen Imbissstand. Den Schaden von etwa 20.000 Euro zahlten Dynamo.
Die Reste vom überfallenen Imbissstand. Den Schaden von etwa 20.000 Euro zahlten Dynamo. © Raphael Zickler

Ein unbeteiligter Familienvater habe einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen. Seit den Ausschreitungen trauen sich zwei Bayreuther Mitstreiter nicht mehr in den Gästeblock. Zickler versteht das, auch wenn er selbst wieder hinter der Theke steht. „Es war schon ein dramatisches Erlebnis.“ Sollte Dynamo wieder nach Bayreuth kommen, käme bei dem ein oder anderen sich ein mulmiges Gefühl auf. Die Polizei habe allerdings versichert, in Zukunft härter einzugreifen.

Bayreuth hofft auf Punkt gegen Dynamo

Zudem lobt Zickler die schnelle Reaktion von Dynamo. Geschäftsführer Jürgen Wehlend habe sich bei seinem Vater gemeldet, der Schaden von etwa 20.000 Euro wurde behoben, der Imbiss neu aufgebaut. Zickler will nun nach vorn blicken: „Wir freuen uns zu sehen, was im Hintergrund eines so großen Stadions so abläuft“, sagt er mit Vorfreude auf die Stadionführung in Dresden.

Schließlich sei das Rudolf-Harbig-Stadion eine andere Hausnummer als das Bayreuther Hans-Walter-Wild. Wenn die Spielvereinigung dann auch noch Punkte mitnehmen sollte, wäre der Tag perfekt. „Wir hoffen und glauben fest an den Klassenerhalt“, meint Zickler über seinen Verein, der aktuell gegen den Abstieg kämpft.

„Bei uns läuft es gerade nicht so gut, dabei hatten wir uns nach der Winterpause ganz gut erholt und uns aus den Abstiegsrängen verabschiedet“, sagt auch Born. Auch er weiß, dass das Spiel gegen die Mannschaft von Markus Anfang schwer wird. „Klar ist Dynamo der haushohe Favorit“, sagt der Bayreuther Geschäftsführer.

Trotz der gelbbedingten Sperren von Niklas Hauptmann und Dennis Borkowski habe die Mannschaft genügend Spieler mit Qualität. „Im Moment ist es nicht so einfach, gegen sie zu punkten. Aber wir werden alles versuchen, alles reinhauen und hoffen, das Hinspielergebnis wiederholen zu können.“ Die Bayreuther und die Dresdner trennten sich beim ersten Aufeinandertreffen mit 1:1. „Und wenn nicht, dann war es trotzdem eine schöne Erfahrung“, zeigt sich Zickler sportlich.